Abo
  • Services:
Anzeige
Zufallszahlen, die sich wiederholen - ein katastrophaler Fehler
Zufallszahlen, die sich wiederholen - ein katastrophaler Fehler (Bild: Screenshot Hanno Böck)

Fork: LibreSSL hat Zufallsprobleme unter Linux

Unter bestimmten Umständen lieferte LibreSSL unter Linux dieselben Zufallszahlen mehrfach. Das Problem wurde in einem neuen Release behoben, die OpenBSD-Entwickler sehen aber das eigentliche Problem beim Linux-Kernel.

Anzeige

Der OpenSSL-Fork LibreSSL hat wenige Tage nach seiner Veröffentlichung die erste größere Sicherheitslücke zu vermelden. Der Zufallszahlengenerator liefert unter bestimmten Umständen mehrmals dieselben Werte. Das Problem tritt im Zusammenhang mit der Funktion fork() auf und wurde von Andrew Ayer entdeckt. LibreSSL hat nun die Version 2.0.2 veröffentlicht, die einen Workaround für das Problem enthält. Doch die OpenBSD-Entwickler machen deutlich, dass sie das eigentliche Problem im Linux-Kernel sehen.

Die Funktion fork() erstellt eine nahezu identische Kopie des aktuellen Prozesses. Auch der interne Status des Zufallszahlengenerators wird so dupliziert. LibreSSL versucht, den Aufruf von fork() anhand der Prozess-ID (PID) zu erkennen und initialisiert im Fall einer neuen PID den Zufallszahlengenerator erneut. Das Problem dabei: Die Prozess-IDs unter Linux sind lediglich 16 Bit lang und werden zufällig vergeben. Manchmal kann es daher vorkommen, dass ein Unterprozess dieselbe PID erhält. Zwei Aufrufe des Zufallszahlengenerators können daher in unterschiedlichen Prozessen dasselbe Ergebnis produzieren. Die korrekte Funktion des Zufallszahlengenerators ist für kryptographische Software essenziell. Wiederholte Zufallswerte können bei manchen Algorithmen - etwa bei DSA und ECDSA - sogar dazu führen, dass sich der private Schlüssel trivial berechnen lässt.

OpenSSL enthielt eine ganze Reihe von Funktionen und Workarounds, die sichere Zufallszahlen garantieren sollten. Dabei wird teilweise auf äußerst obskure Lösungen zurückgegriffen, so unterstützt OpenSSL beispielsweise die Einbindung eines Tools namens Entropy Gathering Daemon - ein Perl-Skript, das unter Systemen ohne zuverlässige Zufallszahlen mögliche Entropiequellen aus dem System anzapft.

Die Entwickler von LibreSSL halten die meisten dieser Ansätze für verfehlt und vertreten die Haltung, dass es Aufgabe des Betriebssystems sei, einen sicheren Zufallszahlengenerator bereitzustellen. Doch genau hier liegt das Problem: Während unter OpenBSD eine Kernel-Funktion zum Zugriff auf den Zufallszahlengenerator existiert, kommt Linux ohne eine solche aus. Hier existiert lediglich die virtuelle Datei /dev/urandom, auf die man mittels Dateioperationen zugreifen kann. Die Frage, ob der direkte Zugriff auf /dev/urandom eine mögliche Alternative darstellt, wird bereits mit zahlreichen Pro- und Contra-Argumenten auf Hacker News diskutiert. Ein Problem könnte sein, dass in bestimmten Umgebungen das dev-Dateisystem nicht zur Verfügung steht oder dass ein Dateisystemzugriff aufgrund einer Systemüberlastung fehlschlägt.

OpenBSD-Entwickler Miod Vallat kommentiert sarkastisch auf Twitter, Leute, die sich über LibreSSLs Zufallszahlengenerator beschwerten, sollten lieber ihr Betriebssystem reparieren und eine vernünftige Zufallszahlenfunktion einbauen. Trotz des rauen Tons zwischen Linux- und OpenBSD-Entwicklern schreibt Linux-Entwickler Theodore Ts'o in einer Diskussion auf einer Mailingliste der Internet Engineering Task Force (IETF), dass er sich die Implementierung eines Syscalls für den Zufallszahlengenerator durchaus vorstellen könnte. Er sei allerdings nicht sicher, ob es dafür unter den Kernel-Entwicklern einen Konsens gebe.

