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Fotolack für Halbleiterfertigung: Japan will wichtigen Halbleiterzulieferer verstaatlichen

Ein staatlicher Investitionsfonds übernimmt den wichtigsten Fotolack-Hersteller: Das soll Japans künftige Dominanz bei Chemie für die Halbleiterfertigung sichern.
/ Johannes Hiltscher
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Ein Wafer wird mittels Spin Coating mit Fotolack beschichtet. Nach Belichtung und Entwicklung gibt er etwa vor, wo geätzt wird. (Bild: Wikimedia Commons)
Ein Wafer wird mittels Spin Coating mit Fotolack beschichtet. Nach Belichtung und Entwicklung gibt er etwa vor, wo geätzt wird. Bild: Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

Japan mag seine einst starke Position bei Halbleitern eingebüßt haben, bei vielen dafür benötigten Chemikalien ist das Land aber noch immer weltweit führend. So stammen etwa Fotolacke fast ausschließlich von japanischen Unternehmen . Deren Namen sind oft kaum bekannt, die JSR Corporation ist da keine Ausnahme. Dennoch ist sie für die Halbleiterpläne der japanischen Regierung von so großer Bedeutung, dass der staatliche Investitionsfonds JIC (Japan Investment Corporation) das Unternehmen übernehmen soll(öffnet im neuen Fenster) .

JSR ist mit rund 30 Prozent Marktanteil bei Fotolacken für die Halbleiterfertigung der wichtigste Zulieferer weltweit. Nach der Übernahme durch die JIC soll JSR sich von der Börse zurückziehen und ein groß angelegtes, mehrjähriges Forschungs- und Expansionsprogramm beginnen. Hier könnte das Unternehmen große Verluste machen, die Investoren nicht zu vermitteln wären.

Das Investitionsprogramm soll den Vorsprung japanischer Unternehmen bei Chemikalien für die Halbleiterfertigung sichern. Gleichzeitig, so JSRs CEO Eric Johnson, soll die Übernahme Redundanzen verringern und Investitionen besser konzentrieren – mutmaßlich, indem JSR und seine Konkurrenten wie Shin-Etsu ihre Produktportfolios stärker bündeln.

Günstig wird der Kauf für den dem Wirtschaftsministerium unterstellten JIC nicht: 909,3 Milliarden Yen (5,81 Milliarden Euro) soll die Übernahme kosten, die Bewertung ist laut Reuters(öffnet im neuen Fenster) mit dem Dreizehnfachen des jährlichen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (kurz Ebitda(öffnet im neuen Fenster) ) außergewöhnlich hoch. Die Führung von JSR hat der Übernahme bereits zugestimmt, nach Abschluss des Wachstumsprogramms – geplant sind fünf bis sieben Jahre – soll JSR wieder an die Börse.

Von synthetischem Gummi zu Halbleitertechnik

Wie viele andere Unternehmen, etwa der Lebensmittelkonzern Ajinomoto (g+) , der spezielle Polymerfilme für Platinen herstellt, kommt auch JSR ursprünglich aus einem anderen Bereich. 1957 begann das Unternehmen(öffnet im neuen Fenster) mit der Herstellung von synthetischem Kautschuk. Aus dieser Zeit stammt auch der Name des Unternehmens: Japan Synthetic Rubber Corporation.

Seit dem Ende der 1970er Jahre wendete sich das Unternehmen dann der Mikroelektronik zu: Neben Fotolacken produziert das Unternehmen Kunstharze, Materialien für die Fertigung von LCDs und Polierpasten für die Halbleiterfertigung. Daneben gehören Biotechnologie und Biopharmazeutika zum Produktportfolio.


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