Militärstrategie verhindert technologische Entwicklung

In der Militärstrategie heißt es, dass neue Ansätze zur Entwicklung von billigeren und wiederverwendbaren Raketen mit "privilegierten Beziehungen" zu "vertrauenswürdigen Industriepartnern" in der Privatwirtschaft umgesetzt werden sollten. Begründet wird das mit der Unauflösbarkeit der dualen Nutzung der Raumfahrt. Der Raketenbau könne sowohl für zivile als auch militärische Zwecke genutzt werden, folglich müsse der gesamte Sektor letztlich vom Militär kontrolliert werden können oder zumindest eng mit ihm verknüpft sein.

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Ein solches Vorgehen schließt aber jede echte Entwicklung privater europäischer Raumfahrt von Außenseitern nach dem Vorbild von SpaceX aus, die nicht schon bei der Gründung eine privilegierte Beziehung zum Militär haben. Die Notwendigkeit solcher Beziehungen ist auch ein ernsthaftes Hindernis für einen Wettbewerb, um bessere und billigere Wege in den Weltraum zu finden.

Zurzeit stellt sich die Frage der Kontrolle über den Raketenbau nicht. Entwicklung und Produktion aller Einzelteile einer Rakete wurden schon aus wirtschaftspolitischen Gründen über möglichst viele Länder verteilt. So ist keine einzelne Firma und kein Land in der Lage, eine funktionierende Rakete selbst zu bauen. Das war auch im Interesse der Komponentenhersteller, denn es schützte sie vor Konkurrenz. Öffentlich war dagegen die Rede von der großen Komplexität der Raumfahrt, die nur durch Kooperation von vielen Ländern zu beherrschen sei.

Aber für erfolgreiche private Raketenbauer wie SpaceX und Rocketlab ist die vertikale Integration die unverzichtbare Grundlage ihrer schnellen Entwicklung und niedrigen Kosten. Das heißt, dass möglichst viele Bestandteile der Raketen innerhalb der Firma entwickelt, getestet und gebaut werden. Nur so sind schnelle Entwicklungsschritte mit kurzen Kommunikationswegen und wenig bürokratischem Aufwand möglich.

Kontrolle von Raketenstarts reicht aus

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Die Konsequenz der Verteilung der Produktion, auch aus militärstrategischen Erwägungen heraus, ist allerdings eine weitgehende Unfähigkeit zur Weiterentwicklung der eigenen Technik und zur Reaktion auf äußere Entwicklungen. Die neue Politik der privilegierten Partnerschaften ist ein Weg, das Problem der geografischen Verteilung zu lösen. Sie lässt aber andere Firmen außen vor. In den USA wird das gleiche Problem gelöst, indem der Technologieexport über die Waffengesetzgebung beschränkt wird. Gleichzeitig werden Bau und Betrieb von Startrampen kontrolliert, ohne die Entwicklung der Raketentechnik zu behindern.

Blue Origin und SpaceX demonstrierten schon 2015 die ersten Landungen von Raketenstufen, nachdem die Technologie seit 2012 öffentlich getestet und entwickelt wurde. Die französische Militärstrategie des Jahres 2019 erklärt dagegen, es müsse der technologische Vorsprung der letzten Jahrzehnte gewahrt werden. Aber die französische Weltraumagentur CNES und die Esa sind durch ihre Struktur bis heute nicht in der Lage, auch nur einfachste Prototypen der Technik von SpaceX oder Blue Origin nachzubauen.

Der kleine europäische Prototyp einer wiederverwendbaren Rakete, Callisto, soll erstmals 2020 fliegen, mit einem japanischen Triebwerk. Zumindest in der Kommunikation nach außen wirkt es, als sehe Frankreich und auch Europa nicht den technologischen und organisatorischen Rückstand, der inzwischen mehrere Jahrzehnte beträgt. Ob dieser Rückstand durch privilegierte Industriepartner ohne Konkurrenz aufgeholt werden kann, ist fraglich.

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 Demokratisierung macht den Weltraum zum Wilden Westen
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Der Held vom... 10. Aug 2019

Staub- und Reiskörner benötigen allerdings eine beträchtliche Geschwindigkeit, um die...

Anonymster... 09. Aug 2019

Ich bin übrigens anonymerer als du.

zuschauer 07. Aug 2019

Bei den Amis funktionieren Vorhaben nur, wenn 3 Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt...

zuschauer 05. Aug 2019

Prepper sind wird nicht! Aber wir haben Solarpanels, Batterien und auch Stromerzeuger...

Riemen 04. Aug 2019

Ich hoffe, der komplette Beitrag ist reiner Sarkasmus... Der letzte Satz lässt darauf...



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