• IT-Karriere:
  • Services:

'Terroristen, die ihr Manifest posten? Das hätte ich nie erwartet'

Zeit Online: Warum haben Sie es denn überhaupt gegründet?

Stellenmarkt
  1. KTG GmbH, München
  2. Bechtle AG, Bonn

Brennan: Die Idee kam mir 2013. Ich hatte gerade psychedelische Pilze genommen und kam wieder runter von meinem Trip, als ich vor dem Computer saß und durch 4chan scrollte. Ein ähnliches Forum, aber mit vorgegebenen Themen. Und dann hatte ich diese Vision, die auch den Pilzen geschuldet war: Was, wenn diese Seite bis in die Unendlichkeit reichen würde? Wenn die User selber über die Themen bestimmen, ihre eigenen Boards entwerfen könnten? Die totale Meinungsfreiheit? Am Tag darauf programmierte ich den ersten Entwurf von 8chan.

Zeit Online: Drei Jahre später gaben Sie das Portal ab. Warum?

Brennan: Das hatte ganz profane Gründe: Es fehlte an einer Idee, wie sich damit Geld verdienen ließe. Mein Traum war, dass eine Stiftung für freie Meinungsäußerung zum Träger von 8chan wird. Mittlerweile ist 8chan ein Albtraum.

Zeit Online: Hätte Ihnen jemand erzählt, was aus 8chan werden würde: Hätten Sie es geglaubt?

Brennan: Nein. Ich hatte damals einen sehr naiven Blick darauf, wie sich unsere Gesellschaft entwickeln könnte. Ich hätte nie gedacht, dass sich Leute so radikalisieren könnten, wie sie es auf 8chan tun. Dass das theoretisch möglich wäre, ja. Darin liegt ja auch die Idee des Boards, in den unendlichen Möglichkeiten. Aber ich hätte nie geglaubt, dass es die User wirklich so weit treiben würden.

Zeit Online: Was dachten Sie?

Brennan: Manche Dinge wie Kinderpornografie waren ja abzusehen. Und das bekamen wir auch einigermaßen in den Griff. Aber dass Terroristen vor dem Anschlag ihr Manifest auf meinem Board posten? Das hätte ich nie erwartet.

Zeit Online: Woher kommt die Lust an der Radikalität auf 8chan?

Brennan: Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. Was sich gezeigt hat: Wenn die Moderatoren mancher Boards nicht einschreiten, tummeln sich dort immer radikalere User, die immer radikaler werden, sich immer mehr reinsteigern und immer expliziter zu Gewalt aufrufen. Den Leuten dort geht irgendwann der Realitätsbezug ab. Sie sind unter sich und halten ihre kruden Theorien für völlig normal.

Zeit Online: Gibt es irgendein Gegenmittel? Oder sind Imageboards eine Art Hydra: Schaltet man das eine aus, kommt das nächste?

Brennan: 8chan hat schon eine Art Legendenstatus. Andere Boards wie Endchan wurden dichtgemacht, weil dort nur ein Attentat angekündigt wurde, das aber nie passierte. 8chan überlebte buchstäblich einen Anschlag nach dem anderen. Dadurch wurde es berühmt und zu einer Anlaufstelle. Und jedes Mal kam es danach groß in die Medien, wie jetzt auch. Ich und andere forderten dann immer, es abzuschalten, aber es passierte lange nichts. Bis Mitte August, seitdem ist es down.

Zeit Online: Wie kam es dazu?

Brennan: Der aktuelle Chef der Seite, der US-Militärveteran James Watkins, hat es freiwillig vom Netz genommen, nachdem er vom US-Kongress vorgeladen wurde. Außerdem hat der Sicherheitsprovider von 8chan, das Unternehmen Cloudflare, die Zusammenarbeit abgebrochen. Damit ist ein Stück der Unsterblichkeit dahin. Man sieht, dass 8chan nicht unverwundbar ist. In meinen Augen eine extrem gute Entwicklung.

Zeit Online: Warum sind es dem Anschein nach vor allem junge weiße Männer, die sich auf 8chan radikalisieren?

Brennan: Weil das eine Bevölkerungsgruppe ist, die in den vergangenen Jahren einen gefühlten sozialen Abstieg hingelegt hat. Ich will nicht sagen, dass es ihnen schlechter geht als allen anderen. Aber ich habe den Eindruck, dass es weiße Männer Mitte 20 heutzutage schwerer haben als etwa noch vor 50 Jahren. Zumindest fühlen das diese Leute so und suchen die Schuldigen. Auf 8chan finden sie sie. Ich finde, damit sollten wir uns mehr beschäftigen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Fredrick Brennan: "Ich bereue es, 8chan gegründet zu haben"
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Top-Angebote
  1. 48,39€
  2. (u. a. Apacer AS340 120GB SATA-SSD für 19,99€, Apacer AS350 256GB SATA-SSD für 28,99€, Tefal...
  3. (u. a. Partisans 1941: Back into Battle für 8,49€, Barotrauma für 9,99€, Hard Reset Redux...
  4. (u. a. MotoGP 21 für 21,99€, Star Wars Jedi - Fallen Order für 16,29€, Civilization 6 für 6...

heikom36 29. Okt 2019

Man radikalisiert sich heute übers Internet. Und solche Plattformen verlinken sich...

GodsBoss 26. Okt 2019

Auf 8chan haben sich die User bestimmt auch über das unterhalten, was sie als "Bodensatz...

GodsBoss 26. Okt 2019

Inwiefern wurden denn "sämtliche Regeln fallen" gelassen? War es auf 8chan erlaubt...

FreiGeistler 23. Okt 2019

Weiss man doch; die eigentlichen Sexisten sind die, die immer darauf hinweisen...

nf1n1ty 22. Okt 2019

Man muss eine Position nicht vertreten, um über sie zu debattieren. O_o Einmal bitte...


Folgen Sie uns
       


Satelliteninternet Starlink ausprobiert

Trotz der schwankenden Datenrate konnten wir das Netz aus dem All problemlos für Arbeit und Freizeit nutzen.

Satelliteninternet Starlink ausprobiert Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /