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Pisa zeigt nur geringe Leistungsunterschiede in Mathe

Die PISA-Studien belegen global, dass im Grundschulalter Jungen tendenziell eine bessere Punktzahl in Mathematik erreichen, während Mädchen bessere Notenergebnisse im Lesen und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit erzielen. Schaut man sich die Studien zu Mathematikkompetenz an, so fällt auf, dass dieser Unterschied nur klein ist: Von 530 möglichen Punkten erzielten Jungen im OECD-Durschnitt 505 Punkte, Mädchen 490 Punkte.

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Von einem starken biologisches Gefälle könnte man nur sprechen, wenn Mädchen lediglich 200 Punkte erzielt hätten. Im Grundschulalter sind Mädchen im Schnitt also nur sehr geringfügig schlechter in Mathe als Jungen, sie liegen immer noch fast gleichauf mit ihnen, wie die unten stehende Graphik zeigt.

  • Aus: Stephan Sievert, Steffen Kröhnert (2015): Schwach im Abschluss - Warum Jungen in der Bildung hinter Mädchen zurückfallen und was dagegen zu tun wäre. (Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung)<br>
Aus: Stephan Sievert, Steffen Kröhnert (2015): Schwach im Abschluss - Warum Jungen in der Bildung hinter Mädchen zurückfallen und was dagegen zu tun wäre. (Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung)<br>

Unabhängige globale Testergebnisse wie die der PISA-Studie können also keinen starken "naturgegebenen" Unterschied zwischen logischen Kompetenzen von Jungen und Mädchen beweisen. Ein Grund, dass weniger Mädchen als Jungen technische Berufe ergreifen, könnte vielmehr in dem Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit im Fach Mathe liegen.

Selbstwirksamkeit heißt, das Vertrauen zu sich selbst und zu den eigenen Fähigkeiten zu besitzen. Das bedeute, dass der entscheidende Erfolgsfaktor für menschliches Handeln weniger mit Intelligenz, Wissen oder Können zu tun habe als vielmehr mit der persönlichen Überzeugung, aus eigener Kraft etwas bewirken zu können, sagt die Wissenschaftlerin Carina Fuchs vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung.

Mädchen verspürten mehr Angst beim Bearbeiten von mathematischen Aufgaben und schrieben sich weniger Erfolge im Fach Mathematik zu, heißt es in einer Erklärung zur Selbstwirksamkeit in der Auswertung der PISA-Studie für Luxemburg. Und: "In allen anderen [Schul-]Bereichen sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede von geringfügiger Bedeutung."

Also: eher Nurture als Nature

Hier könnte also der "Nurture"-Effekt entscheidend sein. Wissenschaftlerinnen wie Sabina Pauen und Miriam Schneider von der Universität Heidelberg weisen den unbewussten Erwartungen an die Entwicklung von Jungen und Mädchen einen ebenso großen Einfluss wie den Auswirkungen von Hormonen zu. "Sobald wir das Licht der Welt erblicken, tragen Verhaltensunterschiede zwischen Mädchen und Jungen dazu bei, dass das soziale Umfeld unterschiedlich auf beide Geschlechter reagiert", schreiben die Forscherinnen in ihrem Aufsatz "Der kleine Unterschied".

Mädchen würden eher darin bestärkt, sich sozialen Bereichen zu widmen, während Jungen mit der Beschäftigung von Technik in der Erziehung unterhalten werden. Ist das nicht der Fall, ergreifen auch mehr Mädchen technische Berufe. So verweist Sigrid Metz-Göckel, emeritierte Professorin an der TU Dortmund gegenüber Golem.de auf die Tatsache, dass viele technikaffine Mädchen, die heute als erfolgreiche Ingenieurinnen arbeiten, explizit von ihrem Vater gefördert wurden.

Doch kann man nicht vielleicht doch aus den unterschiedlich aufgebauten Gehirnen unterschiedliche Fähigkeiten für Männer und Frauen ableiten? Das männliche Gehirn ist etwa zehn Prozent größer als das weibliche Gehirn. Lässt das nicht auf einen größeren männlichen Bestand an logischer Leistung schließen? "Die absolute Größe ist neurobiologisch betrachtet nicht relevant", sagt dazu die Psychologieprofessorin Sabina Pauen. "Ansonsten wären Pottwale dem Menschen kognitiv haushoch überlegen."

Die Leistungsfähigkeit eines Gehirns hängt nicht von der Größe ab, sondern von der Verdichtung der Vernetzung einzelner Hirnregionen und der Anzahl an Nervenzellen in bestimmten Hirnarealen. "Mit bildgebenden Verfahren, die darstellen können, wie Nervenfasern im Gehirn verlaufen, konnte gezeigt werden, dass es bei Frauen mehr Verbindungen zwischen den beiden Hälften des Großhirns gibt als bei Männern", sagt Pauen.

Beide Geschlechter denken über dieselben Inhalte nach, doch in verschiedenen Bereichen des Gehirns. "Frauen nutzen für das Lösen derselben Aufgabe andere Hirnregionen als Männer. Überhaupt scheinen Männer ihre Aufgaben eher nach bestimmten Hirnhälften zu 'sortieren', während Frauen häufiger beide Hälften gleichzeitig nutzen", fassen die Professoren Kröhnert und Sievert ihre Recherchen zusammen.

Und: Gehirne sind überaus flexibel. Räumlich-visuelles Vorstellungsvermögen kann von Frauen sehr leicht trainiert werden, wie eine Studie von Aljoscha Neubauer, Professor für Differentielle Psychologie an der Universität Graz, ergab. "Mädchen, die in ihrer Kindheit schon viele räumliche Herausforderungen hatten, beispielsweise schon früh den Weg zur Schule oder sogar zum Kindergarten meistern mussten, haben später einen kleineren oder gar keinen Nachteil gegenüber Männern im [räumlichen Vorstellungsvermögen]", so Neubauer.

Fazit

Unterschiedliche biologische Konsitutionen, seien es Hormone, sei es das Gehirn, können nur einen Teil geschlechtsspezifischen Verhaltens erklären. Ein anderer Teil wird von der Erwartung an unsere Selbstwirksamkeit von uns selbst und unserer Umwelt bestimmt.

Retrospektiv ist es unmöglich zu sagen, welches geschlechtstypische Verhalten, das Erwachsene zeigen, anerzogen und welches biologisch ist. Welcher Effekt in der Praxis überwiegt - ob "Nature" oder "Nurture" - lässt sich nicht pauschal beurteilen und somit auch nicht mit letzter Sicherheit die Frage beantworten, ob die biologische Konstitution einen entscheidenden Faktor auf die geringere Zahl von Informatik-Studienanfängerinnen hat.

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Wary 17:21 / Themenstart

Dieser Artikel hat mich davor bewahrt. Gratuliere!

malos 13. Nov 2019 / Themenstart

Aber warum sollten Prestige und Gehalt das oberste Ziel sein? Viele Studien zeigen, dass...

malos 13. Nov 2019 / Themenstart

Ein Faktor, möglich, aber keine Erklärung. "Am 31. März 2011 gab es in Deutschland 60...

FedoraUser 12. Nov 2019 / Themenstart

Dankeschön für diesen Post! Kann dem nur vollinhaltlich zustimmen!

Clown 11. Nov 2019 / Themenstart

Dieser Artikel hier ist diesbzgl ganz interessant. Wobei er die Ursachen leider nur ankratzt.

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