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Flamanville 3: Frankreich nimmt bisher größten Atomreaktor in Betrieb

Der Bau des Atomreaktors Flamanville 3 dauerte viel länger als geplant und wurde viel teurer.
/ Werner Pluta
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Atomreaktor Flamanville 3: 14 weitere Reaktoren geplant (Bild: Stephanie Lecocq/Reuters)
Atomreaktor Flamanville 3: 14 weitere Reaktoren geplant Bild: Stephanie Lecocq/Reuters

Der französische Energieversorger Électricité de France (EDF) hat einen neuen Atomreaktor in Betrieb genommen. Es ist das erste Mal seit 25 Jahren, dass in Frankreich wieder ein Atomkraftwerk ans Netz geht. Flamanville 3 ist der bislang größte Atomreaktor in Frankreich.

Der Reaktor in Flamanville in der Normandie ist ein Europäischer Druckwasserreaktor (EPR)(öffnet im neuen Fenster) und liefert in der vollen Ausbaustufe eine Leistung von 1,6 Gigawatt. Allerdings wird der Reaktor Flamanville 3 zunächst nur zu 20 Prozent ausgelastet. Der Volllastbetrieb soll im Sommer kommenden Jahres starten. EDF-Chef Luc Rémont bezeichnete(öffnet im neuen Fenster) die Inbetriebnahme als "historischen Moment für die ganze Nuklearbranche" .

Der Reaktor nimmt mit einer Verspätung von zwölf Jahren seinen Betrieb auf: Er sollte bereits 2012 fertig sein. Baubeginn war im Jahr 2007. Wegen technischer Probleme und Pannen wie Risse, mangelhafte Schweißnähte und minderwertiger Stahl verzögerte sich der Bau immer wieder. Diese sind auch noch nicht ganz behoben: 2026 muss der Reaktordeckel ausgetauscht werden, weil der Stahl Schwachstellen aufweist.

Der Bau war viermal so teuer wie geplant

Entsprechend stiegen auch die Kosten: Das Projekt war am Ende etwa viermal so teuer wie geplant. EDF nannte zuletzt 13,2 Milliarden Euro. Geplant waren 3,3 Milliarden Euro. Inklusive Finanzierungskosten sind es nach Berechnungen des französischen Rechnungshofs aus dem Jahr 2020 über 19 Milliarden Euro.

Flamanville ist der vierte EPR, der ans Netz geht. Die beiden ersten stehen in China: Taishan 1 ging 2018 ans Netz, Taishan 2 im Jahr darauf. Der dritte ist Olkiluoto in Finnland. Er nahm 2023 seinen Betrieb auf. Auch bei diesem zog sich die Bauzeit über 17 Jahre. Zwei weitere EPR sind in Großbritannien im Bau. Auch dieses Projekt dauert deutlich länger und wird deutlich teurer als geplant. Der erste Reaktor soll nach aktuellem Stand 2030 fertig werden.

Frankreich setzt weiterhin auf Atomstrom, der vom Staat stark subventioniert wird. Aktuell sind 56 Reaktoren am Netz. 14 weitere sollen gebaut werden. Diese sollen vom Typ EPR2 sein, dessen Design einfacher sein soll als Flamanville 3. Der Bau des ersten EPR2 soll noch in der Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron starten, die 2027 endet.


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