Fortnite: Epic Games greift die Spielebranche an

Es geht nicht nur um Apple: Epic Games attackiert auch den PS Store und ähnliche Shops. Das wird ein harter, teurer und erfolgloser Kampf.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Artwork von Fortnite
Artwork von Fortnite (Bild: Epic Games)

Wenn mich jemand mit dem Raketenwerfer aus Fortnite zwingen würde, eine Wette auf Epic Games oder Apple zu platzieren: Ich würde meine V-Bucks (oder Euro) auf einen Sieg von Apple setzten - allerdings möglichst wenig und nicht wirklich mit einem guten Gefühl.

Zur Vorgeschichte: Epic Games hat in die Android- und iOS-Version von Fortnite ein eigenes Bezahlsystem eingebaut, woraufhin das Actionspiel aus den jeweiligen Appstores geworfen wurde.

Seitdem streiten sich Epic Games, Google und Apple vor Gericht. Inzwischen droht Apple, die gesamte Unterstützung für Epic Games und vor allem für die Unreal Engine zu streichen.

Es ist offensichtlich, dass Epic Games sich auf die Auseinandersetzung gut vorbereitet hat. Die Klageschriften waren fertig. Der gemein gute 1984-Trailer lag auf dem Server und das Social-Media-Team hat sich mit #FreeFortnite ein griffiges Hashtag für den Kampf in den sozialen Netzwerken ausgedacht.

Aber reicht das, um Apple in die Knie zu zwingen? Ich habe da meine Zweifel. Vor allem, weil Epic Games nicht nur gegen Apple kämpft, sondern im Grunde gegen weitere Großkonzerne. Gegen Google ja sowieso auch, aber ebenso gegen Microsoft mit Xbox Live und Sony mit dem Playstation Store. Epic Games sagt schon seit Jahren, dass das eigentliche Ziel ein Epic Games Store auch auf mobilen Endgeräten ist - und damit im Grunde überhaupt auf allen lukrativen Plattformen.

Sony und die Playstation 5 Digital Edition

Nur um mal zu verdeutlichen, um was es da geht: Sony will Ende 2020 die laufwerkslose Playstation 5 Digital Edition veröffentlichen. Damit müssen die Spieler ihre Games im Playstation Store kaufen. Eine andere Möglichkeit ist natürlich nicht vorgesehen.

Für uns als Kunden ist das Shopping im PS Store ein teurer Spaß. Spiele für die Playstation 4 kosten da oft noch 70 Euro, während sie im regulären Handel 10 bis 20 Prozent günstiger sind. Für Sony lohnt sich das natürlich, zumal beim digitalen Vertrieb die gesamte Marge bei dem Konzern hängen bleibt.

Wenn Epic Games gegen Apple gewinnen sollte und jeder Anbieter seine eigene Bezahlsysteme und Shops verwenden könnte, würde damit gleichzeitig der zentrale Playstation Store fallen - und damit ein lukratives Geschäftsmodell.

Hier wird es kompliziert, weil Sony seit kurzem einer der Minderheitsaktionäre von Epic Games ist. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass der japanische Konzern von dem Kampf gegen zentrale Appstores begeistert ist. Im Gegenteil: Sony wird Epic Games kaum unterstützen, ebenso wenig wie Microsoft und der Teil der Entwicklerszene, der eng mit den Konzernen verzahnt ist.

Bislang hat sich nur Spotify klar mit Epic Games solidarisiert, gerüchteweise auch der Lautsprecherhersteller Sonos. Das ist alles andere als eine klare Front gegen Apple. Im Grunde muss Epic Games auf die Unterstützung der Kartellbehörden hoffen. Sowohl in den USA als auch in Europa laufen entsprechende Verfahren - aber bis da mal was entschieden ist, dürften in Fortnite noch viele Seasons vergehen.

Auf welche Seite man sich als Kunde stellt, hängt im Grunde von den persönlichen Präferenzen ab. Wem Sicherheit am wichtigsten ist, muss wohl für Apple sein - weil ein kontrollierter und zentraler App Store noch das vergleichsweise kleinste Einfallstor für fehlerhafte oder manipulierte Software ist.

Wer günstige Preise für Spiele und andere Anwendungen möchte, hofft vermutlich eher auf einen Erfolg von Epic Games. Die von Apple und den meisten anderen Marktteilnehmern verlangten 30 Prozent Provision erscheinen tatsächlich sehr viel Geld.

12 Prozent als Kompromiss?

Epic Games verlang in seinem eigenen PC-Spielestore eine Provision von 12 Prozent. Ich erinnere mich, dass das Unternehmen mal auf einer Entwicklertagung sinngemäß gesagt hat, dass das im Grunde für die laufenden Kosten und einen immer noch angemessenen Gewinn ganz gut ausreicht.

Ein möglicher kurzfristiger Kompromiss zwischen den Streithähnen könnte deshalb sein, dass Epic Games und/oder alle Entwickler künftig weniger an die Shop-Betreiber abgeben müssen. Das wäre schon ein Erfolg.

Mehr dürfte auch die größte Armee an Fortnite-Soldaten nicht schaffen. Im zentralen Punkt des Konflikts, nämlich der Frage, ob alle Gelder über den App Store fließen oder eben nicht, wird Apple genauso wie Sony, Google und Microsoft nicht freiwillig nachgeben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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wo.ist.der... 22. Aug 2020

Vertrieb, Server, und alle Dienste drum herum... Man muss schon bei den Fakten bleiben...

Darkmalvet 20. Aug 2020

Wenn es hier darauf hinaus läuft Hardwarehersteller zu verpflichten dem Nutzer irgendeine...

Garius 19. Aug 2020

Volle Zustimmung. Es geht einzig und allein darum, das Epic ein Standbein als...

Garius 19. Aug 2020

Schöne Argumentation, findet doch aber so nur recht bedingt statt. Wenn ich mir die...



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