Fortnite, Unreal und Store: Warum Epic Games Hunderte Angestellte entlassen muss
Nachtrag vom 29. September 2023, 17:08 Uhr
Viele Jahre lang investierte Epic Games, das durch die Unreal Engine und das noch immer beliebte Fortnite groß geworden ist, viele der Einnahmen wieder in andere Projekte im Unternehmen. Dies scheint aktuell allerdings nicht der Weg voran zu sein Das Unternehmen entlässt 16 Prozent der Belegschaft, rund 830 Menschen müssen sich nach einem anderen Job umsehen. Sie sollen sechs Monatsgehälter und Krankenversicherungsbeiträge als Abfindung erhalten.
Gründer und CEO Tim Sweeney hat sich in einer öffentlich einsehbaren Nachricht(öffnet im neuen Fenster) an das gesamte Unternehmen gewandt: "Seit einer ganzen Weile geben wir nun mehr Geld aus, als wir einnehmen" , schreibt er. Nach anfänglichem Optimismus müssten dadurch nun einige Teilprodukte und Teams gekürzt werden.
Bandcamp abstoßen
Genauer gesagt soll die erst im März 2022 gekaufte Musikplattform Bandcamp wieder verkauft werden. Schon damals konnte sich Golem.de nicht genau erklären, warum Epic Games in diesen für das Unternehmen doch recht neuen Markt – Musikproduktion und -distribution – einstieg. Was auch immer die Intention war, die Entscheidung hat offenbar nicht viel gebracht.
Zusätzlich dazu wird die Marketingplattform Superawesome unabhängig. Das Unternehmen kauft die Anteile von Epic Games auf und wird fortan als eigene Firma agieren. Epic Games wird also keinen Einfluss mehr auf deren Geschicke haben.
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Das allein reicht allerdings wohl nicht: Viele Epic-Games-Teams mussten laut Sweeneys Mail schon zuvor Einsparungen beim Vertrieb und Betrieb machen. So wurden Marketingbudgets gekürzt und Unternehmensevents gestrichen. Teamleitungen wurden zudem dazu angehalten, ihre Anzahl an Mitarbeitern stabil zu halten und nicht noch mehr Beschäftigte zu rekrutieren. "Ungefähr zwei Drittel aller Entlassungen wurden außerhalb der Kernentwicklung durchgeführt" , schreibt der CEO.
Fortnite läuft nicht mehr ganz so gut
Epic Games hat drei große Säulen, auf die sich das Unternehmen fokussiert. Fortnite wird als eine Art Metaverse-Umgebung noch immer als enorm wichtige Einnahmequelle angesehen. Im Jahr 2023 konnte das Spiel laut Sweeney auch wieder wachsen, nachdem das Interesse an der Marke in den Jahren zuvor abgenommen hatte.
Generell ist es aber offenbar problematisch, dass Epic Games sich so sehr auf den Erfolg von Fortnite verlässt. Das Spiel gibt es bereits seit Juli 2017. Vor allem junge Menschen im Alter von 12 bis 16 Jahren konnten sich schnell mit dem bunten Konzept anfreunden. Das lag unter anderem auch an diversen Content Creators wie Ninja, die auf Twitch Hunderttausende bis Millionen Zuschauer erreichten. Fortnite war nicht nur ein Spiel, es wurde zu einer Art Jugendkultur.
So schnell wie Trends aber nun mal vergehen, schwand auch der Erfolg von Fortnite(öffnet im neuen Fenster) mit der Zeit. Das Grundspiel selbst ist bei Weitem nicht mehr so beliebt. Zuschauerzahlen auf Twitch(öffnet im neuen Fenster) und die allgemeinen Spielerzahlen(öffnet im neuen Fenster) gehen nach unten. Deswegen baut Epic Games Fortnite seit einiger Zeit von einem einzelnen Spiel zu einem kompletten Ökosystem aus. Dadurch konnte es 2023 noch einmal deutlich mehr Spieler gewinnen.
Im neuen Fortnite können Creator diverse Minispiele erstellen. Das Ganze ist klar vom Riesenerfolg durch die Spieleplattform Roblox inspiriert. "Creator verdienen sich ihren Lebensunterhalt, indem sie für das Fortnite-Ökosystem bauen" , schreibt Sweeney in seiner Nachricht – räumt aber ein, dass das Wachstum langsamer vorangehe als erwartet.
Es ist daher wenig verwunderlich, dass Epic Games die Preise für die Ingame-Währung(öffnet im neuen Fenster) in Fortnite stark nach oben korrigiert. Ab dem 27. Oktober 2023 zahlen Kunden (oder deren Eltern) rund 12 bis 15 Prozent mehr Geld für V-Bucks. Mikrotransaktionen, die mit dieser Währung bezahlt werden, sind die Haupteinnahmequelle von Fortnite.
Spiele verschenken im Epic Games Store
Eine weitere wichtige Säule ist der Epic Games Store. Der ist seit seiner Eröffnung im Dezember 2018 dadurch bekannt, Exklusivdeals mit Entwicklerstudios abzuschließen. Dabei werden einige Spiele, ein prominentes Beispiel ist Borderlands 3, für eine festgelegte Zeit exklusiv nur auf dem Epic Games Store angeboten.
