Foundation: Wie Game of Thrones im All

Isaac Asimovs Romane decken Jahrtausende ab. Auch die Fernsehserie folgt diesem Muster – mit großen Zeitsprüngen zwischen den jeweiligen Staffeln. Von Staffel 2 zur eben gestarteten dritten Staffel sind es 152 Jahre, von der ersten zur zweiten waren es 138 Jahre.
So ist mit jeder Staffel alles ein bisschen neu, nicht alle Figuren der zweiten Staffel sind in der dritten dabei.
Die Cleons – Bruder Morgen, Tag und Dämmerung – sind neue Versionen, Hari Seldon ist immer noch er selbst, Demerzel ist ein Roboter, und Gaal Dornick befindet sich über lange Phasen im Kälteschlaf, bis sie wieder aufgeweckt wird.
Auch die Geschichte hat sich weiterentwickelt: In der zweiten Staffel befand sich die von Hari Seldon gegründete Foundation in ihrer religiösen Phase. Diese hat sie in gut 150 Jahren Entwicklung nun hinter sich gelassen. Es folgt eine materialistische Phase mit einer Foundation, die inzwischen auf 800 Welten angewachsen ist, und die mit der Händlergilde Feinde in den eigenen Reihen hat.
Das Imperium ist, wie Seldon es mit seiner Psychohistorik vorhergesehen hat, geschrumpft, aber noch längst nicht kollabiert. Und es gibt eine Variable, die er nicht vorhergesehen hat: das Maultier.
Der Konflikt
Die dritte Staffel ist größer, aufwendiger, epischer und damit noch spannender als die vorherige. War die erste Staffel ein langgezogener Auftakt, um eine Vielzahl von Figuren einzuführen und den Status Quo zu zementieren, zahlt sich das in der dritten Staffel aus.
Das Maultier war in der zweiten Staffel nur in Visionen von Gaal Dornick zu sehen. Jetzt ist der Mann da – und er hat einen Plan. Es steht die Foundation gegen das Imperium, und er will beide Reiche unter seine Kontrolle bringen.
Wie das gehen soll, wird schon in der ersten Folge beantwortet. Da steht das Maultier einer ganzen Armee gegenüber – Infanterie und Schiffe. Allerdings hat es die Fähigkeit, Menschen Dinge einzuflüstern, selbst wenn diese weit von ihm entfernt sind. Dass sie einander hassen und bekriegen, aber auch, dass sie ihn lieben sollen. Wie also soll man gegen einen Feind bestehen können, der einen dazu bringen kann, ihn mehr als alles andere zu lieben?
Alexander Siddig wieder dabei
In der neuen Staffel gibt es ein paar neue und auch bekannte Gesichter. Alexander Siddig (Julian Bashir in Star Trek: Deep Space Nine ) kehrt als neuer Charakter in die Besetzung von Foundation zurück. Siddig trat in Staffel 1 in einer Episode als Anwalt Xylas auf, wird aber als Dr. Ebling Mis zu einer wiederkehrenden Figur befördert. Er ist ein Psychohistoriker, der die Arbeit von Hari Seldon studiert und anders als sein Vorfahr ist.
Neuer Schauspieler für das Maultier
Mit dabei ist auch Oscar-Preisträger Troy Kotsur. Kotsur, der vielleicht am ehesten für seine preisgekrönte Rolle in Coda bekannt ist, spielt Preem Palver, einen Mann, der einen ganzen Planeten voller Hellseher anführt. Der Rest des Ensembles wurde im März 2024 bekannt gegeben, darunter Cherry Jones als Foundation-Botschafterin Quent und Pilou Asbæk als das Maultier.
Er übernahm die Rolle von Mikael Persbrandt, der diese in der zweiten Staffel spielte, aber in den Visionen kaum zu erkennen war. "Mikael hatte bereits für andere Filme unterschrieben, logistisch klappte das nicht," sagte Asbæk im Interview im Magazin Streaming Serien Highlights(öffnet im neuen Fenster) . "So bot man mir die Rolle an, sozusagen von einem Skandinavier zu einem anderen. Mir gefiel die Idee, denn das Maultier gibt den Geschichten von Asimov noch mal eine ganz andere Wendung."
Anderthalb Bücher
An diesem Punkt deckte Foundation bei der Adaption von Isaac Asimovs Trilogie etwa die Hälfte des zweiten Buches ab (und ein paar Elemente aus dem dritten). David Goyer, der zuerst der Showrunner war, nach Staffel 3 aber ausstieg, sagte schon vor Jahren, dass die ganze Geschichte in 70 bis 90 Episoden erzählt werden müsste.
Die dritte Staffel ist zugänglicher als die beiden vorherigen, weil es jetzt einen echten Antagonisten gibt. Das ist in der Erzählweise klassischer, zugleich ändert sich der Fokus. Bis dato ging es um Expansion, jetzt um den Erhalt dessen, was erreicht wurde.
Die Perspektive
Die dritte Staffel ist vor allem Gaal Dornicks Geschichte, nicht minder faszinierend sind jedoch die Ränkeschmiede am imperialen Hof. Mehr denn je zeigt Foundation, dass die Serie der legitime Nachfolger von Game of Thrones ist – nur im All.
Eindrucksvoll ist auch, wie die Cleons entwickelt werden. Lee Pace, Terrence Mann und Cassian Bilton spielen nicht die Figuren, die sie in den ersten Staffeln waren. Jeder Cleon entwickelt ein Eigenleben, es gibt aber auch einen Defekt, der sich potenziert. So hat Lee Pace Spaß daran, nach dem blutrünstigen Imperator der zweiten Staffel jetzt einen Aussteigertyp zu spielen, den man auch als Dude Cleon (frei nach The Big Lebowski) bezeichnen könnte.
Bisher läuft Foundation bei vielen noch unter dem Radar. Die Serie ist längst nicht so populär wie Severance, eine der erfolgreichsten bei Apple TV+. Dabei ist eine Geschichte dieser Größe und Wucht, die mit solch exorbitant optischer Pracht erzählt ist, selten.
Und anders als bei Game of Thrones gibt es hier schon ein vorgegebenes Ende durch die Bücher, auch wenn die Verantwortlichen der Serie viel ändern, anpassen, neu konzeptionieren. Und doch: Zur möglichen Halbzeit der Serie ist zu sagen, dass eine epische Sci-Fi-Saga einfach nicht besser geht.



