Firefly wird 20 Jahre alt: Perfekte Mischung aus Western und Science-Fiction

Als am 20. Dezember 2002 auf Fox die letzte Folge von Joss Whedons Serie Firefly(öffnet im neuen Fenster) lief, befand sich ihr Schöpfer eigentlich gerade auf einem Höhenflug. Mit Buffy - Im Bann der Dämonen(öffnet im neuen Fenster) und Angel - Jäger der Finsternis(öffnet im neuen Fenster) hatte er großen Erfolg und hoffte, ihn mit seinem Hybrid aus Western und Science-Fiction zu wiederholen. Doch Firefly entwickelte sich zum gigantischen Flop. Nur 14 Folgen wurden produziert. Dabei hatte die Serie alles, was nötig war, um zum Erfolg zu werden.
Die weit entfernte Zukunft
Sie spielt im 26. Jahrhundert: Die Menschheit hat die tote Erde verlassen und mit Raumschiffen neue Planeten überall in der Galaxis in Beschlag genommen. Auf einer dieser Welten findet ein Showdown ungeahnten Ausmaßes statt: Malcolm Reynolds, Captain der Serenity, Zoey, sein erster Offizier, und Jayne Cobb, der Mann fürs Grobe, stehen einem Haufen Cowboys auf Pferden gegenüber. Natürlich kommt es zum Shootout.
So stellte sich Joss Whedon eine SF-Serie vor, die wie ein Western daherkommen sollte. Denn alles ist auf Wild West getrimmt.
Die Kleidung der Helden könnte gut und gern zur Mitte des 19. Jahrhunderts modern gewesen sein - nicht zu vergessen die leicht modifizierten Six-Shooter, die aussehen, als hätte auch John Wayne an ihnen seine helle Freude gehabt. Erwähnt werden müssen außerdem die bäuerlichen Siedlungen, in denen die Menschen sich auf ihre Pferde verlassen. Auch die Crew der Serenity hat es sich auf ihrem Schiff schön gemütlich gemacht - zumindest, wenn man auf eine bodenständige rustikale Einrichtung steht.
Dabei wirkt die Serie natürlich anachronistisch, da weder Waffen noch Kleidung - ganz zu schweigen von den Pferden und den "echten" Cowboys - zu den Raumschiffen und harter Science-Fiction passen mögen. Unterstrichen wird das durch die Musik in besten Westernrhythmen, mit Gitarre und Fiedel als bevorzugten Instrumenten.

Die Mixtur aus Science-Fiction und Western(öffnet im neuen Fenster) wurde schon davor hin und wieder versucht - so gut wie hier funktionierte die Kombination allerdings selten.
Einige Stars von heute spielten in Firefly
Auch die Besetzung von Firefly kann sich sehen lassen. Nathan Fillion, damals noch ein eher unbekannter Mime, ist inzwischen ein Star, der mit seiner Serie Castle enormen Erfolg hatte. Auf Cons ist er heute ein gern gesehener und vorzüglich bezahlter Gast.
Alan Tudyk entwickelte sich zum Genre-Star und ist aktuell in Resident Alien(öffnet im neuen Fenster) zu sehen, Morena Baccarin war in Homeland und Gotham dabei. Jewel Staite wechselte später zu Stargate: Atlantis und Summer Glau wurde zum Traum aller Geeks - durch die Rolle des Mediums in dieser Serie, aber auch durch ihre späteren Genre-Shows, darunter Terminator: The Sarah Connor Chronicles(öffnet im neuen Fenster) , in der sie eine Terminatorin spielt.
Der All-Star-Cast macht es aus heutiger Sicht besonders reizvoll, die Serie nochmal wieder oder neu zu entdecken. Bei den Gaststars ist in der Folge In letzter Sekunde in einer winzigen Rolle der junge Zac Efron(öffnet im neuen Fenster) zu sehen, der hier sein Fernsehdebüt gab. Er spielt den jugendlichen Simon Tam in einer Rückblende.
Fox hat's verbockt
Whedons Konzept mag für Leute, die keine Science-Fiction-Fans sind, nicht so zugänglich sein. Aber sie ist interessant und wäre vielleicht erfolgreicher gewesen, hätte es schon bei den ersten Folgen einen stärkeren roten Faden gegeben. Vielleicht hätte das aber auch gar nichts gebracht, denn der Sender konnte mit der Serie wohl ohnehin nie richtig etwas anfangen.
Im Grunde hat er sie sogar sabotiert: Man hielt sich nicht einmal an die von Joss Whedon vorgegebene Reihenfolge der Episoden.(öffnet im neuen Fenster) Nicht mal der Pilotfilm stand am Anfang der Serie!
An den Start ging der Sender Fox mit der zweiten Folge Schmutzige Geschäfte, weil sie mehr Action enthält und man damit beim Publikum punkten wollte. Allerdings sorgte man so auch für Irritationen beim Publikum, das die Figuren nicht kennengelernt hatte und mitten in deren Beziehungsgeflecht hineingestoßen wurde.
Auch bei den weiteren Folgen war die Reihenfolge absolut wild, so dass sich jede Menge Widersprüche ergaben. Der größte Hohn war aber sicher, dass der Pilotfilm ganz am Ende ausgestrahlt wurde. Dem, was Fox als Ende sah, denn wegen der miesen Einschaltquoten hielt man drei Folgen zurück, die erst 2003 ausgestrahlt wurden.
Kontroverse Ideen
Die Ideen, die in Firefly steckten, hatten aber Potenzial und Whedons Charaktere sind interessant, mitunter sogar kontrovers (wie zum Beispiel die "Bordhure"). Wegen der erratischen Ausstrahlungsreihenfolge verlor man aber immer mehr Zuschauer, das Ende kam schnell und schmerzhaft.
Firefly lebte jedoch fort, die Serie fand bei Wiederholungen ihr Publikum und entwickelte sich zu einem kleinen Kultobjekt. Die Schreie nach einer Fortsetzung wurden lauter - und erhört.
2005 kam der Kinofilm Serenity(öffnet im neuen Fenster) heraus, der wegen des Erfolgs der Serie auf DVD produziert wurde. Fox hatte aber auch hier wohl mit einem größeren Kinoerfolg gerechnet(öffnet im neuen Fenster) , so dass der Film der Schwanengesang von Firefly ist.
In Deutschland hatte man zudem den kuriosen Fall, dass die Serie, auf der Serenity basiert, gar nicht erst gelaufen war. Sie debütierte erst im September 2009 im Programm von Super RTL. Firefly ist jetzt 20 Jahre alt - ein erneutes Wiederauferstehen wird es wohl nicht geben, aber das Wiederentdecken dieser Serie lohnt sich.
Zum Schluss noch ein Lesetipp: Es lebe Firefly(öffnet im neuen Fenster) .



