Fragwürdige Big-Data-Analyse: Dieses Startup will Mieter ausspionieren

Als ob Schufa-Abfrage, Mieterselbstauskunft und freundliches Benehmen bei der Besichtigung noch nicht genug sind: Das Unternehmen Tenant Assured aus Großbritannien plant, potenzielle Mieter in sozialen Medien zu durchleuchten - mit fragwürdigen Resultaten.

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Tenant Assured will Mieter auf sozialen Medien durchleuchten.
Tenant Assured will Mieter auf sozialen Medien durchleuchten. (Bild: Tenant Assured/Screenshot: Golem.de)

Wer eine Wohnung mieten will, muss bereits heute zahlreiche private Informationen preisgeben. Gerade auf umkämpften Mietmärkten wie in Berlin, Hamburg oder München fordern viele Vermieter Informationen wie die Schufa-Auskunft, detaillierte Angaben zum Einkommen und eine Mieterselbstauskunft oft schon bei der Besichtigung. Ein Startup aus Großbritannien plant, noch deutlich weiter zu gehen und den Vermietern mehr Daten zur Verfügung zu stellen - ob es eine Expansion nach Deutschland plant, ist derzeit unbekannt.

Inhalt:
  1. Fragwürdige Big-Data-Analyse: Dieses Startup will Mieter ausspionieren
  2. 'Wer ein normales Leben führt, hat nichts zu befürchten'
  3. Unproblematisch, weil freiwillig?

Tenant Assured heißt das Angebot des Unternehmens Score Assured. Künftige Mieter sollen, auf angeblich freiwilliger Basis, ihre verschiedenen Onlinedienste mit Tenant Assured verknüpfen, das Programm erstellt dann eine fortlaufende Analyse und überführt die Werte in einen individuellen Risikowert.

Damit sollen verschiedene Fragen beantwortet werden, unter anderem: Wie zahlungskräftig ist der potenzielle Mieter, wird er oder sie die Miete stets pünktlich zahlen? Wie entwickelt sich die Lebenssituation? Handelt es sich um einen Mietnomaden, der die Wohnung in einem chaotischen Zustand hinterlassen wird?

Nutzer verknüpfen selbst ihre Accounts

Wenn Nutzer sich erstmals bei dem Programm anmelden, können sie entscheiden, welche Onlineaccounts sie verbinden - Twitter, Instagram, Facebook und LinkedIn stehen nach Angaben der FAQ des Unternehmens derzeit zur Verfügung. Diese Accounts werden dann nach relevanten Informationen durchsucht, die ein Lagebild ermöglichen sollen. Dazu gehört beispielsweise, dass ein Nutzer das Wort "Kredit" postet, aber auch sogenannte "Lebensereignisse" wie Schwangerschaft oder Hochzeit.

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Tenant Assured wirbt damit, dass sich Vermieter mit Hilfe des Programms nicht nur ein Bild über den "Ist-Zustand" machen, sondern auch zukünftige Entwicklungen berücksichtigen können. Ob ein Vermieter am Ende aber wirklich einem ansonsten unauffälligen Mieter kündigen wird, wenn sich der Risikowert bei Tenant Assured erhöht, ist unklar.

Die Washington-Post-Journalistin Caitlin Dewey konnte Tenant Assured bereits testen - und schreibt, dass das Programm "Hochzeit" als Lebensereignis festgehalten habe, nachdem sie über die Hochzeit einer Freundin getwittert habe. Auch die bloße Erwähnung des Wortes "Schwangerschaft" wird als Lebensereignis festgehalten. Die Qualität der Algorithmen darf also bezweifelt werden, wenn völlig zufällige Ereignisse ohne relevanten Bezug zum individuellen Leben der Kunden in dieser Form dokumentiert werden.

Auch wir wollten uns gern selbst ein Bild von dem Programm machen - doch die Firma reagiert leider nicht auf unsere Anfragen. Auch ansonsten scheint das Unternehmen derzeit auf Tauchstation zu sein - auf der Webseite steht nur noch "Coming Soon", nachdem das Produkt zwischenzeitlich schon vermarktet wurde.

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'Wer ein normales Leben führt, hat nichts zu befürchten' 
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SchreibenderLeser 27. Okt 2016

1. Spiele ich Advocatus Diaboli. ;-) 2. Der Mieter hat gegenüber den Vermieter sowieso...

sofries 20. Okt 2016

Also so sucht man definitiv keine Wohnungen. Kaltmieten zu vergleichen ist ziemlicher...

Makatu 20. Okt 2016

Das war auch mein erster Gedanke, aber ich hätte es nicht so schön formulieren...

Makatu 20. Okt 2016

Das lernt man schon in der Grundvorlesung VWL: bei der Veteilung knapper Güter kommt man...



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