Firefox-Hersteller: Mozilla versucht sich gesundzuschrumpfen

Die Kündigungen aus dem Jahr 2020 sparen Mozilla Geld ein. Die Firefox-Macher setzen parallel auf ein starkes Wachstum neuer Geschäftsfelder.

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Die Firefox-Macher von Mozilla versuchen weiter, andere Einnahmen zu generieren.
Die Firefox-Macher von Mozilla versuchen weiter, andere Einnahmen zu generieren. (Bild: Pixabay)

Der Browserhersteller Mozilla hat seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2020 veröffentlicht, in dem das Unternehmen für viele überraschend 250 Beschäftigen gekündigt hat und damit rund einem Viertel seiner gesamten Belegschaft. Das zeigt sich nun auch klar an den Zahlen, denn durch die ausgesprochenen Kündigungen spart Mozilla ein Millionenbudget ein und versucht sich damit offenbar gesundzuschrumpfen.

Zwar sind der größte Anteil der Ausgaben laut Jahresbericht (PDF) für das Jahr 2020 mit rund 242 Millionen US-Dollar immer noch Entwicklungskosten für die Software - das ist aber eine deutliche Minderung im Vergleich zum Vorjahr mit rund 303 Millionen US-Dollar. Wohl allein durch die ausgesprochenen Kündigungen musste Mozilla im Jahr 2020 rund 32 Millionen US-Dollar weniger für Gehälter in der Entwicklung aufbringen als noch im Vorjahr 2019. Zusammen mit weiteren Effekten hat Mozilla so rund 20 Prozent weniger Ausgaben für die Software-Entwicklung verzeichnet als noch im Vorjahr 2019.

Weniger Gehälter im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Mozilla darüber hinaus auch im Bereich "Management und Allgemeines", wo das Unternehmen mit rund 100 Millionen US-Dollar etwa 10 Millionen US-Dollar weniger als im Vorjahr aufwendet. Der Trend der geringeren Ausgaben durch die Kündigungen im Jahr 2020 dürfte sich auch 2021 fortsetzen, sind die Kündigungen doch erst in der zweiten Jahreshälfte ausgesprochen und wirksam geworden. Die Gesamtausgaben hat Mozilla dem Bericht zufolge von rund 495 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 auf 438 Millionen US-Dollar im Jahr 2020 reduziert.

Einnahmen fast gleichbleibend

Ohne den einmaligen Sondereffekt im Jahr 2019, der wohl vermutlich aus dem Rechtsstreit mit Yahoo stammt, bleiben die Einnahmen von Mozilla ungefähr stabil. Der Großteil der Einnahmen von Mozilla stammt dabei weiterhin aus Verträgen mit Suchmaschinenanbietern für einen Platz im Browser. Diese fallen im Jahr 2020 mit rund 441 Millionen US-Dollar zwar leicht geringer aus, also noch im Jahr 2019 mit 451 Millionen US-Dollar. Im Vergleich zum Jahr 2018 mit etwa 430 Millionen US-Dollar bleibt das Niveau aber zumindest stabil.

Doch wie schon in den Vorjahren weist Mozilla mit Blick auf die Zahlen erneut auf das hohe Risiko seiner Konzentration der Einnahmen hin. Der mit 86 Prozent deutlich größte Anteil stammt demnach ausschließlich aus dem Verträgen mit Suchmaschinenanbietern im Vergleich zu 88 Prozent im Vorjahr. Der Browserhersteller hat damit weiter akut Schwierigkeiten, seine Einnahmen zu diversifizieren und andere Einnahmequellen zu finden, die das Unternehmen unabhängiger machen.

Alternative Einnahmen weiter klein aber steigend

Die Einnahmen aus dem Segment Abonnements und Werbegeschäft belaufen sich den Angaben zufolge auf rund 24 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung um fast 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dieser Einnahmeposten tauchte im Jahr 2017 erstmals auf und umfasst vor allem die Einnahmen, die Mozilla mit dem Dienst Pocket erwirtschaftet sowie durch die Werbung in der Neuen-Tab-Ansicht von Firefox.

In einem Ausblick auf das aktuell laufende Geschäftsjahr 2021 zeigen sich der Finanzchef, Eric Muhlheim, und Angela Plohman, Executive Vice President, dennoch optimistisch, dass der Wechsel hin zu neuen Geschäftsfeldern für Mozilla gelingen kann. So ist der neue Geschäftsbereich mit dem VPN-Dienst im Jahr 2021 deutlich ausgebaut worden, was zu 450 Prozent mehr Umsatz geführt habe. Im Jahr 2021 eingeführt hat Mozilla auch die neue Firefox-Funktion Suggest oder das Angebot Firefox Relay Premium.

Weiter heißt es in dem Ausblick: "2021 wird unser Umsatz aus neuen Produktangeboten im Vergleich zum Vorjahr um 150 Prozent wachsen und 14 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Das Wachstum dieser neuen Geschäfte ist der Schlüssel zu unserer Strategie, ein diversifizierteres und gesünderes Geschäftsmodell für die Zukunft zu schaffen."

Im Jahr 2020 tragen die Abo- und Werbe-Dienste lediglich rund 5 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei. Stimmen das prognostizierte Wachstum und der erwartete Umsatzanteil für 2021, so wie Muhlheim und Plohman dies beschreiben, heißt das, dass Mozilla für das Jahr 2021 einen Gesamtumsatz von rund 442 Millionen US-Dollar erwarte - und damit deutlich weniger als im Jahr 2020 mit noch fast 500 Millionen Gesamtumsatz. Weiter heißt es aber, dass mit weiteren Produkten im Jahr 2021 insgesamt doch mehr als die halbe Milliarde Gesamtumsatz erwartet werde.

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ptepic 20. Dez 2021

Bei UI-Design und Usability ebenso. Wer hat den Scheiß mit den Tab-Buttons eingeführt und...

rldml2 14. Dez 2021

Unsinn. Ja wie gesagt, wenn es um Echtzeitanwendungen geht, mag Performance für Browser...

rldml 14. Dez 2021

Das macht es nicht besser :D

rldml 14. Dez 2021

Lol! Nein. Lol! Nein. Und wie viele lesen das? Oder machen tatsächlich aktiv Gebrauch...



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