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Fossile Energie: Energieunabhängigkeit in Europa ist unrealistisch

Bis 2050 könnte die EU klimaneutral sein – aber unabhängig von Importen wird sie dabei nicht. 200 Milliarden Euro pro Jahr lassen sich dennoch sparen.
/ Mario Petzold
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Agri-Photovoltaik ist eine Möglichkeit, den Flächenverbrauch von Energieanlagen zu minimieren. (Bild: Forschungszentrum Jülich/Sascha Kreklau)
Agri-Photovoltaik ist eine Möglichkeit, den Flächenverbrauch von Energieanlagen zu minimieren. Bild: Forschungszentrum Jülich/Sascha Kreklau

Eine Studie des Forschungszentrums Jülich(öffnet im neuen Fenster) kommt zu dem Schluss, dass eine europäische Energieunabhängigkeit weder realistisch noch erforderlich ist. Zum wirtschaftlich weiterhin sinnvollen Import von Energie kommen demnach neue Abhängigkeiten, zum Beispiel bei Rohstoffen und Technologien, die strategisch geplant werden sollten.

Untersucht wurden in der Studie(öffnet im neuen Fenster) drei Szenarien mit unterschiedlichen Transformationsgraden des Energiesystems. Im Ersten bleibt alles auf dem Stand von heute, beim Zweiten ist der Weg zur Klimaneutralität beschritten und im Dritten bereits im Jahr 2050 erreicht.

Den Berechnungen zufolge liegen die Kosten der EU bei gleichbleibender Nutzung von Öl und Gas im Jahr 2050 bei 240 Milliarden Euro für Energieimporte. Ist die Klimaneutralität erreicht, sind es 26 Milliarden Euro, die hingegen unter anderem für Wasserstoff, Methan und Rohstoffe ausgegeben werden müssen. Das Geld wird allerdings nicht eingespart, sondern in die lokale Infrastruktur und das Energiesystem investiert.

Wirtschaft wird durch schnellen Wandel gestärkt

Fließen die Investitionen in Infrastruktur, wird dies der Studie zufolge das Wirtschaftswachstum bremsen, aber nicht stoppen. Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts würde der Rückstand bei einem ambitionierten Ausbau schnell zurückgehen.

Wird die Energiewende langsamer vorangetrieben, bleibt der Rückstand länger bestehen. Ein verzögerter Ausbau des Energiesystems wäre demnach deutlich teurer.

Zusätzliche Eventualitäten wie Versorgungsengpässe bei Öl und Gas sowie die Folgen eines sich beschleunigenden Klimawandels sind hier nicht berücksichtigt. Das erklärt, weshalb die Wirtschaft zwangsläufig im Szenario ohne Veränderungen am stärksten wächst.

Keine Preisschocks mehr

Sind die Lieferketten für Rohstoffe und Technologie ausreichend breit aufgefächert und diversifiziert, sieht die Studie trotz weiter bestehender, wenn auch deutlich geringerer Importabhängigkeit kaum noch Risiken für die EU bei globalen Energiepreisschocks.

Verteuern sich Öl und Gas plötzlich um 50 Prozent, vergleichbar mit der aktuellen Situation, steigen die Energiepreise ohne den Ausbau erneuerbarer Energien um 38 Prozent. Ist das Energiesystem der EU hingegen vollständig klimaneutral, liegt die Teuerung bei 4 Prozent.

Um das zu erreichen, muss die Stromproduktion mehr als verdreifacht werden, die Leistung aus Windkraft und Photovoltaik müsste sich jeweils verfünffachen. Das aktuelle Tempo beim Zubau von Solaranlagen ist dafür ausreichend. Windkraft müsste dreimal so schnell ausgebaut werden wie zuletzt.

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