Focused Energy: 200 Millionen für Laserfusion eingesammelt
Focused Energy(öffnet im neuen Fenster) hat nach eigenen Angaben eine Serie-A-Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und knapp über 200 Millionen Euro eingesammelt. Das sei die höchste Summe, die bei dieser Art von Finanzierung jeweils für Kernfusion zusammengekommen ist, bei der der Beweis für die Funktionsfähigkeit der zugrundeliegenden Idee schon erbracht ist.
Hierbei kommt dem Darmstädter Start-up zugute, dass es den wissenschaftlichen Beweis für die Tragfähigkeit der Idee bereits gibt. Die technische Umsetzung, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bewältigt werden muss, ist noch einmal eine ganz andere Hürde.
Das wichtige Kapital, das nun in den Ausbau am Standort Biblis auf dem Gelände des derzeitig im Rückbau befindlichen Atomkraftwerks fließen soll, stammt von Anteilseigner RWE, der Bundesagentur für Sprunginnovationen, der EU, dem Land Hessen und weiteren Investoren, unter anderem aus den USA.
Ein neuer Industriezweig
Ziel ist es, am Standort in Biblis ein erstes Fusionskraftwerk zu bauen, mit dem tatsächlich ein Energieüberschuss durch Kernfusion erzeugt werden kann. Auf dem Weg dahin soll ein komplettes Ökosystem aus Optikunternehmen, Firmen für Speziallegierungen und mehr entstehen, wovon wiederum Deutschland als Industriestandort profitieren soll.
Gegenüber Golem hat der wissenschaftliche Leiter Markus Roth den Weg dahin beschrieben. Demnach hat die Laserfusion oder Trägheitsfusion entscheidende Vorteile gegenüber der Fusion mit magnetischem Einschluss, die unter anderem mit Iter in Südfrankreich weiter erforscht werden soll.
Risiken und Unbekannte
Ausreichend intensives Laserlicht kann spezielle Targets, gefüllt mit Deuterium und dem künstlich herzustellenden Tritium, in kürzester Zeit mit so viel Energie versorgen, dass die Atome zu Helium verschmelzen. Gigantische, supraleitende Magnetspulen wie bei anderen Konzepten sind nicht notwendig, dafür jedoch leistungsstarke Laser, die weit jenseits des derzeit technisch Möglichen liegen.
Auch die Auswirkungen der Neutronenstrahlung sind noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass dabei radioaktive Isotope erzeugt werden, wenn auch in minimalem Umfang im Vergleich zur Kernspaltung. Zudem müssen die Bereitstellung der Targets und die Erzeugung von Tritium, einem radioaktiven Wasserstoffisotop, weiter erforscht werden.
Sicher ist deshalb auch, dass noch zahlreiche Finanzierungsrunde nötig sein werden. Nach dem ambitionierten Plan von Focused Energy könnte um 2040 herum zum ersten Mal Strom mit Laserfusion erzeugt werden, also mehr als für die Reaktion selbst nötig ist.
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