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Foxconns iFactory: Erster Reporter besucht Apples Produktionsstätte

ABC-Reporter Bill Weir hat als erster Journalist die Produktionsstätten von Apple in China besucht und mit Foxconn-Mitarbeitern gesprochen, die 3.000-mal am Tag denselben Handgriff ausführen und das Endprodukt nicht einmal kennen.
/ Andreas Sebayang
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iPad-Fertigung bei Foxconn in China (Bild: ABC Nightline)
iPad-Fertigung bei Foxconn in China Bild: ABC Nightline

Bill Weir vom US-Sender ABC durfte als erster Journalist die Produktionsstätten von Apple in China begutachten, die von Foxconn betrieben werden. Weir durfte sich frei bewegen und Interviews führen, vor und hinter der Kamera. Möglich machte dies der öffentliche Druck auf den Computerkonzern Apple. ABCs Sendung Nightline hatte die Gelegenheit, mit einem Kamerateam eine der Fabriken zu inspizieren. Die Fair Labor Association war ebenfalls dabei und kleine Teile der Sendung hat ABC bereits online gestellt.

ABC ist eine Tochter von Disney

Der US-Fernsehsender ABC ist Teil von Disney und damit eng verbunden mit Apple. Diese Verbindung hat Weir in einer Vorankündigung der Reportage gleich offengelegt, um Kritik vorzubeugen. Weir hat keine groben Verstöße gesehen, allerdings waren die Fabriken auf den Besuch vorbereitet, schließlich geschah dieser auf Einladung. Außerdem ist davon auszugehen, dass sich einige der befragten Mitarbeiter auch ohne Kamera nicht trauen würden, etwas Schlechtes über ihren Arbeitgeber zu sagen.

Eingeladen wurde ABC wegen der vielen Vorfälle, die die Arbeitsbedingungen bei Foxconn in die öffentliche Diskussion rückten, darunter zahlreiche Selbstmorde von Foxconn-Mitarbeitern und eine tödliche Explosion in einer der Fabriken. Vorher war die Firma vor allem bei Endkunden kaum bekannt, obwohl laut Weir bei Foxconn allein 235.000 Menschen an Apple-Produkten arbeiten. Insgesamt ist Foxconn mit seinen zahlreichen Fertigungsstätten Chinas größtes Exportunternehmen und beschäftigt 1,2 Millionen Menschen, die 40 Prozent der weltweit verkauften Unterhaltungselektronik montieren.

Die Arbeitsbedingungen sind dabei alles andere als gut. Zwölf Stunden dauert eine Schicht inklusive einer zwei Stunden langen Mittagspause, gearbeitet wird an sechs Tagen pro Woche. Dafür gibt es 1,50 bis 1,78 US-Dollar pro Stunde, hier sind Weirs Angaben nicht eindeutig. Arbeiter teilen je zu siebt einen Schlafraum, der 17,50 US-Dollar pro Monat kostet. Die tägliche Selbstverpflegung in der Firma kostet 70 bis 80 US-Cent.

325 Arbeiter bauen ein iPad

Roboter werden bei Foxconn für die iPad-Produktion kaum eingesetzt. Apples Geräte werden zu großen Teilen per Hand zusammengesetzt. Fünf Tage braucht ein iPad, 325 Mitarbeiter übernehmen verschiedene Produktionsschritte. Einzelne Arbeiter führen 3.000-mal am Tag denselben Arbeitsschritt aus.

Für ihre schwere und oft monotone Arbeit werden die Fabrikarbeiter nicht ausreichend bezahlt. Eine Familie können die Arbeiter davon nicht ernähren, viele von ihnen sind erst 16 oder 17 Jahre alt. Eine Mitarbeiterin sagte, um bei Foxconn arbeiten zu können, nehme sie in Kauf, ihre Kinder nur einmal im Monat zu sehen. Weir hat keinen einzigen Arbeiter gesehen, der über 30 Jahre alt ist. Das Produkt kaufen, das sie herstellen, können Foxconn-Arbeiter nicht. Für den Gegenwert eines iPads muss ein Shengzen-Arbeiter fast zwei Monate schuften und hat dabei nur einen Tag in der Woche frei. Und wie Weir herausfand: Das fertige Produkt kennen einige der für wenig Geld arbeitenden Kräfte gar nicht.

