FreeBSD-Entwickler: Linux-Foundation sponsert NTPD-Alternative
Nach der Untersuchung der über 300.000 Zeilen Code von NTPD, der Referenzimplementierung des Network Time Protocols, ist der FreeBSD-Entwickler Poul-Henning Kamp zu dem Entschluss gekommen, dass das Programm zwar gerettet werden könne. Ein kompletter Neuanfang sei aber wirtschaftlicher, schneller und effizienter. Finanziert werden diese Bemühungen seit September dieses Jahres(öffnet im neuen Fenster) durch die Linux Foundation.
Der nun durch Kamp veröffentlichte Code zu Ntimed(öffnet im neuen Fenster) steht damit in keiner direkten Verbindung zu den am Wochenende bekanntgewordenen kritischen Fehlern in NTPD. Vielmehr einigten sich nach dem desaströsen Heartbleed-Bug verschiedene Techfirmen darauf, Kernbestandteile der Internetinfrastruktur künftig besser finanzieren zu wollen. Aus dem Geld dieser Initiative wird wohl auch Kamp bezahlt.
Klare Trennung der Funktionen
Zunächst steht nur eine erste Testversion eines NTP-Clients bereit, doch diese umfasst derzeit lediglich knapp 3.700 Zeilen Code(öffnet im neuen Fenster), auch wenn noch einige Funktionen fehlten. Wenn der Client je mehr als 10.000 Zeilen umfasse, habe er aber etwas falsch gemacht, schreibt Kamp.
Sollte das Projekt auf das nötige Interesse stoßen, werde Kamp noch Slave-Server, Refclocks(öffnet im neuen Fenster) oder andere Protokolle wie PTP(öffnet im neuen Fenster) hinzufügen. Kamp habe sich darüber hinaus bereits mit der Network Time Foundation(öffnet im neuen Fenster) darauf geeinigt, mit dem NTPD-Projekt zusammenzuarbeiten und Ntimed vorerst parallel dazu weiterzuentwickeln. Genaue Details zu dem Vorgehen stehen aber noch aus.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Zur NTP-Implementierung von OpenBSD schreibt Kamp(öffnet im neuen Fenster), dass diese nicht in seinen Plan passe, "eine größere Familie von Programmen zur Zeiterfassung" zu erstellen. Deshalb habe er den Code nicht übernehmen können. Zwar plant Kamp mit Ntimed eine große Plattformunabhängigkeit, er habe aber Verständnis dafür, falls OpenBSD sein Programm nicht verwende.
Zu der NTPD-Alternative Chrony möchte sich Kamp nicht weiter äußern(öffnet im neuen Fenster). Er gibt lediglich an, dass er Ntimed nicht begonnen hätte, wenn er mit Chrony zufrieden gewesen wäre. Zudem sei ein großes Problem von NTPD die fehlende Konkurrenz, so dass alles in diese Anwendung hineingestopft worden sei. Ein Wettbewerb sei demnach eine gute Sache, glaubt Kamp.
NTPD mischt Zeitserver, -client und viele damit verbundene Tätigkeiten in einem einzigen Programm. Eine Trennung soll das System weniger anfällig und übersichtlicher gestalten. Aus einer ähnlichen Argumentation heraus bietet das Systemd-Projekt einen eigenen NTP-Client(öffnet im neuen Fenster) in seiner Userspace-Sammlung an.
- Anzeige Hier geht es zu Linux: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.


