Folgeschäden nicht eingerechnet: Jeder Hitzetag kostet IT-Branche 17 Millionen Euro
Das Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos hat im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales die klimabedingten Risiken für die Arbeitswelt untersucht. Golem berichtete über die Ergebnisse am 16. Juli 2026 und hat nun die komplette Studie(öffnet im neuen Fenster) vorliegen. Das ermöglicht uns, einen gezielten Blick auf die Auswirkungen auf die Informations- und Kommunikationsbranche zu werfen.
Die Studie ermittelte einen wirtschaftlichen Gesamtschaden von 431 Millionen Euro pro Tag, an dem die Temperaturen über 30 Grad Celsius liegen. An Tagen mit mehr als 35 Grad Celsius liegt die Summe sogar bei 948 Millionen Euro, wobei fast die komplette Summe (97 Prozent) durch hitzebedingte Produktivitätsverluste beim Personal verursacht wird.
In der Informations- und Kommunikationsbranche wurden zwar geringere Verluste pro Kopf verzeichnet als im Baugewerbe oder der Landwirtschaft. Sie wirken sich aufgrund der höheren Beschäftigungszahlen aber dennoch erheblich aus. Pro Hitzetag (Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius) verliert die Branche 17 Millionen Euro durch die verminderte Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.
Hitzebedingte Krankheiten erhöhen die Belastung für andere Branchen
Im Jahr 2025 gab es im deutschen Flächenmittel 11,1 Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius(öffnet im neuen Fenster). Ein Wert, der in einigen Regionen Deutschlands durch die Hitzewelle vom Juni 2026 in diesem Jahr bereits übertroffen wurde und in Zukunft noch weiter steigen wird.
Durch hitzebedingte Krankheiten und Unfälle entstehen weitere Kosten, die sich möglicherweise nicht unmittelbar in Verlusten für das Unternehmen niederschlagen, aber die Belastung für andere Branchen, wie den Gesundheitssektor, erhöhen.
Auf einen einzelnen Beschäftigten heruntergerechnet, ergeben sich Lohnkosten von 12,20 Euro pro Vollzeitäquivalent. Das Vollzeitäquivalent setzt die geleisteten Arbeitsstunden von Teilzeitkräften ins Verhältnis zu einer definierten Vollzeitstelle, um die tatsächliche Personalkapazität vergleichbar zu machen.
Zusätzlicher Schaden in nachgelagerten Wirtschaftszweigen
Hitze ist in der IT-Branche ein stiller Produktivitätsfaktor. Der Körper reagiert auf den Hitzestress mit einer Drosselung seiner Leistung, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Das wirkt sich auch auf die kognitive Belastbarkeit aus: Mit steigenden Temperaturen lässt die Konzentration nach und es steigt die Fehleranfälligkeit. Indirekte psychische Belastungen, etwa ständiges Denken an die hohen Temperaturen, führen zu einer zusätzlichen Minderung der Konzentrationsfähigkeit.
Prognos betrachtet auch die volkswirtschaftlichen Multiplikatoren, also die Auswirkungen der Schäden einer Branche auf die anderen Wirtschaftssektoren. Für die Informations- und Kommunikationsbranche wurde dabei ein Mittelwert-Multiplikator von 0,73 ermittelt, was bedeutet, dass für jeden Euro direkten Schaden ein zusätzlicher Schaden in Höhe von 73 Cent in anderen nachgelagerten Wirtschaftszweigen entsteht. Dies kann durch Lieferverzögerungen oder Ausfälle bei digitalen Dienstleistungen verursacht werden.
Es zeigt sich, dass die IT-Branche an Hitzetagen weniger durch schwere Arbeitsunfälle gefährdet ist als Branchen, in denen viel körperlich gearbeitet wird. Durch die große Menge an Beschäftigten und die Herausforderungen für die kognitive Arbeit bei großer Hitze trägt sie aber dennoch einen bedeutenden Teil der klimabedingten ökonomischen Gesamtkosten.
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