Apple-Jobs bei Foxconn sind begehrt

In Gesprächen mit Weir beschweren sich die Mitarbeiter in erster Linie über das geringe Gehalt. Allerdings gilt Foxconn laut Weir als einer der besseren Arbeitgeber, insbesondere seit eine Gehaltserhöhung angekündigt wurde.

Um die Arbeitsplätze bei Foxconn reißen sich die Chinesen regelrecht, buchstäblich Busladungen von Arbeitssuchenden von weither und aus ärmlichen Verhältnissen kommen bei den Fabriken an. Weir beobachtete, dass 3.000 Personen vor dem Foxconn-Gebäude darauf hofften, einen Job zu bekommen. Aufgrund des Bedarfs wurden an dem Tag 80 Prozent der Wartenden angeheuert.

Die Fair Labor Association untersucht in großem Umfang Foxconn. 35.000 Mitarbeiter werden anonym befragt, was Weir auch beobachten konnte. Die Umfragen werden ausgerechnet mit iPads durchgeführt. Die Association hat die Hoffnung geäußert, dass bei der großen Anzahl der Befragten zumindest einige ehrlich über die Zustände in den Fabriken berichten. Allerdings erfolgt die Umfrage in den Räumlichkeiten von Foxconn.

Chinesische Fabriken passen sich Kontrollen innerhalb von 20 Minuten an

Apple finanziert die FLA-Umfrage mit einem sechsstelligen Betrag. Dazu kommen 250.000 US-Dollar für den Beitritt zur Fair Labor Association. FLA-Chef Auret van Heerden sagt Weir, dass Apple keinen Einfluss auf die Umfrage nehmen könne. Die Industrienähe sei aber notwendig, um überhaupt in die Fabriken hereinzukommen. Er hoffe, dass die Umfrage nicht nur auf die Technikindustrie Einfluss nehmen werde. Apple sei so groß, dass die Aufarbeitung der Vorfälle auch Mitarbeitern in anderen Branchen helfen könne. Eigentlich ist die FLA nicht im Technikbereich aktiv, sondern wird überwiegend durch Bekleidungshersteller wie Adidas, Nike oder H & M getragen(öffnet im neuen Fenster). Nach den Erfahrungen der FLA könnten Fabriken innerhalb von 20 Minuten so verändert werden, dass bei Kontrollen nichts zu Beanstandendes auffalle, sagte van Heerden Weir.

Apple gehört erst seit dem 13. Januar 2012 zur FLA – "Nike Moment" wird so ein Schritt aufgrund öffentlich kritisierter Arbeitsbedingungen bei der FLA genannt. In den 1990er Jahren war der Sportbekleidungshersteller wegen schlechter Arbeitsbedingungen unter Druck geraten.

Bill Weir, der bei ABC News seine Reportage vorstellte, benannte abschließend ein Grundproblem folgendermaßen: Entweder lebe man in einem Land, in dem das iPad gekauft werde oder in einem, in dem es produziert werde. Beides sei nicht miteinander vereinbar.

Weirs Blick in das Innere solcher Fabriken offenbart Zustände, die in Deutschland undenkbar wären. Es zeigt aber die Normalität das Gezeigten: Apple ist nicht die einzige Firma, die unter solchen Umständen Waren produziert, schließlich ist Auftragsfertiger Foxconn der größte Auftragshersteller der Branche und produziert nicht nur für Apple.

Ein längerer Artikel zur Reportage ist bei ABC direkt abrufbar(öffnet im neuen Fenster). Der vollständige Bericht ist hingegen noch nicht im Internet verfügbar. Es ist unklar, wann dies geschieht. ABCs Nightline wird auf der ABC-Newsseite als Video gezeigt(öffnet im neuen Fenster). Allerdings gibt es eine IP-Blockade.


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