Der Store ist allerdings auch dafür bekannt, im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Steam einen wesentlich geringeren Anteil an den Umsätzen zu nehmen, wenn Entwickler sich für einen Release auf der Plattform entscheiden: 12 statt etwa 30 Prozent. Dazu kommt der Fakt, dass Kunden durch wöchentliche kostenlose Spiele gelockt werden sollen. Wer sagt schon Nein zu Geschenken?
Ein Blick auf die Zahlen zeigt ein paar Probleme damit. Laut eigenen Aussagen(öffnet im neuen Fenster) wurden 2022 im Epic Games Store etwa 820 Millionen US-Dollar durch Spieleverkäufe ausgegeben, ein zum Vorjahr 2021 nahezu identischer Wert.
Dazu kommen 355 Millionen US-Dollar an Dritthersteller-Apps und -Spielen. Gehen wir vom Epic-Games-Anteil von 12 Prozent aus, sind das 141 Millionen US-Dollar an Einnahmen.
1,9 Milliarden US-Dollar verschenkt
Das ist ein guter Wert, wenn die Spielegeschenke ausgeklammert werden. Allerdings wurden 2022 700 Millionen Games verschenkt. Die setzen sich aus 99 Titeln mit einem Gesamtwert von 2.240 US-Dollar zusammen. Die Kosten pro Spielelizenz liegen im Schnitt also bei 22,63 US-Dollar, von denen Epic Games theoretisch noch einmal 2,72 US-Dollar (12 Prozent Anteil) einnehmen könnte. Das Unternehmen verschenkte 2022 also Umsätze von maximal 1,9 Milliarden US-Dollar.
Nun dürfte dieser Wert in Wirklichkeit geringer sein – schließlich ziehen kostenlose Dreingaben viel mehr Menschen an. Trotzdem könnten es wesentlich mehr als 141 Millionen US-Dollar Umsatz sein, da viele potenzielle Einnahmen stattdessen als Geschenke verloren gehen.
Es ist zudem kein gutes Zeichen für den Erfolg dieses Kurses, dass die PC-Spieleverkäufe im Epic Games Store stagnieren. Die Geschenkstrategie ist eben nur eine kurzfristige Lösung.
Langfristig müsste Epic Games eine Spieleplattform bauen, die sich zumindest teilweise mit Valves Steam vergleichen lässt. Doch gerade im Bereich des Community-Aufbaus fehlen essenzielle Features. Ein richtiger Marktplatz, ein Workshop oder andere Community-Seiten sind im Epic Games Store einfach nicht implementiert. Deshalb haben viele Gamer ihre Freundeslisten und Communities auf Steam aufgebaut. Der Epic Games Store wird nur verwendet, wenn ein Titel mal wieder exklusiv darauf veröffentlicht wird.
Interessanterweise führt Epic Games diese Taktik weiter und baut sie sogar aus. Im August 2023 gab der Hersteller bekannt, dass Publisher und Developer keine Abgaben an Epic Games zahlen müssen, wenn sie ihre Spiele sechs Monate lang exklusiv über den Epic Games Store anbieten. Das Problem mit dem First-Run-Programm(öffnet im neuen Fenster) : Selbst bei ethisch fragwürdigen 30 Prozent Abgaben an Valve erreichen Publisher auf Steam einfach viel mehr Kunden und damit auch mehr Umsätze.
Epic Games sollte sich darauf konzentrieren, den Store entweder funktionsfähiger zu machen oder eine leichte Verknüpfung mit Steam zu ermöglichen. Diesen Weg ging selbst EA, einer der größten Spielepublisher der Welt.
Unreal Engine als Hoffnungsträger
Bleibt noch die dritte große Einnahmensäule zu nennen: die Unreal Engine. Epic Games nimmt 5 Prozent aller Verkaufseinnahmen für Spiele, die mit der Unreal Engine programmiert werden und mindestens 1 Million US-Dollar einnehmen. Dazu kommen Einnahmen durch Plug-ins, Assets und andere Zusatzprodukte, die Spieleentwicklern bei der Arbeit helfen sollen.
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Die aktuelle Situation um den Wettbewerber Unity macht die Unreal Engine zu einem attraktiven Angebot. Hier könnte Epic weitere Anreize für Indie-Entwickler schaffen. Der Umstieg ist allerdings nicht unbedingt einfach, da Unity auf C# und Unreal auf C++ basiert.
Generell gilt Unreal als schwieriger Einstieg für Entwicklerteams, die ihre ersten Schritte in der Branche machen. Deshalb findet sich Unity etwa auch an vielen Bildungseinrichtungen und in Start-ups wieder. Epic könnte beispielsweise in Workshops, Tutorials und eine benutzerfreundliche UI investieren oder eine Art Unreal Engine Light anbieten, die einfach zu bedienen und ein guter Einstieg in die Welt der Spieleentwicklung ist.
Es wird sich zeigen, wie gut sich das Unternehmen an aktuelle Gegebenheiten anpassen kann. Denn Kosteneinsparungen bringen keinen Erfolg, sie halten ein Unternehmen nur am Laufen.
Nachtrag vom 29. September 2023, 17:08 Uhr
Nachtrag vom 29. September 2023, 17:08 Uhr
Laut Epic Games wurden nicht 870, sondern 830 Personen entlassen. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.
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