Flugwindenergie: Der Hamburger Windkraftpionier Skysails Power ist insolvent

Der Hamburger Flugwindenergie-Pionier Skysails Power(öffnet im neuen Fenster) ist insolvent. Das Unternehmen, das durch automatisierte Zugdrachen zur Stromerzeugung international bekannt geworden ist, hat beim Amtsgericht Hamburg einen entsprechenden Antrag gestellt. Laut eines taz-Artikels(öffnet im neuen Fenster) hat das Gericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet und einen Insolvenzverwalter bestellt. Damit steht eines der meist profilierten Projekte für regenerative Höhenwindenergie vor einer ungewissen Zukunft.
Skysails nutzt eine Technologie, die den Wind in Höhen von bis zu 800 Metern erschließt – Bereiche, die für konventionelle Windkraftanlagen mit starren Türmen unerreichbar bleiben. In den Luftschichten wehen die Winde stetiger und kräftiger als in Bodennähe. Das System basiert auf automatisierten Kites, die an einem hochfesten Seil befestigt sind.
Während der Leistungsphase fliegt der Drachen in Figuren, die einer liegenden Acht ähneln, und zieht das Seil von einer Winde ab. Die Winde treibt am Boden einen Generator an, der die mechanische Energie in elektrischen Strom umwandelt.
Energieerzeugung durch automatisierte Flugmanöver
Sobald das Seil eine maximale Ausdehnung erreicht, leitet die Steuerung die Rückholphase ein. Der Drachen wird so profiliert, dass er dem Wind kaum noch Widerstand bietet, während der Generator kurzzeitig als Motor fungiert und das Seil wieder aufwickelt.
Laut Skysails verbraucht der Prozess nur einen Bruchteil der zuvor erzeugten Energie. Diese zyklische Arbeitsweise ist das Markenzeichen der Technologie, die sowohl stationär zur Inselversorgung als auch mobil eingesetzt werden kann.
Ursprünglich erlangte das Unternehmen Aufmerksamkeit durch den Einsatz von Zugdrachen als Zusatzantrieb in der Schifffahrt . Ein bekanntes Beispiel war der Frachter MS Beluga, der zur Treibstoffersparnis mit einem Skysails-Kite ausgestattet wurde.
In den vergangenen Jahren lag der Fokus jedoch verstärkt auf der stationären Energieversorgung. Noch im September 2025 zeigte sich das Management optimistisch und vermeldete den Ausbau einer strategischen Partnerschaft mit Aisails Power Inc., einer Tochter des taiwanesischen Elektronikkonzerns Wistron.
Gescheiterte Investorengespräche und hohe Schuldenlast
Doch die hohen Entwicklungskosten und die Schuldenlast überwogen letztlich. Der Insolvenzantrag ist laut Berichten das Resultat von zu lange andauernden Verhandlungen mit einem potenziellen Investor, die nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten. Trotz der aktuellen Krise hofft die Geschäftsführung auf einen Neuanfang im Rahmen des Verfahrens, um den Höhenwind langfristig als Energiequelle zu etablieren.
Für die Branche ist die Pleite des selbsternannten Weltmarktführers dennoch ein Rückschlag, da Skysails als Vorreiter für die wirtschaftliche Machbarkeit der Flugwindenergie galt.