Flugzeuge: CO2-neutral zu fliegen, reicht nicht

Wie kann Fliegen umweltverträglicher werden? Der DLR-Vorstand für Luftfahrtforschung, Rolf Henke, gibt Antworten auf die drängende Frage.

Ein Interview von Daniela Becker veröffentlicht am
Rolf Henke, DLR-Luftfahrtvorstand: "Das Lufttransportsystem muss in Richtung Zero Emission gehen."
Rolf Henke, DLR-Luftfahrtvorstand: "Das Lufttransportsystem muss in Richtung Zero Emission gehen." (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Golem.de: Herr Henke, wir möchten mit Ihnen über die Umgestaltung des Flugsektors und die Zukunft des CO2-neutralen Fliegens reden.

Inhalt:
  1. Flugzeuge: CO2-neutral zu fliegen, reicht nicht
  2. An vier Punkten muss gearbeitet werden

Rolf Henke: Wenn ich Sie da gleich mal unterbrechen darf. Ich störe mich daran, dass die Diskussion sich auf die Formulierung CO2-neutral reduziert. Damit wird das Thema nicht vollständig erfasst. Um CO2 zu vermeiden, benötigen wir "nur" ölhaltige Pflanzen, aus denen man kohlenwasserstoffhaltigen Kraftstoff herstellen kann. Wir können auch Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe nutzen. Damit kann es gelingen, CO2-neutral zu fliegen. Damit ist aber nicht genug gewonnen, weil es auch noch die so genannten Nicht-CO2-Effekte durch Stickoxide, Ruß und viele weitere gibt. Insofern sind die neuen Kraftstoffe eine Brückentechnologie für die nächsten zehn Jahre. Dann sind andere Lösungen gefordert.

Golem.de: Das Problem ist also noch wesentlich komplexer?

Henke: Wir nutzen beim DLR deswegen den Begriff Zero Emission, wohl wissend, dass die Null schwer werden wird. Zero Emission steht sozusagen für eine ganze Philosophie, nicht nur dafür, dass wir einmal irgendwo emissionsfrei geflogen sind. Es bringt auch nichts, wenn der Betrieb zwar CO2-frei ist, aber die Herstellung von Kraftstoffen oder Flugzeugmaterialien enorm viele Ressourcen verbraucht oder sich Flugzeuge nicht gut recyceln lassen.

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Golem.de: Sie plädieren also für eine ganzheitliche Betrachtung?

Henke: Genau. Eine Lebenszyklusanalyse ist dabei enorm wichtig - übrigens bei allen Verkehrsformen. Und dann ist es entscheidend, die Wirkung der Schadstoffe zu kennen. Das sind alles Themen, wo wir überall noch einen gigantischen Forschungsbedarf haben.

Golem.de: Wo zum Beispiel?

Henke: Zum Beispiel beim Wasserstoff. Da wird ja sehr viel über mögliche Anwendungen diskutiert, bis hin zur Brennstoffzelle. Wasserstoff in Bodennähe zu verbrennen, ist unproblematisch. Bildlich gesprochen tropft da Wasser aus dem Auspuff, das verdampft, fertig. Wasserdampf in großen Höhen hingegen ist das schädlichste Klimagas überhaupt. Wie das da oben wirkt, wissen wir nicht genau. Natürlich gibt es Modelle. Aber wir müssten dringend mal eine Turbine mit Wasserstoffdirektverbrennung in die Luft bringen und systematisch testen, wie sich das in der Atmosphäre auswirkt.

Golem.de: Wollen Sie sagen, dass aus Ihrer Sicht bislang nicht genug an klima- und umweltfreundlichen Technologien geforscht worden ist?

Henke: Wir forschen jede Menge. Aber wir haben in den letzten 30 Jahren ein stürmisches Wachstum erlebt. Und nun werden andere Fragen drängend. Wir befinden uns gerade in einer Ära der Transformation. Das Lufttransportsystem muss sich ändern, muss in Richtung Zero Emission gehen. Natürlich hat Forschung das Wachstum durch neue, gute, umweltfreundliche Technologien befördert. Denn Forschung ist ja nicht losgelöst von dem, was um uns herum stattfindet und was die Industrie oder die Gesellschaft und die Politik von uns möchten. Wenn sich dieses System jetzt transformieren soll - und das halte ich für wichtig und richtig -, dann müssen wir diese Transformation gestalten und das wird natürlich auch Geld kosten.

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An vier Punkten muss gearbeitet werden 
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