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Fragwürdige KI im Klette-Prozess: Blackbox im Gerichtssaal

Die Verteidigung von Daniela Klette kritisiert mangelnde Möglichkeiten, automatisierte Ermittlungen für den Prozess nachzuvollziehen. Das LKA Niedersachsen setzte dazu die KI-Software Pathfinder von Cellebrite ein.
/ Matthias Monroy
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Der Prozess gegen Daniela Klette (hier eine Aufnahme vom 10. März 2026) findet in Verden in Niedersachsen statt. (Bild: Focke Strangmann / POOL / AFP via Getty Images)
Der Prozess gegen Daniela Klette (hier eine Aufnahme vom 10. März 2026) findet in Verden in Niedersachsen statt. Bild: Focke Strangmann / POOL / AFP via Getty Images
Inhalt
  1. Fragwürdige KI im Klette-Prozess: Blackbox im Gerichtssaal
  2. Treffer durch automatisierte Auswertung

Im Prozess gegen das mutmaßliche Ex-RAF-Mitglied Daniela Klette wird am 27. Mai 2026 das Urteil erwartet. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, gemeinsam mit Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zahlreiche Raubüberfälle begangen zu haben. Klettes mutmaßliche Mitgliedschaft in der linksextremistischen Terrororganisation soll später in einem weiteren Verfahren verhandelt werden.

Zuständig für die Ermittlungen war die Sonderkommission Triangel. Vor mehr als einem Jahr begann vor dem Landgericht in Verden der Prozess gegen Klette. In dem Verfahren werteten Ermittlerinnen und Ermittler enorme Mengen an Daten aus. In Klettes Wohnung in Berlin-Kreuzberg hatten Polizei und Bundeskriminalamt rund 300 Datenträger mit bis zu 30 Terabyte Daten gefunden. Laut einem LKA-Vermerk, den Golem einsehen konnte, schätzte die Behörde den Umfang auf "6 Millionen Handyfotos oder einen Text von 18 Trillionen Zeichen".

Um diese Datenhalde zu durchstöbern, setzten die Behörden die Software Pathfinder der israelischen Firma Cellebrite ein. Die Firma ist weltweiter Marktführer für Anwendungen zur digitalen Forensik. Mit Pathfinder wurden Bilder, Chats, Kontakte und andere digitale Spuren miteinander verknüpft, um Auffälligkeiten zu finden. Das LKA nennt dazu in seinen Vermerken "Darstellungen von Personen, Fahrzeugen und nach Möglichkeit auch von Waffen und Geld".

Verteidigung um Suchbegriffe gebeten

Der Strafverteidiger Lukas Theune, der Klette gemeinsam mit Undine Weyers und Ulrich von Klinggräff vertritt, berichtete in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung der Digitalen Gesellschaft (Digiges) in Berlin detaillierter über den Einsatz der Software. Theune nannte Pathfinder dabei einen "Palantir Gotham-Abklatsch". Gemeint ist Software der US-Firma Palantir, die auch bei vier Landespolizeibehörden in Deutschland eingesetzt wird.

Nach Angaben Theunes erhielten die Ermittler im Klette-Verfahren eine ganztägige Schulung durch einen Mitarbeiter von Cellebrite. Zunächst habe das LKA aber Probleme mit den eigenen Serverkapazitäten gehabt. Andere Verfahrensdaten seien ausgelagert worden, um Platz für die Auswertung der digitalen Klette-Asservate zu schaffen.

Für die Auswertung der Daten legte die Soko Triangel dann umfangreiche Schlagwortlisten an. Gesucht wurde in dem von der Polizei beschlagnahmten Material unter anderem nach Begriffen wie "Coca-Cola", "McDonald's", "Pfefferspray" oder "Knüppel", ergänzt um Namen, Telefonnummern, Mailadressen und Daten aus Finanzermittlungen. Diese Informationen wurden mit Texten, Bildern und Videos aus den beschlagnahmten Geräten in Beziehung gesetzt.

Laut Theune fragte die Staatsanwaltschaft sogar an, ob die Anwälte eigene Schlagworte für die Auswertung beitragen wollten. Die Verteidigung habe dies abgelehnt und stattdessen Auskunft darüber verlangt, wie die eingesetzte KI funktioniere und welche Daten verarbeitet würden. Daraufhin seien lediglich einige interne Vermerke des LKA übersandt worden.


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