Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Forschung: Kokosnussöl als Treibstoff für die Luftfahrt

Forscher testen Flug-Kraftstoff aus Kokosabfällen. Im Triebwerk überzeugt der SAF-Treibstoff, zeigt aber Schwächen bei der Korrosion.
/ Patrick Klapetz
4 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Kokosnüsse und Kokosöl (Symbolbild) (Bild: Pixabay)
Kokosnüsse und Kokosöl (Symbolbild) Bild: Pixabay

Forscher der Osaka Metropolitan University(öffnet im neuen Fenster) haben einen Flug-Biokraftstoff (SAF) aus Kokosöl entwickelt, der ein kleines Strahltriebwerk antreiben kann. Das neu entwickelte Verfahren nutzt ungenießbare Reste wie Kerne und Fruchtfleisch – Bestandteile, die bei der Kokosnussverarbeitung üblicherweise als Abfall enden.

Über eine Co-Lösungsmittel-Methode aus Aceton, Alkohol und Kokosöl reagieren die Flüssigkeiten schon bei niedrigen Temperaturen. Teure Verfahren mit hohen Drücken waren überflüssig. Das Resultat ist ein Biokraftstoff mit einem Reinheitsgrad von über 97 Prozent sowie Biodiesel, der für Fahrzeuge und Schiffe geeignet ist, und hochwertiges Glycerin als Nebenprodukte.

Kokosöl für Düsentriebwerke

Das Forschungsteam stellte dabei zwei Arten von pflanzlichem Biokraftstoff her: einen auf Methanolbasis und einen auf Ethanolbasis. Dann wurde das Verhalten in einem kleinen zivilen Strahltriebwerk getestet, das Drehzahlen von bis zu 130.000 Umdrehungen pro Minute erreichen kann.

In Versuchen wurden Beimischungen auf Methanol- und Ethanolbasis von 10, 30 und 50 Prozent getestet. Schubleistung und thermischer Wirkungsgrad blieben dabei auf dem Niveau von reinem Kerosin. Da der Biokraftstoff jedoch eine geringere Energiedichte besitzt, steigt der Verbrauch: Bei 80.000 U/min und einer 50-prozentigen Beimischung lag der Mehrverbrauch bei 16,8 Prozent (Methanolbasis) bzw. 19,6 Prozent (Ethanolbasis).

Die Emissionen des Kokosöltreibstoffes

Auch die Emissionsbilanz fällt gemischt aus. Zwar verringerte sich der Ausstoß unverbrannter Kohlenwasserstoffe um 5 bis 40 Prozent und die Stickoxide sanken bei einer 30-prozentigen Methanol-Mischung um 20 bis 30 Prozent. Die CO₂-Emissionen blieben trotz Mehrverbrauch konstant. Allerdings stieg der Kohlenmonoxid-Ausstoß um 3 bis 17 Prozent.

Bis zu einem kommerziellen Einsatz stehen die Forscher vor Hürden: Der Kraftstoff zieht Feuchtigkeit an, neigt zur Oxidation und greift Metalle an – an Edelstahl zeigte sich im Versuch bereits nach ein bis zwei Wochen Rost. Zudem entspricht der Sauerstoffgehalt bisher nicht den internationalen Flugkraftstoffstandards. Bis der Treibstoff Kerosin ersetzen kann, sind jahrelange Untersuchungen nötig.

Zur Studie

Die Forschungsarbeit wurde in der Fachzeitschrift Fuel, in der Ausgabe für den 15. Januar 2027, veröffentlicht: Combustion and emission characteristics of aviation biofuel derived from coconut oil using the co-solvent method: toward eco-friendly micro jet engines(öffnet im neuen Fenster).


Relevante Themen