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Ford E-Transit Custom: Ein Werkstattwagen mit rollendem Büro

Ford präsentiert mit dem Custom die zweite elektrische Version seines Transits. Der Transporter soll auf die Wünsche von Handwerkern eingehen.
/ Dirk Kunde
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Das Lenkrad als Laptop-Halter: Der Ford E-Transit Costum ist auf die Wünsche von Handwerkern zugeschnitten. (Bild: Dirk Kunde)
Das Lenkrad als Laptop-Halter: Der Ford E-Transit Costum ist auf die Wünsche von Handwerkern zugeschnitten. Bild: Dirk Kunde

Für viele Handwerker und Auslieferungsfahrer ist der Transporter gleichzeitig rollendes Büro. Auf diese Anforderung hat Ford bei seiner zweiten elektrischen Version des Transits reagiert. Der Ford Transit Custom zielt auf Einzelunternehmer und kleine Betriebe, die ein Lieferfahrzeug mit einer Zuladung von bis zu 1,1 Tonnen suchen.

"Wir haben in der Entwicklung mit Tausenden Kunden gesprochen" , sagt Usha Raghavachari, Direktorin von D-Ford. Das Tochterunternehmen ist ein Designstudio mit Sitz im Londoner Olympiapark. Die Mitarbeiter haben Transit-Nutzer eingeladen und auch auf ihren täglichen Fahrten begleitet. Der Umstieg auf elektrische Lieferfahrzeuge ist für diese Unternehmen wichtig, da sie in absehbarer Zeit von europaweiten Einfahrtsbeschränkungen in Innenstadtbereichen betroffen sind.

Doch die Skepsis ist groß, was vor allem an den höheren Anschaffungskosten liegt. "Mit unserem Angebot nehmen wir die Bedenken und bieten einen einfachen Einstieg in die Elektromobilität" , sagte Ted Cannis, CEO von Ford Pro, bei der Vorstellung in London. Die Organisation Ford Pro (Produktivität) konzentriert sich seit 2021 auf Angebote für gewerbliche Kunden. Der seit 1965 angebotene Transit ist heute in der Custom-Variante Europas meistverkauftes leichtes Transportfahrzeug. In Großbritannien ist es das meistgekaufte Automobil überhaupt.

Laptop aufs Lenkrad stellen

Viele Kunden verbringen ihre Mittagspause im Transit oder erledigen hier Verwaltungsaufgaben. Darum bietet Ford ein Mobile-Office-Paket. Dabei lässt sich das Lenkrad so klappen, dass mit einem Aufsatz eine horizontale Arbeitsfläche entsteht, auf der zum Beispiel ein Laptop Platz findet. Die LED-Kabinenbeleuchtung ist dimmbar, je nach Bedarf. Drei USB-Anschlüsse im Dach und Armaturenbrett versorgen mobile Geräte.

Der Airbag für Passagiere wurde ins Dach verlegt, so dass in der Frontablage Platz für einen DIN-A4-Ordner oder den Laptop ist. Eine Wärmepumpe unterstützt die Kabinenklimatisierung, um die Reichweite zu schonen. Die Heizleistung wird auf den Fahrerplatz ausgerichtet, falls nur eine Person im Transporter sitzt. Die Vorderräder liegen beim E-Transit Custom weiter vorn. Der kleinere Überhang erleichtert das Rangieren und schafft mehr Beinfreiheit für die drei Personen in der ersten Sitzreihe. Falls notwendig, kann der Fahrer durchrutschen, um auf der anderen Seite auszusteigen.

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Über eine Stunde Arbeitszeit sparen

Die Kundenbefragungen der D-Ford-Designer führten zum zweiten optionalen Paket, dem Delivery Assist. Sobald der Parkmodus aktiv ist, schalten sich die Warnblinker ein. Die Fenster schließen automatisch und verriegeln die Türen, wenn sich der Fahrer vom Fahrzeug entfernt. Kehrt er mit vollen Händen zurück, kann er die seitliche Schiebetür per Fußkick öffnen. Fährt der Fahrer los, erlischt der Warnblinker und die Fenster öffnen sich bis zur vorher eingestellten Position automatisch.

"Wir sparen damit bei jedem Halt rund 20 Sekunden" , sagt Raghavachari. Bei den üblichen 200 Stopps pro Tag bringt das eine Ersparnis von 66 Minuten. Standardmäßig gibt es den One-Pedal-Drive, so dass man im Stop-and-Go-Verkehr nur mit einem Fuß arbeitet. Das System aktiviert automatisch die Bremsbeläge, um regelmäßig Schmutz und Flugrost von den Bremsscheiben zu entfernen.

Flottenmanager können weitere Schlüsselkarten aktivieren. Ladehelfer öffnen damit das Fahrzeug, ohne den Schlüssel beim Fahrer abholen zu müssen.

Laderaumlänge vergrößert

Während der klassische Transit 2,53 Meter hoch ist, liegt die kleinste Custom-Version bei unter zwei Metern Dachhöhe. Das erleichtert die Einfahrt in Parkhäuser und Tiefgaragen. Viele Handwerker nutzen einen Dachträger für ihre Materialien. Doch verschlechtert dies die Aerodynamik und damit die Reichweite. Ford hat den Luftwiderstands-Beiwert gegenüber der aktuellen Transit-Custom-Generation um zehn Prozent verbessert.

