Flytrap: Forscher machen Regenschirm zur Drohnenfalle
Forscher der University of California in Irvine haben eine Angriffsmethode namens Flytrap entwickelt(öffnet im neuen Fenster) , mit der sich autonome Kameradrohnen dazu bringen lassen, auf eine verfolgte Person zuzufliegen(öffnet im neuen Fenster) – manchmal bis zur Kollision. Das ermöglicht auch die Abwehr der Drohnen auf kurze Distanz, etwa mit einem Netzwerfer.
Die zugehörige Studie wurde im Februar 2026 beim Network and Distributed System Security Symposium angenommen und mit Modellen wie der DJI Mini 4 Pro, der DJI Neo und der Hover Air X1 getestet.
Das Prinzip hängt damit zusammen, wie Tracking-Drohnen Abstände schätzen. Die meisten Systeme nutzen die Größe einer sogenannten Bounding Box – also des Rechtecks, das die Software um eine Person zeichnet – als Näherungswert für die Entfernung. Schrumpft dieser Rahmen, interpretiert die Drohne das als Bewegung des Ziels und fliegt hinterher. Flytrap nutzt genau diesen Mechanismus: Ein speziell entwickeltes Muster auf einem Regenschirm täuscht dem Modell einen kleineren Rahmen vor als tatsächlich vorhanden und zieht die Drohne dadurch heran.
Wie der Angriff funktioniert
Das Muster wurde so berechnet, dass es funktioniert, egal wie nah die Drohne schon herangekommen ist: Die Forscher simulierten dafür, was die Kamera aus immer kürzerer Distanz sehen würde. Das fertige Muster wird direkt auf einen Regenschirm gedruckt.
Trefferquoten und Abstürze
Unter kontrollierten Laborbedingungen mit vollständigem Zugang zum Tracking-Modell der Drohne erzielte Flytrap eine Erfolgsquote von 100 Prozent beim Heranziehen auf unter neun Meter: eine Distanz, aus der laut den Forschern ein Netzwerfer die Drohne erfassen könnte. Auf unter einen halben Meter herangezogen gilt die Drohne als abgestürzt.
Bei Tests mit echten Geräten fielen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Die DJI Mini 4 Pro wurde in 60 Prozent der Testflüge nah genug herangezogen. Die leichteren Modelle DJI Neo und Hover Air X1 kollidierten in 60 beziehungsweise 80 Prozent der Fälle direkt mit dem Schirm. Die Forscher vermuten, dass diese Geräte schlicht nicht prüfen, ob ihr Tracking noch plausibel ist.
Hersteller wurden informiert
Die Forscher haben DJI und Hover Air vor Veröffentlichung informiert. Sie räumen ein, dass der Angriff gegen völlig unbekannte Systeme noch weniger zuverlässig funktioniert, und sehen darin weiteren Forschungsbedarf.
Was Flytrap so besonders macht
Was auf den ersten Blick wie ein akademisches Experiment wirkt, folgt einer Logik, die Militärstrategen seit Jahrzehnten kennen.
Der US-Kampfpilot und Stratege John Boyd entwickelte in den 1960er und 1970er Jahren das Konzept des OODA-Loops(öffnet im neuen Fenster) : ein Modell, das beschreibt, wie jeder Entscheidungsträger auf eine Situation reagiert. Observe, Orient, Decide, Act: wahrnehmen, einordnen, entscheiden, handeln. Boyds Kernthese war, dass man einen Gegner nicht physisch überwältigen muss. Es reicht, in seinen Entscheidungszyklus einzugreifen, ihn also mit falschen Informationen zu füttern, damit er sich selbst in eine schlechte Position manövriert.
Den wichtigsten Schritt sah Boyd im Orient, also der Interpretation dessen, was wahrgenommen wird. Wer dort falsche Grundannahmen hat, trifft zwangsläufig falsche Entscheidungen, egal wie schnell und reibungslos der Rest des Zyklus läuft. Flytrap setzt genau dort an: Die Drohne sieht korrekt, was vor ihr ist. Aber sie ordnet es falsch ein. Ein kleineres Rechteck bedeutet für sie: weiter weg. Von diesem Moment an läuft ihre gesamte Logik einwandfrei, nur in die falsche Richtung.
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