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Wann Frauen zu programmieren aufhörten

In den 1980er Jahren, als Informatik an den Unis noch ein junges Fach war und der Personal Computer noch nicht die privaten Haushalte erobert hatte, waren etwa in den USA fast die Hälfte der Studenten Frauen. Als sich aber die Computerindustrie mit ihren Werbekampagnen an Jungen statt an Mädchen orientierte, fielen die Frauen fortan auch als Studentinnen zurück. Es wurde ein internationaler Trend daraus. Während Eva Göttert und ein Kollege eine Fehlerkette auf der Webseite analysieren, erinnert der sich an seine Uni-Zeit vor 15 Jahren in Dresden: "Wir hatten nicht eine einzige Frau im Studiengang."

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Das müsste nicht so sein: In Pisa-Studien schneiden Mädchen in Mathematik nur leicht schlechter ab als Jungen, aber die Unterschiede bei den späteren Karrierewegen sind viel deutlicher. Schwer vorstellbar ist auch, dass die Ungleichheit ausschließlich durch unterschiedliche Berufswünsche zu erklären ist. Den Zahlen getreu müssten Männer dann viermal so häufig an IT interessiert sein wie Frauen. Plausibler sind Erklärungen wie die von Eva Göttert und zahlreichen anderen Frauen: Der Lebensweg, von der Kindheit über die Schule bis in den Beruf, entmutigt viele Mädchen oder Frauen, wenn es um die entsprechenden Fähigkeiten geht. Für Diskriminierung braucht es hierbei keine Verbote oder offenen Anfeindungen. Klischees, wie jenes, dass richtige Nerds nur Jungs sein können, reichen oft schon aus.

Strukturen schaffen

So ein Problem festgefahrener Strukturen belastet vor allem reiche Länder, in denen der IT-Sektor schon ausgereift ist. Die 18-jährige Hyasinta Joseph Luhanga arbeitet daran, dass in ihrer Heimat Tansania Coding gar nicht erst zur Männersache erklärt wird. Vor ein paar Monaten hat sich die Schülerin freiwillig zu einem Programmierkurs angemeldet. "Mir öffnet sich eine ganz neue Welt", schwärmt Hyasinta, als sie am Nachmittag durch den kargen Gang ihrer Schule spaziert, um den nächsten Unterricht anzusteuern. "Nach ein paar Wochen konnte ich schon einen Code schreiben. Dadurch soll eine Smartphone-App über den Wasserstand unserer Brunnen informieren."

  • Für Angie Condor Macuri bedeuten IT-Kenntnisse finanzielle Sicherheit. So kann sie eine gute Ausbildung für ihren Sohn bezahlen. (Bild: Javier Sauras)
  • Hyasinta Luhanga träumt von einer Karriere als IT-Unternehmerin. Dafür schiebt sie nachmittags nach Schulschluss Extraschichten. (Bild: Abdi Latif Dahir)
  • Eva Göttert ist durch eine Umschulung Entwicklerin geworden. Interesse am Coden hatte sie schon vorher, aber für den Schritt in ein Informatikstudium fehlten ihr weibliche Rollenmodelle. (Bild: Javier Sauras)
Hyasinta Luhanga träumt von einer Karriere als IT-Unternehmerin. Dafür schiebt sie nachmittags nach Schulschluss Extraschichten. (Bild: Abdi Latif Dahir)

In Hyasintas Heimat, der tansanischen Hauptstadt Daressalam, gehört Wassermangel zu den Alltagsproblemen. Und in einer Gesellschaft, in der ein Viertel der Erwachsenen nicht lesen und schreiben kann, machen solche raren IT-Kenntnisse einen wichtigen Unterschied. Nicht nur für die ganze Gesellschaft, sondern auch für die ansonsten häufig marginalisierten Frauen. Carolyne Ekyarisiima, die Lehrerin von Hyasinta, stellt sich das so vor: "Die IT-Skills werden der Schlüssel zu ökonomischer Unabhängigkeit. Der Alltag ist schon heute stark digitalisiert, viele Familien haben auch ein Smartphone. Aber nur wenige verstehen die Vorgänge dahinter."