Der Unterboden ist glatt und die Außenspiegel bieten weniger Luftwiderstand. "Uns hat ein Klemper gesagt, dass er seine Kupferrohre gern im Laderaum transportieren würde, doch sie seien zu lang" , berichtet Raghavachari. Sein Wunsch führte dazu, dass die Ingenieure die 12-Volt-Batterie unter dem Vordersitz entnommen und nun unter der Fronthaube platziert haben. Mit einer Durchreiche entstehen so 3,45 Meter Laderaumlänge.

Den Custom gibt es mit zwei Radständen und zwei Dachhöhen, wobei Ford noch nicht die genauen Maße nennt. Das Ladevolumen beträgt je nach Ausführung 5, 8 oder 9 Kubikmeter bei einer Nutzlast von jeweils 1.100 Kilogramm. Eine Anhängerkupplung für bis zu zwei Tonnen Zuglast wird angeboten. Der Heckantrieb arbeitet mit 100 oder 160 kW Leistung und bis zu 415 Newtonmeter Drehmoment. Die hinteren Räder sind einzeln aufgehängt, was bei Temposchwellen den Fahrkomfort erhöht, aber vor allem die Ladung vor dem Umkippen schützt.

Kunden plagt Reichweitenangst

Reichweitenangst ist bei den befragten Kunden ein großes Thema. D-Ford fand heraus, dass die übliche Tagesdistanz mit einem Transporter bei durchschnittlich 90 km liegt. Bei Lieferdiensten fällt sie höher aus, Handwerker sind oft für längere Zeitabschnitte bei Kunden oder auf Baustellen. Hier bietet der E-Transit Custom zwei Steckdosen im Laderaum für Werkzeuge oder zusätzliche Beleuchtung.

Das Pro-Power-Onboard-System stellt bis zu 2,3 kW Leistung für externe Geräte bereit. Die Energie kommt aus dem Akku im Fahrzeugboden, der mit seiner Kapazität von 74 kWh eine Reichweite von bis zu 380 km (WLTP) bietet. An der heimischen Wallbox oder auf dem Betriebshof lädt der Transporter mit 11 kW. Ford liefert und installiert auf Wunsch eine Wallbox. Mit dem Blue-Oval-Charging-Angebot findet man via App europaweit 300.000 öffentliche Ladepunkte.

Am Schnelllader steigt die Ladeleistung mit Gleichstrom auf bis zu 125 kW. In 41 Minuten wird von 15 auf 80 Prozent Akkukapazität geladen. "Es gibt ein Starter-Ladeprofil, bei dem in fünf Minuten 38 Kilometer Reichweite geladen sind, falls es mal eilig ist" , sagt Hans Schep, Geschäftsführer von Ford Pro Europa. Für das Lademanagement bietet Ford eine Software, die den Haltern zeigt, wann Strom besonders günstig ist, um die Betriebskosten zu senken.

Ausfallzeiten um bis zu 60 Prozent senken

Als weitere große Sorge nennen Kunden Ausfallzeiten. Werkstatttage oder auch ein platter Reifen werfen jede Einsatzplanung über den Haufen. Rund 150 Signale vom Reifendruck bis zum Ladezustand sendet die 5G-Mobilfunkverbindung an einen Ford-Server. Die Halter sehen in einer App eine Auswertung. Flottenmanager nutzen den Service Ford Liive(öffnet im neuen Fenster) . Hier werden die Echtzeitdaten aller Fahrzeuge einer Flotte angezeigt.

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Laut Herstellerangaben sorgte das System in diesem Jahr bereits für eine zusätzliche Verfügbarkeit von 145.000 Tagen, was die Ausfallzeiten um bis zu 60 Prozent reduziert. Bereits ab dem kommenden Jahr will Ford die Schwelle von einer Million angebundenen Fahrzeuge an das Liive-System überschreiten. Da sich eine Reifenpanne nicht vorhersehen lässt, baut Ford seinen mobilen Werkstattservice aus. In Deutschland und Großbritannien sind bereits 110 Werkstattwagen im Einsatz. Sie erledigen rund 70 Prozent aller Wartungs- und Reparaturarbeiten an Ort und Stelle.

Produktion startet erst im Herbst 2023

Einen Preis nennt Ford für den E-Transit Custom noch nicht. Die Produktion startet erst im Herbst 2023 im türkischen Werk in Kocaeli. Mit dem Start des größeren E-Transit ist CEO Ted Cannis sehr zufrieden. Seit Mitte 2022 wurden in Europa 8.300 Stück verkauft. Ford Pro will bis 2024 insgesamt vier Nutzfahrzeugmodelle mit E-Antrieb vorstellen.

Die elektrische Custom-Variante verkauft der US-Hersteller nur in Europa. Angeboten werden auch Passagierversionen mit zwei oder drei Sitzreihen. Eine besondere Option ist die doppelt L-förmige Trennwand. Sie ermöglicht eine zweite Sitzreihe mit zwei Plätzen sowie einen Bereich mit voller Ladetiefe. So müssen Fahrrad oder Surfbrett nicht außen transportiert werden.


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