Forschung: Neue Methode zum Aufspüren von Atombomben auf Satelliten
Ein Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat eine Methode(öffnet im neuen Fenster) entwickelt, um Atomwaffen auf Satelliten aufzuspüren. Der Sensor in den Abmaßen einer "großen Enzyklopädie" misst die Strahlung nichtexplodierter Bomben. Aus vier Kilometern Entfernung dauere die Analyse knapp eine Woche, aus 1.000 Metern Entfernung nur eine Stunde, und die Beobachtungsdauer würde auf nur eine Stunde sinken, um eine Atombombe mit 99-prozentiger Sicherheit zu identifizieren.
Für eine schnellere Erkennung schlägt der US-Forscher Areg Danagoulian in seiner Machbarkeitsstudie eine Konstellation aus zehn schuhkartongroßen Kleinsatelliten vor. Diese würden die Messzeit aus vier Kilometern Distanz auf 15 Stunden verkürzen. Bei einem positiven Fund könnte das Militär die Funkverbindung des gegnerischen Satelliten blockieren, um eine Fernzündung zu verhindern.
Als die USA im Jahr 1962 eine Atombombe in 400 km Höhe zündeten, fielen zahlreiche Satelliten aus. Ein solcher Kollaps würde heute – in Zeiten von GPS, digitalem Banking und globaler Kommunikation – das moderne Leben lahmlegen.
Szenario: Russland platziert eine Atomwaffe im Erdorbit
Die Studie nutzt einen realen Vorfall: Im Jahr 2022 beschuldigten die USA Russland, mit dem Satelliten Kosmos 2553 aufgrund seiner ungewöhnlichen Form Komponenten für eine Atomwaffe zu testen. Moskau dementierte die Anschuldigungen und erklärte, es handle sich lediglich um einen Erdbeobachtungssatelliten, der in einer Umlaufbahn von 2.000 Kilometern platziert worden sei; eine Region mit intensiver kosmischer Strahlung, die vom Erdmagnetfeld eingefangen wird, bekannt als Van-Allen-Gürtel, der sich in einem Bereich von etwa 1.000 bis zu zehntausenden Kilometern erstreckt.
Jedoch enthalten thermonukleare Waffen eine beträchtliche Menge Uran oder Plutonium als Spaltmaterialien. Wenn ein weiteres Proton auf die hochenergetischen Protonen im Uran träfe, würden diese zerfallen und damit quasi den Kern zerreißen. Jedes Proton würde etwa 40 Neutronen freisetzen – weitaus mehr als bei einem Satelliten ohne mitgeführte Atomwaffe. Durch die Wechselwirkung mit der hochenergetischen Weltraumumgebung würde es den verdächtigen Satelliten laut Danagoulian in eine sehr intensive Neutronenquelle verwandeln.
Wie soll der Atombombendetektor funktionieren?
Um diese Quelle zu orten, kombiniert das Inspektionsraumfahrzeug zwei Detektoren. Das System nutzt 1.800 zentimetergroße Kunststoffwürfel in zwei parallelen Ebenen. Jeder Würfel ist oben und unten mit Platten aus kristallinem Kohlenstoff (synthetischem Diamant) versehen, die als Schutzschild gegen kosmische Störstrahlung dienen. Der innere Kunststoff-Szintillator(öffnet im neuen Fenster) wandelt die gesuchten Teilchen in Lichtblitze um, die elektronisch erfasst werden.
Durch das zweischichtige Design lassen sich natürliche Hintergrundstrahlung herausfiltern und die exakte Herkunftsrichtung der Neutronen bestimmen. Das könnte künftig helfen, die Einhaltung des Weltraumvertrags zu überwachen.
Die Studie wurde am 9. Juni 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht: Verification of the Outer Space Treaty with cosmic protons(öffnet im neuen Fenster).
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