Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Frag den Staat: Rechenzentrumsausbau erstmals im Überblick

Frag den Staat hat alles zum Rechenzentrumsausbau zusammengetragen. "Es geht nicht um digitale Souveränität", so die Expertin der Linksfraktion. Laut Eco geht alles in Abwärme.
/ Achim Sawall
38 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Der Rechenzentrumsboom läuft mit fossilen Gaskraftwerken. (Bild: Heiße Luft/Screenshot: Golem)
Der Rechenzentrumsboom läuft mit fossilen Gaskraftwerken. Bild: Heiße Luft/Screenshot: Golem
Inhalt
  1. Frag den Staat: Rechenzentrumsausbau erstmals im Überblick
  2. Eco: Deutsachland liegt international eher zurück

Das Versprechen der Bundesregierung von digitaler Souveränität durch den Bau von Rechenzentren in Deutschland sei "blanker Hohn". Das hat Sonja Lemke, die IT-politische Sprecherin der Linksfraktion, am 28. August 2026 erklärt(öffnet im neuen Fenster). "Etwa die Hälfte der Rechenzentren sind nicht europäische Anbieter, oft aus den USA. Diese unterliegen dem Cloud Act. Die Rechenzentrumsstrategie nimmt digitale Souveränität als Vorwand, es kann jedoch jeder Investor bauen, was er will."

Gegenwärtig sei klar, dass angesichts der Klimakatastrophe dieses Ausmaß an Rechenzentrumsprojekten nicht realisiert werden dürfe, betonte Lemke.

Frag den Staat, Algorithmwatch, Leitmotiv und das Heiße-Luft-Kollektiv hatten zuvor auf heisseluft.org(öffnet im neuen Fenster) erstmals eine Karte veröffentlicht, in der öffentlich zugängliche Informationen zu geplanten Rechenzentren in Deutschland zusammengetragen sind. Diese Information sei die Bundesregierung der Öffentlichkeit bisher schuldig geblieben, erklärten die Initiatoren. Das Projekt bündelt öffentlich zugängliche Daten sowie Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG), um Ausmaß, Standorte, geplante Anschlussleistungen (Strom) und Wasserverbräuche überhaupt erst sichtbar zu machen.

Kommunen würden getäuscht

Die interaktive Karte zeige "das erschreckende Ausmaß, das der Rechenzentrumsausbau in Deutschland angenommen hat. Mit 120 Projekten ist davon auszugehen, dass eine Anschlussleistung von mindestens 5.000 MW geschaffen wird. Das liegt weit über dem Ziel der Rechenzentrumsstrategie, die Anschlussleistung zu verdoppeln. Dabei gibt es nicht mal für die dort angestrebten Kapazitäten einen Plan, wofür diese Rechenkapazitäten überhaupt gebraucht werden."

Aus Kommunen höre sie immer wieder, dass Investoren lokale Entscheidungsträger mit falschen Versprechungen von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer "einwickeln und ihre Interessen in nicht öffentlichen Sitzungen durchdrücken", so Lemke.

Realistische Angaben gerade zum Wasserverbrauch würden dabei laut Lemke verschleiert, um Widerstand im Interesse von Kapital und Investoren zu verhindern. Meist würden die Rechenzentren auch auf unbebauten Gebieten oder sogar Wäldern geplant. Damit gehe eine gigantische Versiegelung von Flächen einher und eine unwiederbringliche Zerstörung der Umwelt vor Ort.

Lemke betonte: "Die vielen Proteste vor Ort zeigen aber, dass der kopflose Ausbau von Rechenzentren, den auch die Bundesregierung propagiert, eben nicht im Interesse der Menschen vor Ort geschieht. Denn die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung ist eine klimapolitische Katastrophe". Das zeige sich an den vielen Projekten und dem enormen Strom- und Flächenverbrauch, der damit einhergehe.


Relevante Themen