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Flottendienstboote: Deutsche Marine verstärkt Aufklärungskapazitäten mit KI

In der Peene-Werft in Wolgast ist der Kiel für das erste von drei neuen Flottendienstbooten der Klasse 424 gelegt worden. Sie sollen ab 2029 in See stechen.
/ Andreas Donath
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So werden die künftigen Flottendienstboote der Klasse 424 für die Deutsche Marine aussehen. (Bild: NVL Group)
So werden die künftigen Flottendienstboote der Klasse 424 für die Deutsche Marine aussehen. Bild: NVL Group

Die neuen Flottendienstboote der Deutschen Marine(öffnet im neuen Fenster) werden in einer Zeit erhöhter sicherheitspolitischer Anspannung gebaut. Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch Russland gewinnt die strategische Informationsgewinnung auf See zunehmend an Bedeutung für die Bundeswehr.

Bei der Kiellegung waren neben der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, auch hochrangige Militärs anwesend, darunter der stellvertretende Generalinspekteur, Generalleutnant Andreas Hoppe, sowie der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack.

Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIR), betonte in seiner Rede die Relevanz der neuen Einheiten: "Die Flottendienstboote der Klasse 424 werden uns befähigen, wenn nötig mit unseren Partnern im Nordatlantischen Verteidigungsbündnis weltweit signalerfassende und zusammen mit der Marine auch hydroakustische Aufklärung sicherzustellen."

Der Baustart für die neuen Schiffe erfolgte bereits am 21. November 2024 mit dem symbolischen ersten Stahlschnitt. Die Kiellegung markiert den Beginn der nächsten Bauphase.

Technologische Fortschritte ermöglichen bessere Aufklärung

Die neue Generation der Flottendienstboote wird mit deutlich fortschrittlicherer Technologie ausgestattet sein als ihre Vorgänger. Besonders in den Bereichen Aufklärung, Datenverarbeitung und Schiffssteuerung sind erhebliche Verbesserungen zu erwarten.

Die Schiffe erhalten hochmoderne elektronische, hydroakustische und elektro-optische Sensoren. Diese ermöglichen eine effizientere Überwachung des elektromagnetischen Spektrums über Land, Luft und See sowie eine verbesserte Informationsgewinnung.

Ein zentrales Element der neuen Boote ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Diese Technologien erlauben es, große Datenmengen nahezu in Echtzeit auszuwerten und militärisch relevante Informationen zielgerichtet zu extrahieren.

Prognosen zufolge werden bis 2030 etwa 90 Prozent aller neu gebauten Schiffe mit KI-Funktionen ausgestattet sein. Die Flottendienstboote der Klasse 424 folgen diesem Trend und nutzen die Vorteile der Technologie für ihre Aufklärungsarbeit.

Auch im Bereich der Schiffssteuerung kommen neue Technologien zum Einsatz. Automatisierung und autonome Systeme halten die Schiffe selbsttätig auf Kurs, ohne dass ständiges menschliches Eingreifen erforderlich ist. Dies entlastet die Besatzung von Routinetätigkeiten.

Die Besatzung der Flottendienstboote setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Stammbesatzung aus Marineangehörigen, die für Navigation und Schiffsbetrieb verantwortlich sind, sowie dem Aufklärungspersonal, also Spezialisten des CIR, die die Aufklärungsaufgaben durchführen.

Neben der verbesserten Aufklärungstechnik werden die neuen Boote auch mit effizienteren Antrieben ausgestattet. Diese verbessern nicht nur die Umweltbilanz, sondern erhöhen auch die Reichweite und Einsatzdauer der Schiffe.

Die derzeit im Dienst befindlichen Flottendienstboote Oker, Oste und Alster wurden Ende der 1980er Jahre in Dienst gestellt. Sie haben in ihrer Dienstzeit viele Tausend Seemeilen zurückgelegt – im Einsatz am Horn von Afrika, im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, im Atlantik, in der Karibik sowie in Nord- und Ostsee.

Die Flottendienstboote sind wesentliche Fähigkeitsträger der Dimension Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr. Durch ihre Fähigkeit zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung tragen sie wesentlich zur militärischen Nachrichtenlage auf See bei und unterstützen die Cyberverteidigung der Bundeswehr.


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