Fitbit Sense 2 im Test: Für Sportler die etwas bessere Google Pixel Watch
Fast gleichzeitig mit der Pixel Watch ( Test auf Golem.de ) veröffentlicht das zu Google gehörende Unternehmen Fitbit eine sehr ähnliche Sportuhr, die Sense 2. Die Größe ist mit rund 41 Millimeter Durchmesser fast identisch, beide Wearables sehen außer an wirklich dünnen Handgelenken etwas verloren aus – sind aber auch extrem komfortabel.
Ein Teil der Funktionen überlappt sich: Die Pixel Watch bietet sehr weitgehende Unterstützung für Fitbit, bei der Sense 2 ist das ja sowieso der Fall. Auf den guten AMOLED-Bildschirmen der beiden Smartwatches sehen Menüs wie Sportauswahl oder der Verlauf der optisch gemessenen Herzfrequenz fast identisch aus.
Es gibt aber auch Unterschiede. Einer der wichtigsten ist, dass die Sense 2 nicht mit WearOS läuft, sondern mit der neusten Version eines Fitbit(öffnet im neuen Fenster) -eigenen Betriebssystems. Deshalb lässt sich die Uhr sowohl mit Android- als auch mit iOS-Smartphones koppeln, Einschränkungen beim Funktionsumfang gibt es nicht.
Und noch ein wesentlicher Unterschied: Während der Akku der Pixel Watch ungefähr einen Tag lang durchhält, kommen wir mit der Sense 2 fast durch die komplette Woche. Nach Herstellerangaben schafft das Wearable im Smartwatch-Modus rund 6 Tage – wir können das bestätigen.
Allerdings sollte man dabei beachten, dass man Uhren tendenziell noch weniger leerlaufen lässt als manch anderes Gerät, so dass die Sense 2 im Normalfall ungefähr alle 4 Tage ans Ladekabel sollte.
Mit aktiviertem Always-on-Display sind ungefähr zwei bis drei Tage drin. Und das Aufzeichnen von GPS-Aktivitäten ist rund fünf Stunden lang möglich – was für ein Wearable dieser Klasse sehr wenig ist.
Wir können nur mutmaßen, aber vermutlich liegt das daran, dass in der Sense 2 nicht die neuesten am Markt verfügbaren GPS-Module verbaut sind. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass es jeden Tag aufs Neue sehr lange dauert, bis das Satellitensignal gefunden ist.
Im Normalfall müssen wir ein bis zwei Minuten warten, oft wird die Suche ohne Ergebnis abgebrochen – das haben wir in ähnlicher Form bei anderen Sportuhren zuletzt vor fünf oder sechs Jahren erlebt.
Immerhin: Wenn die GPS-Daten erst mal empfangen werden, klappt die Aufzeichnung der Joggingrunde oder der Radtour ohne Probleme, das Routing ist sogar recht präzise. Dennoch ist das GPS-Problem aus unserer Sicht ein Punkt, über den man sich im Klaren sein sollte.
Wer jeden Morgen joggt und im Winter erst mal ein paar Minuten lang den Arm in die kalte Luft halten muss, verliert rasch die Freude am Frühsport. Noch etwas ist uns aufgefallen: Die Herzfrequenz wird fast immer rund drei Schläge höher als auf allen Vergleichswearables angegeben – das haben wir so auch noch nicht erlebt.
Immerhin sind die Daten in sich stimmig, so dass wir mit diesem Manko leben können. Trotzdem wünschen wir uns, dass Fitbit sich das mal anschaut und gegebenenfalls per Update nachbessert. Die restlichen Daten (Schritte, Kalorien, Hauttemperatur, HFV, Sauerstoffsättigung, Stress usw.) wirken glaubwürdig.
Insbesondere die Schlafanalyse finden wir sogar besser als bei allen uns bekannten Konkurrenten – jedenfalls, was die automatisch ermittelte Einschlaf- und Aufwachzeit angeht. Die Angaben über Tiefschlaf und REM-Phasen machen auf uns einen stimmigen Eindruck.

