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Forschung: Die Arktis zwischen Lebensraum und Ressourcen

In der Arktis soll es Ressourcen wie Erdöl geben. Das politische Interesse ist also groß. Eine Studie zeigt, welches Ökosystem das gefährdet.
/ Patrick Klapetz
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Ein Eisbär in der Arktis (l.), die Schlangensternart Ophiocten gracilis (r.o.) und der Flohkrebs Amathillopsis aff. spinigera (r.u.). (Bild: Pixabay, Lydia A. Schmidt & Carolin Uhlir/Senckenberg, golem.de)
Ein Eisbär in der Arktis (l.), die Schlangensternart Ophiocten gracilis (r.o.) und der Flohkrebs Amathillopsis aff. spinigera (r.u.). Bild: Pixabay, Lydia A. Schmidt & Carolin Uhlir/Senckenberg, golem.de

Ein internationales Forschungsteam zeigt in einer Übersichtsarbeit(öffnet im neuen Fenster) der Ocean Decade Mission, dass sich in der arktischen Tiefsee vielfältige Lebensräume und Organismen befinden. Diese Gebiete sich durch das zunehmende politische und ökologische Interesse gefährdet.

"Der Klimawandel und das Schmelzen des Meereises erleichtern zunehmend die Erkundung des Arktischen Ozeans. Das birgt aber auch große ökologische Risiken" , erklärt Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt in einer Pressemitteilung vom 20. November 2024(öffnet im neuen Fenster) .

Die Arktis: Erdöl, Erdgase, seltene Erden und Metalle

Die Veränderungen erleichtern zum einen die Erforschung der arktischen Tiefsee , die bedeutende Erdöl- und Erdgasreserven sowie wertvolle Ressourcen wie seltene Erden und Metalle beherbergt. Aktuelle Schätzungen zufolge soll die Tiefsee bis zu 13 Prozent der noch unentdeckten globalen Ölreserven und 30 Prozent der Erdgasreserven enthalten. Durch das schmelzende Eis wird der Zugang zu diesen Ressourcen erleichtert.

Zum anderen weckt die Beschleunigung des Welthandels durch den Transport entlang neuer Nordost- und Nordwestpassagen sowie ein wachsender Fokus auf den arktischen Tourismus zusätzliches kommerzielles Interesse.

"Obwohl wir mithilfe neuer Technologien und Infrastrukturen erhebliche Fortschritte beim Verständnis des arktischen Ökosystems erzielt haben, gibt es immer noch große Wissenslücken in Bezug auf die Tiefseegemeinschaften, die am Meeresboden leben" , so Brandt.

Der Datensatz zeigt einen vielfältigen Lebensraum

Die internationale Forschungsgruppe wertete 75.404 Datensätze zu 2.637 verschiedenen Tiefseearten aus. Man beschränkte sich auf das Gebiet nördlich des 66. Breitengrads und unterhalb einer Tiefe von 500 Metern.

"Die häufigsten Einzelnachweise betrafen mit 21.405 Treffern den Stamm Arthropoda, zu dem unter anderem Isopoden und Copepoden gehören" , erklärt Hanieh Saeedi, ebenfalls vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Arthropoda(öffnet im neuen Fenster) sind Gliederfüßer, Isopoden(öffnet im neuen Fenster) sind Asseln und Copepoden(öffnet im neuen Fenster) sind Ruderfußkrebse. Es folgen Ringelwürmer ( Anneliden(öffnet im neuen Fenster) ) und Schwämme. Laut Saeedi werden Letzere in der Artenvielfalt von Weichtieren ( Mollusken(öffnet im neuen Fenster) ) übertroffen.

Saeedi warnt: "Vor allem angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Interessen stellt der Mangel an Daten über die benthische Biodiversität - insbesondere in den tiefen Becken des zentralen Arktischen Ozeans - ein erhebliches Problem für robuste Management- und Erhaltungsmaßnahmen dar."

Es brauche eine intensivere internationale Vernetzung und Zusammenarbeit. Zudem sollten Umweltparameter und die Faunenzusammensetzung aktiv überwacht werden: "Nur so können wir die Struktur und Funktion des arktischen Ökosystems besser verstehen und sicherstellen, dass Maßnahmen ergriffen werden, um dieses einzigartige Ökosystem zu erhalten, das für die nördliche Hemisphäre von so großer Bedeutung ist."

Zur Studie

Die Studie wurde am 4. Oktober 2024 in der Fachzeitschrift Elementa veröffentlicht: The emerging picture of a diverse deep Arctic Ocean seafloor: From habitats to ecosystems(öffnet im neuen Fenster) (Das sich abzeichnende Bild eines vielfältigen tiefen Meeresbodens des Arktischen Ozeans: Von Lebensräumen zu Ökosystemen).


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