Wer offline geht, verliert womöglich Freunde

Zeit Online: In Ihrem Buch verlangen Sie von Ihren Leserinnen und Lesern tatsächlich nicht, dass diese ihre Smartphones ganz abschalten. Was sollten sie stattdessen tun?

Levy: In meinem Buch findet man keine fünf goldenen Regeln zur Nutzung von Social Media, von Facebook und Instagram, zum Gebrauch von E-Mails. Und ich sage auch nicht, dass wir die erwähnten Selbstkontrollwerkzeuge oder gar echte Blocker, die unseren Handygebrauch einschränken, nicht benutzen sollten. Ich bin auch nicht nur am Suchtpotenzial von digitalen Geräten interessiert. Sondern auch daran, wie wir durch deren Nutzung mehr über uns selbst erfahren können. Da diese Geräte in fast jedem Lebensbereich eine Rolle spielen, könnten wir sie auch als Spiegel unser selbst verstehen. Der zeigt uns, was für ein Leben wir führen - und ob wir daran vielleicht etwas verändern wollen. Ich hoffe sehr, dass man von mir nicht nur wissen möchte, wie oft man am Tag Instagram höchstens öffnen sollte.

Zeit Online: Würde völlige digitale Abstinenz nicht auch in eine soziale Isolation führen? Man zwänge seine Freunde, Verwandten und Kollegen, auf anderen Wegen mit einem zu kommunizieren. Womöglich wollen die das aber gar nicht.

Levy: Es ist ein häufig übersehener Aspekt, dass der Entschluss, weniger online zu sein, auch soziale Auswirkungen hat. Darüber muss man seine Freunde entweder aufklären oder es bedarf einer Vereinbarung. Wir treffen Entscheidungen über unser digitales Verhalten nämlich nicht in einem Vakuum, es geht nicht nur um unser persönliches Verhältnis zu unseren Geräten. Veränderungen haben stets auch Auswirkungen auf unser Umfeld. Deshalb sollten wir die möglichen Konsequenzen mitbedenken.

Die Jüngeren wissen es nicht besser

Zeit Online: Sollte der Umgang mit Technologie auch eine Art Schulfach werden? Muss Kindern und womöglich auch uns Erwachsenen beigebracht werden, wie man mit Technologie im Alltag bestenfalls umgeht?

Levy: Absolut, ich glaube, sowohl Technologie- als auch Medienerziehung ist etwas, an dem wir arbeiten sollten. Ich bin überrascht, wie wenig deren Notwendigkeit im amerikanischen Bildungssektor diskutiert wird, über den deutschen kann ich mich nicht äußern. Meine Hypothese für die USA lautet, dass wir in einer derart beschleunigten, uns überfordernden Kultur leben, dass sich das Bildungssystem schwertut, noch Neues zuzulassen. Außerdem existierte bis vor kurzem die Annahme, junge Menschen, die in die digitale Welt gleichsam hineingeboren würden, besäßen anders als ältere einen geradezu natürlichen Zugang zu Geräten. Was bedeuten würde: Im Gegensatz zu uns wissen sie, wie man die benutzt.

Zeit Online: Diese sogenannten digital natives haben damit aber auch Schwierigkeiten?

Levy: Genau. Als Hochschullehrer habe ich in Gesprächen mit Studierenden in den vergangenen Jahren verstanden, dass die jungen Leute genau die gleichen Fragen und Vorbehalte gegenüber Technologie haben wie wir Älteren. Außerdem verstehen mehr Menschen, dass wir stärker aufeinander achten sollten und mit unseren negativen Emotionen besser umzugehen verstehen müssen. Die amerikanische Gesellschaft ist heute extrem polarisiert. Das zeigt sich sowohl online als auch offline. Die schreckliche, bösartige Art, mit der Leute sich insbesondere in sozialen Netzwerken wie Twitter behandeln, schreit nicht nur nach technischen Änderungen an diesen Plattformen. Wir müssen auch wieder lernen, Meinungsunterschiede auszuhalten. Wir sollten die Zeit, die wir online verbringen, doch bitte nicht auch noch dazu benutzen, auf andere Menschen einzudreschen, nur weil wir ihre Ansichten nicht teilen.

Zur Person:

David Levy ist Professor an der Information School der University of Washington in Seattle. Zuvor hat er knapp anderthalb Jahrzehnte am Think Tank Xerox Parc im kalifornischen Palo Alto geforscht.

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 Sollte man überhaupt von Handysucht sprechen?
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baltasaronmeth 01. Aug 2018

Vor allem dieser verdammte Taskwechsler hat es in sich. Eben noch will man vom SSH-Client...

baltasaronmeth 01. Aug 2018

Hast du oder brauchst du ein Smartphone und hast du oder brauchst du Alk? Nur für...

halfbit 27. Jul 2018

das nennt sich Medienkompetenz. Natürlich muss man lernen mit neuen Sachen umzugehen...

moeppel 27. Jul 2018

Wenn Menschen ihr Leben mehr in Bildern, Videos und Sprachnachrichten durch Linsen/Mikros...



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