Frank Heemskerk: Niemand in Europa kauft ASML-Chipfertigungsmaschinen
ASML verkauft derzeit keine seiner Chipfertigungsanlagen in Europa. Das sagte Frank Heemskerk, Executive Vice President von ASML und verantwortlich für die globale Öffentlichkeitsarbeit, am 21. September 2026 auf der Techdenkers in Amsterdam.
"Wir verkaufen in Europa überhaupt nichts. Das liegt daran, dass Europa nicht investiert und dort keine Chipfabriken gebaut werden", erklärte Heemskerk laut Techzine.nl(öffnet im neuen Fenster).
Seinen Aussagen zufolge wird der Chipmaschinenhersteller intensiv umworben, seine Präsenz in den USA, China und Indien auszubauen. China und Indien "rollen den rotesten aller roten Teppiche aus und sagen: Investieren Sie auch hier und bauen Sie Ihre Fabrik hier", sagte Heemskerk. "Wir haben ein Viertel unserer Forschung in den USA, und dann heißt es: Könnte es nicht die Hälfte sein?"
Der Manager betonte: "Wir müssen unsere Produktion ausweiten. Das gelingt uns nicht allein in den Niederlanden. Es herrscht ein harter Wettbewerb, uns dazu zu bewegen, dies auch anderswo zu tun. Für ASML ist es wichtig, dass Europa aktiv wird."
Südkorea aktuell wichtigster Markt
Europa trug im zweiten Quartal nichts zum Nettoumsatz von ASML bei. Südkorea war mit Samsung und SK Hynix im ersten Halbjahr 2026 der wichtigste Markt des Unternehmens, gefolgt von Taiwan (TSMC), China und den USA (Intel, TSMC Arizona). Im Mai unterzeichnete ASML eine Partnerschaftsvereinbarung mit Tata Electronics, was die heimische Chipfertigung in Indien stärken soll.
Das Unternehmen ist weltweiter Monopolist für Extrem-Ultraviolett-Lithografie, die ausschließlich für High-End-Chips wie Smartphone-Prozessoren, KI-Beschleuniger für Nvidia oder Hochleistungsspeicher im Nanometerbereich benötigt werden.
Infineon, STMicro und NXP brauchen keine Sub-5-nm-Strukturen
Europa hat mit Infineon (Deutschland), STMicroelectronics (Frankreich/Italien) und NXP Semiconductors (Niederlande) eine starke Halbleiterindustrie, aber diese bedient primär die Automobilindustrie, Industrieautomatik und Leistungselektronik. Für diese Chips braucht es keine Sub-5-nm-Strukturen.
Der Aufbau einer modernen Fabrik für derartige Chips kostet 15 bis 20 Milliarden Euro. Diese Summen fließen derzeit fast ausschließlich in Asien und den USA.
Modernste Anlagen, die für Spitzenchips im 5-nm-Bereich und darunter gebraucht werden, darf ASML bereits seit 2019 nicht mehr an chinesische Kunden verkaufen. Die niederländische Regierung verweigert auf Druck durch die USA die erforderlichen Ausfuhrgenehmigungen.
Die Marktkapitalisierung von ASML liegt derzeit bei rund 670 Milliarden US-Dollar. Damit ist es das mit Abstand wertvollste Technologieunternehmen Europas.