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Flugverspätungen und Glücksspiele: Landgericht Frankfurt vermutet KI hinter Massenklagen

Nutzen Kanzleien bereits KI -basierte Systeme, um massenhaft Klagen einzureichen? Ein Gerichtspräsident vermutet das zumindest.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Die Gerichte in Frankfurt am Main werden mit Massenverfahren beschäftigt. (Bild: Eva K.)
Die Gerichte in Frankfurt am Main werden mit Massenverfahren beschäftigt. Bild: Eva K. / GNU Free Documentation License

Das Landgericht Frankfurt am Main vermutet, dass Anwaltskanzleien künstliche Intelligenz (KI) nutzen, um massenweise Kläger für Bagatellverfahren zu gewinnen. Die Gerichte seien in zunehmendem Maße mit "Massenverfahren" konfrontiert, sagte Landgerichtspräsident Wilhelm Wolf nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Die Fälle seien sehr ähnlich und beträfen viele Verbraucher, es gehe zum Beispiel um Flugverspätungen, Glücksspielgewinne oder Bankgebühren.

"Wir haben den Verdacht, dass hier systematisch versucht wird, mit geringem Aufwand viel Umsatz zu erzielen" , sagte Wolf. Er glaubt, dass Kanzleien gezielt mit technischen Verfahren nach ähnlich gelagerten Fällen suchen und Betroffenen anbieten, sie zu vertreten. Für den Einzelnen gehe es um keine große Summe, aber für die Kanzlei rechne es sich in der Masse. "Wir gehen davon aus, dass das ein Geschäftsmodell ist" , sagte Wolf.

Die meisten Fälle dieser Art schlügen bei den Amtsgerichten auf, aber auch das Landgericht sieht Wolf zufolge eine wachsende Zahl solcher "Legal-Tech-Verfahren" . Er hofft, in Zukunft auch EDV-gestützt solche Verfahren herausfiltern und gemeinsam bearbeiten zu können. Die elektronische Akte sei dafür ein erster Schritt.

ChatGPT erfindet Gerichtsakten

Inwieweit Kanzleien tatsächlich KI-Systeme wie ChatGPT oder andere EDV-basierte Verfahren anwenden, um die Massenverfahren zu unterstützen, geht aus den Ausführungen des Gerichtspräsidenten nicht hervor. Allerdings sind im vergangenen Jahr schon Fälle bekanntgeworden, in denen Anwälte ihre Klageschriften von Chatbots verfassen ließen.

Dabei flog ein Anwalt in den USA jedoch auf , weil ChatGPT Gerichtsakten von Fällen halluzinierte, die nie existiert hatten. Zuletzt soll ein weiterer Anwalt Unterlagen eingereicht haben(öffnet im neuen Fenster) , die nicht existente Fälle enthielten. In dem Verfahren vertrat er einen früheren Berater von Ex-Präsident Donald Trump, Michael Cohen.


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