Wandel durch Vorbilder

Der Gedanke von Ekyarisiimas Verein Apps & Girls ist simpel: Durch die Schulungen soll in ganz Afrika eine erste Generation weiblicher IT-Rollenmodelle heranreifen. Theoretisch könnten auch Männer als Rollenmodelle für Frauen herhalten, nur orientieren sich Heranwachsende meist an Idolen, die viel Ähnlichkeit zu ihnen selbst haben. Carolyne Ekyarisiima sagt daher: "Mehr Coderinnen kriegen wir nur, wenn Mädchen zu anderen Coderinnen aufschauen können." Deshalb lernen Hyasinta und die anderen 30 jungen Frauen in ihrer Schule nicht nur das Programmierhandwerk, sondern auch das kleine Einmaleins der Geschäftsgründung. "Es gibt hier fast noch keinen Arbeitsmarkt für Programmierer", sagt Hyasinta zu Ende des Unterrichts, rollt ein Plakat mit aufgemalten Brunnen, Handys und Hierarchiebäumen für die Programmierung zusammen. Auf ihrem Notizblock lächelt die Popsängerin Hanna Montana, aber die hat Hyasinta per Kugelschreiber mit einer Nerdbrille verziert. "Also müssen wir Unternehmerinnen werden."

Kann es sein, dass es in der Zukunft von Tansania vor allem Frauen sein werden, die programmieren? Apps & Girls gibt sich alle Mühe. Im Klassenraum, der nach dem Unterricht noch voll mit weiterlesenden Schülerinnen ist, sagt Carolyne Ekyarisiima: "Bis 2025 wollen wir in ganz Afrika eine Million Mädchen trainiert haben."

In Peru tut sich gerade etwas Ähnliches. Eine kleine IT-Branche gibt es hier schon, und nur jede zehnte Arbeitskraft darin ist eine Frau. Hier liegt die Ungleichheit weniger an über Jahrzehnte geprägten Berufsbildern, sondern eher daran, dass Eltern oft weniger Geld in die Ausbildung für Mädchen stecken als in die für Jungen. Aber bei der in mehreren Ländern Lateinamerikas aktiven NGO Laboratoria überwiegt die Überzeugung, dass es noch nicht zu spät ist, am Boom teilzuhaben. An einem Morgen um 9 Uhr ist das Großraumbüro von Laboratoria, in einem Obergeschoss eines Hochhauses im Zentrum von Lima, brechend voll. Auf jedem Tisch stehen Computer, dahinter diskutieren hohe Stimmen über "Search engine optimization" und "UX Design". Kein einziger Mann sitzt an den Rechnern, Laboratoria bildet ausschließlich Frauen aus. Ein Plakat mit dem Satz "All you need is code" prangt an der Wand, daneben der Tagesplan. Das Motto: gratis Frauen mit viel nachgefragten Fähigkeiten ausbilden, um endlich Schluss zu machen mit Machismo und Frauendiskriminierung.

 Frauen in IT-Berufen: Programmierte KlischeesFrauen wollen an den Rechner 
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twiro 14. Apr 2018 / Themenstart

Auch wenn durch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (12 Sa 1102/08) der Satz "Daher sind...

Eisboer 09. Apr 2018 / Themenstart

Die Frage, welche du hättest beantworten können, wäre, warum ihr gerade bei diesem Thema...

johnDOE123 09. Apr 2018 / Themenstart

Die Rede ist ja auch von fortschrittlichen Weltkonzernen ;D Im größten Siemens-Standort...

blauerninja 08. Apr 2018 / Themenstart

Frei nach Kant hab ich auch versucht zu leben und wenigstens mein Umfeld zu verbessern...

Eheran 06. Apr 2018 / Themenstart

Na dann sind deine Behauptungen halt einfach haltlos. Heiße Luft. Wie auch immer. Ich...

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