'Wer ein normales Leben führt, hat nichts zu befürchten'

Ein Programm wie Tenant Assured weckt natürlich Ängste. Der Gründer des Unternehmens, Steve Thornhill, sagte der Washington Post: "Wenn Sie ein normales Leben führen, haben Sie nichts zu befürchten." Diese Aussage, die vermutlich beruhigend klingen soll, dürfte bei vielen Menschen aber erst recht Sorgen vor einem entsprechenden Programm wecken - denn was ist schon ein "normales Leben"?

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Fällt jeder Mensch, der regelmäßig nachts Bilder von einer Party postet, durchs Raster? Sinkt der Score-Wert, wenn das Wort "Kredit" in Posts vorkommt, selbst wenn das mit der finanziellen Situation der Nutzer gar nichts zu tun hat? Denkbar wäre etwa, dass ein am Wirtschaftsgeschehen interessierter Mensch darüber schreibt, dass ein Unternehmen einen Konkurrenten übernommen hat und die Übernahme per Kredit finanziert.

Solche Ängste scheinen nicht unbegründet, wenn man sich den von Caitlin Dewey auf Basis ihrer eigenen Accounts erstellten Report anschaut. Im Dashboard gibt es ein detailliertes Bild über die Aktivitätszeiten der Nutzer, aber auch Angaben zu möglicherweise relevanten Informationen zum Thema "Kriminalität". Dort tauchen dann in sozialen Netzwerken gepostete Begriffe wie "Erpressung", "Mord", "im Gefängnis" und "Justiz" auf. Wer regelmäßig über Gewalttaten und Straftaten twittert, wird also selbst zum Kriminellen?

Wer zu Hause bleibt, hat finanzielle Sorgen

Auch in der Abteilung "finanzielle Sorgen" gibt es zahlreiche Einträge. Wenn eine Person abends schreibt, dass sie heute zu Hause bleibt und nicht ausgeht ("staying in"), dann wird das von Tenant Assured bereits als Anzeichen für finanzielle Probleme gewertet. Auch wenn man gerade mal kein Geld dabeihat und dazu bei Facebook postet, wird das erfasst.

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Wer viel online einkauft, soll ebenfalls abgewertet werden. Das Unternehmen schreibt dazu, dass "Logins beim Online-Einzelhandel und Socialmedialogins für Freizeitaktivitäten" den Score-Wert negativ beeinflussen können.

Tenant Assured versucht sich anhand der Daten der Nutzer auch an einer Analyse der Persönlichkeit. Dabei werden Werte für Merkmale wie "Offenheit" und "Extrovertiertheit" erhoben, außerdem soll ein Wert darüber Auskunft geben, wie neurotisch ein Nutzer ist.

Ebenfalls ausgewertet werden die persönlichen Kontakte der Nutzer. Hier ist davon auszugehen, dass der vom Programm angenommene soziale Status des Freundeskreises in die eigene Wertung miteinfließt.

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 Fragwürdige Big-Data-Analyse: Dieses Startup will Mieter ausspionierenUnproblematisch, weil freiwillig? 
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SchreibenderLeser 27. Okt 2016

1. Spiele ich Advocatus Diaboli. ;-) 2. Der Mieter hat gegenüber den Vermieter sowieso...

sofries 20. Okt 2016

Also so sucht man definitiv keine Wohnungen. Kaltmieten zu vergleichen ist ziemlicher...

Makatu 20. Okt 2016

Das war auch mein erster Gedanke, aber ich hätte es nicht so schön formulieren...

Makatu 20. Okt 2016

Das lernt man schon in der Grundvorlesung VWL: bei der Veteilung knapper Güter kommt man...

ObjectID 19. Okt 2016

Richtig erkannt! Wenn mit wagen Behauptungen und Scores sich mehr als 12% Gewinn...



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