Firefox 15: Weniger Speicher und stillere Updates
Mit Firefox 15 verbessert Mozilla den Update-Prozess(öffnet im neuen Fenster) des Browsers, so dass Nutzer den Wechsel auf neue Versionen in Zukunft kaum noch bemerken sollten: Neue Versionen lädt Firefox künftig im Hintergrund herunter und wendet sie an, während der Browser weiterläuft. Wird der Browser neu gestartet, startet dann die neue Version, ohne dass ein Update-Dialog erscheint, wie es derzeit der Fall ist.
Speichernutzung deutlich verringert
Die zweite große Änderung betrifft die Speicherverwaltung des Browsers: Der große Speicherbedarf hat Firefox viel Kritik eingebracht, belegte der Browser doch gern mal mehr als 1 GByte Speicher. Das macht nicht nur den Browser selbst langsam, sondern kann den ganzen Rechner ausbremsen, da dieser dadurch viel swappen muss. Mit dem Projekt "Memshrink" arbeitet Mozilla seit geraumer Zeit daran, den Speicherbedarf des Browsers zu senken und so manche Verbesserung ist bereits in stabile Firefox-Versionen eingeflossen. Mit Firefox 15 macht der Browser in Bezug auf die Speichernutzung nun große Fortschritte, vor allem wenn er lange läuft oder Erweiterungen verwendet werden.
Mozilla hat sich vor allem um Erweiterungen gekümmert, die "Speicher leaken", also im Laufe der Zeit immer mehr Speicher belegen, da sie ungenutzte Speicherbereiche nicht korrekt wieder freigeben. Dieses Verhalten soll Firefox 15 weitgehend abstellen, ohne dass die Erweiterungen angepasst werden müssen. Zuvor hatte Mozilla diverse ähnliche Fehler in Firefox selbst beseitigt, womit die Erweiterungen aber zum größten Problem wurden.
Die Folgen der enormen Speichernutzung bekommen Nutzer auf unterschiedliche Art und Weise zu spüren: lange Aussetzer, die bei der Garbage Collection und Cycle Collection entstehen, Verzögerungen bei Standardoperationen wie dem Scrollen und Wechseln von Tabs, extreme Einbrüche in der Arbeitsgeschwindigkeit des Systems durch die Auslagerung von Speicherbereichen auf die Festplatte (Swapping) und Abstürze, wenn einem System der freie Speicher ausgeht, vor allem auf Windows- und ARM-Systemen.
Um gegen dieses Problem vorzugehen, war es aber zunächst notwendig, Werkzeuge zu schaffen, mit denen sich die Verursacher der hohen Speicherauslastung ermitteln ließen. Erste solche Werkzeuge wurden mit Firefox 4 eingeführt, ein weiterer wichtiger Schritt erfolgte mit Firefox 11, so dass mehr Entwickler und auch Nutzer wichtige Hinweise liefern konnten, um das Problem einzugrenzen und anzugehen.
Im ersten Schritt wurden mehrere Dutzend Erweiterungen korrigiert, doch es gibt viel mehr Firefox-Erweiterungen, die zudem nicht alle auf Mozillas AMO-Seite gehostet werden. Daher hat sich Mozilla entschlossen, eine allgemeine Lösung für das Problem in Firefox zu integrieren. Am häufigsten entstehen die sogenannten "Zombie Compartments", wenn Referenzen zur DOM-Struktur in einer Website erhalten bleiben, nachdem diese bereits geschlossen wurde. Firefox 15 kann dieses Verhalten erkennen und die entsprechenden Referenzen löschen.
Daten belegen deutliche Verbesserung
Die Idee ließ sich einfacher als zunächst gedacht umsetzen, und die Telemetriedaten von Firefox zeigen einen deutlichen Rückgang sogenannter "Ghost Windows" bei Nutzern der Firefox Nigthly Builds, seitdem der entsprechende Patch integriert wurde. Das Auftreten von Ghost Windows korreliert stark mit dem Auftreten von Zombie Compartments.
Mozilla-Entwickler Nicholas Nethercote(öffnet im neuen Fenster) hat sich angeschaut, wie sich die Änderungen im konkreten Beispiel mit McAfees Siteadvisor 3.4.1 auswirken. Via Membench hat er die Belegung des physischen Speichers durch Firefox beim automatischen Öffnen von 150 Websites in 150 Tabs gemessen, so wie ihn Windows 7 angibt. Das Ergebnis: Mit 150 offenen Tabs belegte Firefox 14, mit der Erweiterung 1.730 MByte Speicher, bei Firefox 15 waren es 1.793 MByte. Der entscheidende Unterschied wird aber erst nach dem Schließen der 150 Tabs sichtbar: Bei Firefox 14 sank der Wert nur auf 1.531 MByte, bei Firefox 15 aber auf 374 MByte. Diverse Nutzer bestätigen ähnliche Erfahrungen.
SPDY, WebGL und Opus
Googles HTTP-Alternative SPDY unterstützt Firefox 15 in der Version 3. Zudem wurde die WebGL-Implementierung verbessert, sie unterstützt nun auch komprimierte Texturen. Über HTML5-Audio-Tag kann Firefox 15 auch Dateien im Opus-Format abspielen . Auch wurde die CSS-Eigenschaft "word-break" implementiert. Damit kann festgelegt werden, ob ein Zeilenumbruch in Texten zugelassen wird.
Integrierter Javascript-Debugger
Neu ist auch der integrierte Javascript-Debugger, der nur minimal negative Auswirkungen auf die Geschwindigkeit von Javascript-Anwendungen haben soll. Er kann dabei auch über ein lokales Netzwerk genutzt werden, um Apps auf anderen Geräten, beispielsweise einem Android-Smartphone, mit Firefox zu untersuchen.
Zudem stehen eine neue Layout-Ansicht und die Responsive-View zur Verfügung. Der von Paul Rouget entwickelte Responsive Mode kann über das Webentwickler-Menü von Firefox aufgerufen werden und ermöglicht es, die Größe einer Website beliebig zu verändern. Dabei zeigt Firefox die Größe in Pixeln an und ermöglicht es, auch gezielt bestimmte Auflösungen anzugeben. Die Darstellung der Website wird an die zur Verfügung stehende Fläche dynamisch angepasst, so dass Entwickler leicht testen können, wie ihre Website bei kleineren Auflösungen aussieht.
Die neue Layout-View ist Teil des Inspectors, der ebenfalls über das Webentwickler-Menü aufgerufen wird. Er zeigt eine visuelle Darstellung der Größe eines Elements der Webseite an, so dass leicht erkennbar ist, wie sich die Gesamtgröße aus Rändern, Abständen und dem eigentlichen Element zusammensetzt.
Im Rahmen der Implementierung des Performance API wurde zudem die Zeitmessung von Firefox verbessert, so dass der Browser nun Zeiten auf eine Tausendstelsekunde genau messen kann.
Auch der Javascript-JIT-Compiler Jaegermonkey wurde weiter verbessert, was die Ausführung von Javascript weiter beschleunigen soll.
Keine native PDF-Unterstützung
Die in der Aurora- und Betaversion enthaltene native PDF-Unterstützung auf Basis von pdf.js wurde aus der stabilen Version wieder entfernt. Die Javascript-Bibliothek wandelt PDF-Dateien per Javascript um, so dass der Browser sie direkt anzeigen kann, ist aber offenbar noch nicht stabil genug.
Firefox 15(öffnet im neuen Fenster) steht ab sofort unter mozilla.org/firefox(öffnet im neuen Fenster) für Windows Linux und Mac OS X zum Download bereit.
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