Die Bedienung erfolgt über eine links angebrachte Taste sowie per Touch. In der Praxis funktioniert das sehr gut, das Gerät fühlt sich schnell und responsiv an. Ein relativ großer Teil der ermittelten Daten ist allerdings nicht auf dem Wearable, sondern nur in der App auf dem Smartphone zu finden.
Fitbit macht keine Angaben zu den Spezifikationen des Displays. Die Aktivierung per Geste klappt im Normalfall, ausgerechnet beim Sport müssen wir den Arm aber oft besonders ruckelig drehen.
Etwas mehr nervt uns, dass es nicht ganz klar ersichtlich ist und auch nicht ganz zuverlässig möglich zu sein scheint, Geste und Touch vollständig auszuschalten und den Bildschirm nur mit der Taste zu aktiveren – was aber derzeit ein Problem von erstaunlich vielen Wearables ist.
Fitbit Sense 2: Verfügbarkeit und Fazit
Externe Sensoren können mit der Sense 2 nicht gekoppelt werden. Auch in die andere Richtung funktioniert der Datenfluss nicht: Die Uhr kann etwa die Herzfrequenz nicht senden, so dass man z. B. beim Training mit einem Peloton-Bike zur Anzeige des Pulses noch einen separaten Sensor benötigt.
Die Fitbit Sense 2 ist in drei Farbversionen für jeweils rund 300 Euro erhältlich. Dafür gibt es auch sechs Monate Mitgliedschaft bei Fitbit Premium, was danach rund 9 Euro/Monat kostet. Laut Hersteller ist die Sportuhr wasserfest bis 50 Meter.
Premium bietet noch mehr Analysefunktionen, darunter eine Schnarch- und Geräuscherkennung sowie ein Dashboard mit Gesundheitswerten. In den kommenden Wochen oder Monaten soll die Sense 2 per Update Google Wallet (Bezahlfunktion) und Google Maps bekommen.
Fazit
Wenn wir uns zwischen der neuen Pixel Watch von Google und der Fitbit Sense 2 entscheiden müssten: Wir würden uns unter sportlichen Gesichtspunkten für die Sense 2 entscheiden. Das liegt in erster Linie an der viel besseren Akkulaufzeit.
Davon abgesehen wird die Sache aber schwierig und man kann schon mal die Frage stellen, warum es Google seinen Kunden die Wahl so schwer macht. Was wiegt schwerer: die Akkulaufzeit oder ein relativ breites Portfolio an Anwendungen jenseits von Sport und Fitness?
Schon allein die Tatsache, dass mit der Sense 2 keine Musiksteuerung (Spotify) unterstützt wird, dürfte für viele Kunden ein Ausschlusskriterium sein. Immerhin, irgendwann demnächst sollen Google Wallet und Maps kommen.
Eine Empfehlung ist die Sense 2 für alle, die ein komfortables Wearable zum Aufzeichnen von Körper- und Fitnessdaten wollen, um sie mit der guten App von Fitbit zu sammeln und auszuwerten. Die Schlafanalyse ist klasse, Schrittzähler und Kalorienschätzung sowieso.
Die gefühlt oft ewig lange Wartezeit auf GPS nervt zwar sehr, aber immerhin werden die Routen dann zuverlässig aufgezeichnet. Dazu kommt ein funktionierender Datenexport zu Strava und anderen Portalen – das schafft längst nicht jedes Wearable.
Einerseits macht die Bedienung der Smartwatch viel Spaß, alles klappt sehr schnell und unkompliziert. Anderseits fehlen ein paar Funktionen und die Sache mit der Aktivierung des Displays bei Tag und Nacht sowie mit und ohne Geste haben wir auch nach über zwei Wochen noch nicht kapiert.
Wer schon im Ökosystem von Fitbit ist und sich da wohlfühlt, macht mit dem Griff zu Sense 2 alles richtig – auch als sportliche Alternative oder Ergänzung zur Pixel Watch. Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob es für die aufgerufenen 300 Euro nicht woanders mehr fürs Geld gibt.
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