Forschung: Wie KI beim häufigsten Männerkrebs helfen soll

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Künstliche Intelligenz soll Radiologen künftig dabei helfen, Prostatakrebs schneller und präziser zu erkennen. Besonders bei der Entscheidung, ob die gesamte Prostata oder nur ein Teil entfernt werden muss, stößt die bisherige Diagnostik an Grenzen: MRT-Bilder sind zwar detailliert, zeigen aber nicht immer eindeutig, welche Stellen für eine Biopsie entscheidend sind.
Hier setzt das vom Karlsruher Institut für Technologie koordinierte Himalaya-Projekt(öffnet im neuen Fenster) an: mit einer KI, die Tumorgewebe automatisch erkennt und so die Behandlung von Prostatakrebs verbessern soll.
Die Prostata ist nicht überlebenswichtig
Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, lässt sie sich gut behandeln. Dabei kommen meistens eine Strahlentherapie oder das operative Herausschneiden eines Teils oder der gesamten Prostata zum Einsatz. Ein vollständiges Entfernen ist möglich, weil die Prostata keine lebensnotwendige Funktion für den Körper erfüllt. Sie ist zwar für den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung wichtig, aber eben nicht lebensnotwendig.
Doch es ist nicht immer einfach, diese Entscheidung zu fällen. "Wenn bei der üblichen Tastuntersuchung durch den Urologen eine Auffälligkeit bei der Prostata erkannt wird, wird sie typischerweise mithilfe der Magnetresonanztomographie untersucht" , sagt Charlotte Debus(öffnet im neuen Fenster) vom Karlsruher Institut für Technologie. Solche MRT-Geräte arbeiten mit starken Magnetfeldern von rund drei Tesla und können dadurch ziemlich scharfe Bilder des Prostatagewebes liefern.
Man kann auch eine Computertomographie machen, den Tumor also mit Röntgenstrahlung untersuchen. Anhand solcher Aufnahmen sehen Radiologen schon ganz gut, wo sich der Tumor befinden kann.
Erst die Biopsie bringt Klarheit
Die endgültige Diagnose erfolgt mit einer Biopsie. Dabei wird Gewebe aus den entsprechenden Stellen entnommen und mit einem Mikroskop detailliert histologisch untersucht. Anhand dieser Biopsie sieht man dann, wie stark die Prostata befallen ist und ob sie nur zum Teil oder komplett entfernt werden sollte.
Letzteres ist bei der Prostata recht einfach möglich, weil sie als gut umkapseltes Organ vorliegt. Solange der Tumor nur dort wächst und kein umliegendes Gewebe befallen hat, ist das Herausschneiden deshalb ein probates Mittel gegen den Krebs.
Dennoch gibt es bei der heutigen Diagnostik immer noch Schwierigkeiten. "Es ist nicht immer einfach, anhand der MRT alle wichtigen Stellen für die Biopsie zu ermitteln" , erklärt Debus. Die Forscherin arbeitet deshalb im Rahmen des Himalaya-Projekts an neuartigen Formen der Diagnose. Sie sagt: "Unsere Idee ist es, den Radiologen die Arbeit zu erleichtern, indem wir ihnen sozusagen eine künstliche Intelligenz als Assistenz anbieten."



