Eco: Deutsachland liegt international eher zurück
Der Verband der Internetwirtschaft Eco erklärte Golem auf Anfrage: "Auf Basis der jüngst veröffentlichten Rechenzentrenkarte zu geplanten Projekten in Deutschland lässt sich weder ein 'erschreckendes Ausmaß' noch ein unkontrollierter oder 'kopfloser' Ausbau ableiten."
Deutschland habe den Ausbau digitaler Infrastruktur in den vergangenen Jahren eher vernachlässigt als übertrieben vorangetrieben. Dabei bestehe bereits heute ein erheblicher Bedarf: "In der EU lag die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten 2025 bei rund 15,3 GW, während lediglich 12,4 GW verfügbar waren. Mit dem Wachstum von KI, Cloud Computing, Industrie 4.0, Gesundheitswesen und digitaler Verwaltung werde dieser Bedarf weiter steigen. Rechenzentren seien daher kein Selbstzweck, sondern das digitale Fundament nahezu aller Wirtschaftsbereiche", sagte Eco-Sprecherin Sidonie Krug.
Deutsche und europäische Rechenzentren gehörten zu den energieeffizientesten weltweit; der Energieverbrauch pro Rechenleistung beziehungsweise Workload sei in den vergangenen zehn Jahren massiv gesunken. Zudem müssten die positiven Klimaeffekte der Digitalisierung mitbetrachtet werden: Digitale Anwendungen könnten in Industrie, Mobilität, Energie und anderen Bereichen erhebliche CO₂-Einsparungen ermöglichen.
Eco: Moderne Rechenzentren keine starren Großverbraucher
Krug betone: "Durch intelligentes Lastmanagement und Workload-Verschiebungsverfahren können Rechenzentren künftig ihre Strombedarfe im synergetischen Zusammenspiel mit Großbatteriespeichern flexibler an volatile Einspeisung von Wind- und Solarenergie anpassen. Sie fungieren damit als netzdienliche Komponenten, die helfen, Lastspitzen im Stromnetz abzufedern und Netzengpässe zu entlasten."
Rechenzentren verbrauchten Strom, der zu fast 100 Prozent in Wärme umgewandelt würde. Diese Abwärme habe im Gegensatz zu industriellen Hochtemperaturprozessen ein perfektes Temperaturniveau von rund 35 bis 60 Grad Celsius, um direkt in kommunale Fern- und Nahwärmenetze eingespeist zu werden.
"Unschätzbarer Beitrag zur Dekarbonisierung"
"Gerade im Zuge der kommunalen Wärmeplanung leisten Rechenzentren daher einen unschätzbaren Beitrag zur Dekarbonisierung der lokalen Wärmeversorgung, indem sie fossile Heizkessel ersetzen und ganze Stadtteile CO2-arm beheizen." Tatsächlich beabsichtigt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, fossile Gaskraftwerke massiv auszubauen, um die Rechenzentren zu versorgen. Erdgas besteht zum Großteil aus Methan, einem Treibhausgas, das über einen Zeitraum von 20 Jahren rund 80-mal klimaschädlicher ist als CO₂.
Von einem regulatorisch ungebremsten Ausbau könne laut Krug ebenfalls keine Rede sein. Mit dem Energieeffizienzgesetz seien für Rechenzentren bereits umfangreiche Vorgaben zu Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, Abwärmenutzung und Energiemanagement gültig. Die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung weise deshalb grundsätzlich in die richtige Richtung: Ausbau und Nachhaltigkeit müssten zusammengedacht werden, erklärte Krug.
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