Die Version 2.0.2 von LibreSSL hat nun zunächst einen Workaround für das Problem eingebaut. Mittels eines Callbacks, der beim Aufruf der fork()-Funktion aufgerufen wird, wird der Zufallszahlengenerator neu initialisiert. Andrew Ayer, der das Problem ursprünglich entdeckt hat, sieht darin zwar eine Verbesserung, ganz glücklich ist er mit der Lösung jedoch nicht. Denn ein Programm, das den Fork nicht über die entsprechende libc-Funktion auslöst, sondern stattdessen direkt den Kernel-Systemaufruf clone nutzt, wäre weiterhin von dem Problem betroffen. Trotz dieser verbleibenden Probleme ist natürlich allen LibreSSL-Nutzern unter Linux zu empfehlen, ein Update auf Version 2.0.2 durchzuführen.


eye home zur Startseite
Sarowie 17. Jul 2014

Welche Ironie, dass Mac OS X und iOS sich die unixoide Basis teilen.

pythoneer 17. Jul 2014

Dann ist es leider Unwissen, wenn es ernst ist. Das musst du mir mal erklären, warum...

__destruct() 17. Jul 2014

Hab gedacht, es sei genauso. Den Artikel damals hab ich gelesen, bei diesem hier hab ich...

Rabbit 17. Jul 2014

Nur um es nochmal klarstellen: der RNG wird NICHT mit der PID geseedet. LibreSSL...

Rabbit 17. Jul 2014

Fast jeder Chipsatz hat mitterlweile ein TPM, welches u.a. auch RNG liefert in Hardware...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. über HRM CONSULTING GmbH, Konstanz (Home-Office)
  2. DRÄXLMAIER Group, Vilsbiburg bei Landshut
  3. STAHLGRUBER GmbH, Poing, Raum München
  4. WKM GmbH, München


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 1,49€
  2. 59,99€/69,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. ab 59,98€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       


  1. ZTE

    Chinas großes 5G-Testprojekt läuft weiter

  2. Ubisoft

    Far Cry 5 bietet Kampf gegen Sekte in und über Montana

  3. Rockstar Games

    Waffenschiebereien in GTA 5

  4. Browser-Games

    Unreal Engine 4.16 unterstützt Wasm und WebGL 2.0

  5. Hasskommentare

    Bundesrat fordert zahlreiche Änderungen an Maas-Gesetz

  6. GVFS

    Windows-Team nutzt fast vollständig Git

  7. Netzneutralität

    Verbraucherschützer wollen Verbot von Stream On der Telekom

  8. Wahlprogramm

    SPD fordert Anzeigepflicht für "relevante Inhalte" im Netz

  9. Funkfrequenzen

    Bundesnetzagentur und Alibaba wollen Produkte sperren

  10. Elektromobilität

    Qualcomm lädt E-Autos während der Fahrt auf



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Tado im Langzeittest: Am Ende der Heizperiode
Tado im Langzeittest
Am Ende der Heizperiode
  1. Speedport Smart Telekom bringt Smart-Home-Funktionen auf den Speedport
  2. Tapdo Das Smart Home mit Fingerabdrücken steuern
  3. Mehr Möbel als Gadget Eine Holzfernbedienung für das Smart Home

Blackberry Keyone im Test: Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
Blackberry Keyone im Test
Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
  1. Blackberry Keyone kommt Mitte Mai
  2. Keyone Blackberrys neues Tastatur-Smartphone kommt später
  3. Blackberry Keyone im Hands on Android-Smartphone mit toller Hardware-Tastatur

The Surge im Test: Frust und Feiern in der Zukunft
The Surge im Test
Frust und Feiern in der Zukunft
  1. Computerspiele und Psyche Wie Computerspieler zu Süchtigen erklärt werden sollen
  2. Wirtschaftssimulation Pizza Connection 3 wird gebacken
  3. Mobile-Games-Auslese Untote Rundfahrt und mobiles Seemannsgarn

  1. Re: Noch ein Argument

    plutoniumsulfat | 19:04

  2. Diese ganzen Online DLCs nerven langsam!

    christi1992 | 18:58

  3. Re: Volumenbegrenzungen abschaffen

    amagol | 18:57

  4. Re: Riesenerfolg von GTA 5 Online

    TC | 18:56

  5. Dann soll man doch bitte o2 free abschaffen

    TodesBrote | 18:56


  1. 17:40

  2. 16:40

  3. 16:29

  4. 16:27

  5. 15:15

  6. 13:35

  7. 13:17

  8. 13:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel