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Flugabwehr im Irankrieg: Abnutzungskrieg um Raketenbestände

Der Iran-Krieg könnte eine unerwartete Wendung nehmen, angesichts der vielen verschossenen Flugabwehrraketen Israels und der USA .
/ Michael Linden
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Raketenbeschuss auf Tel Aviv am 4. März 2026 (Bild: Erik Marmor/Getty Images)
Raketenbeschuss auf Tel Aviv am 4. März 2026 Bild: Erik Marmor/Getty Images

Seit Samstag haben der Iran und seine Verbündeten mehr als 1.000 Angriffe in fast einem Dutzend Länder mit Raketen und Drohnen durchgeführt, teils über eine Distanz von rund 2.000 Kilometern. Ziele waren Israel, die Golfstaaten und US-Militärbasen. Da Teheran der israelischen und amerikanischen Luftüberlegenheit kaum etwas entgegenzusetzen hat, setzt es massiv auf Drohnen und ballistische Raketen. Das setzt auch die Verteidiger am Boden unter Druck, wie der Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Analysten sprechen von einem Salven-Wettbewerb, in diesem Fall einem Austausch von Präzisionswaffen zwischen den Konfliktparteien. Wer zuerst das Pulver verschießt, könnte massive Schäden erleiden. "Die entscheidende Frage ist, wer die größeren Lager hat – und das große Unbekannte sind Irans Vorräte" , sagt Stacie Pettyjohn vom Center for a New American Security in Washington dem Guardian.

Israel und die USA haben bisher Hunderte Ziele im Iran angegriffen: Abschussrampen, Lagerstätten, Kommandoposten – ohne einem einzigen feindlichen Abfangjäger zum Opfer zu fallen. Iranische Angriffe auf Israel haben mindestens elf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Auf iranischer Seite übersteigen die Opferzahlen laut Rotem Halbmond bereits 787. Diese Zahlen sind vorläufig und können aufgrund der teilweise nicht überprüfbaren Werte höher oder niedriger ausfallen.

"Sie feuern einfach, was sie können, wann sie können"

In den vergangenen 36 Stunden scheinen die iranischen Angriffe auf Israel nachgelassen zu haben. Analysten sehen dafür zwei mögliche Erklärungen: Entweder rationiert Teheran bewusst seine noch verbliebenen Langstreckenraketen – oder die gezielten Tötungen führender iranischer Kommandeure haben die Koordination der Angriffe gestört. "Sie feuern einfach, was sie können, wann sie können" , sagt Pettyjohn.

Die Golfstaaten tragen unterdessen einen erheblichen Teil der Abwehrlast. Die Emirate meldeten, 161 von 174 ballistischen Raketen und 645 von 689 Drohnen abgefangen zu haben. Katar schoss nach eigenen Angaben 98 von 101 auf sein Territorium gerichteten Raketen ab. Beide Regierungen wiesen diese Woche Berichte über schwindende Abwehrmunitionsbestände zurück.

Drohnen billig, Abwehr teuer

Die Kostenrechnung setzt die Verteidigungsseite dennoch unter Druck. Kelly Grieco vom Stimson Center(öffnet im neuen Fenster) schätzt, dass das Abfangen einer einzelnen Drohne etwa fünfmal so teuer ist wie deren Herstellung. Die US-Abfangraketen sind nur begrenzt verfügbar und brauchen lange zur Nachproduktion – zumal die Ukraine und Taiwan ebenfalls Nachschub beanspruchen. "Die Iraner wissen das genau – deshalb wählen sie keine überwältigend großen Salven" , so Grieco.

Tal Inbar vom Missile Defence Advisory Alliance verweist darauf, dass in früheren israelischen Konflikten die verbleibenden Abfangkapazitäten maßgeblich die Kriegsdauer bestimmten. "Man kann nie genug Abfangraketen haben" , sagt er.

Sollten die Flugabwehrvorräte kritisch werden, könnte das laut Pettyjohn sowohl die USA als auch Israel unter Druck setzen, eine Verhandlungslösung zu suchen.


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