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Fire TV mit neuer Firmware im Test: Streaming-Box wird vielfältiger

Umfangreiche Unterstützung von USB-Sticks und Bluetooth-Geräten: Das aktuelle Update für Amazons Fire TV macht die Streaming-Box vielseitiger und die Bedienung bequemer, wie unser Test zeigt - ein Schritt zur Multimediazentrale.
/ Ingo Pakalski
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Update für Fire TV bringt unter anderem ein neues Schnellwahlmenü. (Bild: Screenshot Golem.de)
Update für Fire TV bringt unter anderem ein neues Schnellwahlmenü. Bild: Screenshot Golem.de

Amazon verteilt in diesen Tagen ein Update für die Streaming-Box Fire TV . Es bringt viele Neuerungen, die das Gerät deutlich aufwertet. Golem.de hat sich das Update genauer ansehen und ausprobiert, wie sich das Nutzungsverhalten des Fire TV mit dem Update verändert. Das Update wird automatisch drahtlos verteilt und sollte in den nächsten Tagen alle Besitzer eines Fire TV erreichen.

Nach der Installation der Firmware 51.1.5.0 kann der USB-Anschluss nicht nur für den Anschluss von Maus und Tastatur verwendet werden, sondern auch für USB-Sticks - die beste Neuerung des Updates. Diese dürfen bis zu 128 GByte groß sein und müssen im FAT- oder FAT-32-Format formatiert sein. Dabei sind USB-Hubs möglich, so dass sich Nutzer den USB-Zugang an eine Stelle legen können, an die sie gut herankommen, falls das Fire TV ungünstig zu erreichen ist.

USB-Stick lässt sich vollständig als externer Speicher nutzen

Der USB-Stick kann dann als externer Speicher ohne große Einschränkungen verwendet werden. Apps und Spiele können auf den USB-Stick verschoben werden. Das funktioniert aber nur mit Apps, die das unterstützen. Apps lassen sich nicht direkt bei der Installation auf den USB-Speicher verschieben, sondern erst nach der Installation. Wenn also im internen Speicher nicht mehr genügend Speicherplatz frei ist, kann eine große App oder ein umfangreiches Spiel gar nicht erst installiert werden.

Auch Filme, Fotos und Musik lassen sich auf dem USB-Stick ablegen. Der Nutzer kann dann vom Fire TV darauf zugreifen. Zur Ankündigung des Updates hatte Amazon dazu keine klaren Aussagen gemacht, so dass es zunächst den Anschein hatte, als könnte der externe Speicher nur für Apps und Spiele verwendet werden.

Damit der Nutzer die Dateien auf dem USB-Stick abspielen kann, müssen Zusatz-Apps installiert werden, wie etwa der neu erschienene VLC Player für das Fire TV, den es kostenlos in Amazons App-Shop gibt. Der VLC Player unterstützt sogar die Sprachsuche des Fire TV, so dass sich bestimmte Musikstücke oder Filme leichter finden lassen sollten.

Fire TV mit Bluetooth-Zubehör verbinden

Das Sideloading von Apps ist weiterhin möglich, so dass Nutzer beliebige andere Mediaplayer installieren können, um lokale Inhalte auf dem Fire TV abzuspielen. Am Beispiel von Kodi haben wir gezeigt, wie bequem sich eine Sideloading-App mittlerweile auch auf den Fire-TV-Startbildschirm bringen lässt. Das setzt voraus, dass es die App auch in Amazons App-Shop gibt. Ansonsten bleibt nur ein etwas komplizierterer Kniff , wenn Nutzer nicht auf einen alternativen Launcher wechseln wollen.

Auch Kodi kann ohne Probleme auf die Daten auf dem USB-Stick zugreifen und spielt diese anstandslos ab. Testweise haben wir es noch mit dem ES File Explorer und dem MX Player probiert, die wir per Sideloading installiert haben und die sich beide in den Grundzügen gut mit der Fernbedienung steuern ließen. Mit allen Apps war das Abspielen von Videos vom USB-Speicher kein Problem. Wenn nicht für das Fire TV optimierte Apps verwendet werden, hilft eine weitere Neuerung des Updates: die verbesserten Bluetooth-Funktionen.

Fire TV unterstützt deutlich mehr Bluetooth-Zubehör

Nach dem Update lassen sich nicht nur Fernbedienungen und Spielecontroller per Bluetooth mit dem Fire TV verbinden, sondern auch Tastaturen, