Frankreich ermittelt: Verdächtige auf 2.000-Personen-Fähre mit Malware erwischt

Strafverfolger haben zwei Crew-Mitglieder einer großen italienischen Personenfähre verhaftet. Das berichtete Bleeping Computer(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf französische Medien(öffnet im neuen Fenster) . Den Verdächtigen wird demnach vorgeworfen, IT-Systeme auf dem Schiff im Auftrag einer nicht näher genannten "ausländischen Macht" mit Malware infiziert zu haben, um aus der Ferne darauf zuzugreifen.
Eine der verhafteten Personen, ein Bulgare, wurde wohl nach einem Verhör wieder freigelassen. Die andere Person hingegen soll angeklagt und am vergangenen Sonntag an Pariser Behörden übergeben worden sein. Es soll sich um einen Letten handeln, der erst kürzlich der Besatzung der betroffenen Fähre Fantastic, ein 180 Meter langes Schiff für bis zu 2.000 Passagiere, beigetreten war.
Entdeckt wurde die Malware den Angaben nach von der italienischen Reederei GNV (Grandi Navi Veloci), während die Fähre im Hafen von Sète angedockt war. GNV soll anschließend italienische und französische Behörden darüber informiert haben, dass Computersysteme an Bord der Fantastic mit verdächtiger Software infiziert worden seien.
Angriff erfolgreich vereitelt
Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft nahm die französische DGSI (Generaldirektion für innere Sicherheit) in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden unmittelbar die Ermittlungen auf. Einsatzkräfte hätten "eine Reihe von Gegenständen" beschlagnahmt, die nun untersucht werden müssten.
Laut France 24(öffnet im neuen Fenster) handelt es sich bei der entdeckten Malware um einen Remote Access Trojaner (RAT). Dieser hätte also einen Fernzugriff ermöglicht. Allerdings ist unklar, welche Systeme genau anvisiert wurden, und was man mit dem Fernzugriff im Detail hätte anstellen können. Der Angriff ist nach Angaben der GNV aber "erkannt und neutralisiert" worden und bleibt damit effektiv "ohne Folgen" .
Die DGSI geht davon aus, dass die beiden Verdächtigen im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes handelten. Der französische Innenminister Laurent Nuñez bestätigte, eine ausländische Einmischung werde untersucht. "Heutzutage steckt sehr oft ein bestimmtes Land hinter ausländischen Einmischungen" , erklärte der Minister – vermutlich ein Fingerzeig in Richtung Russland .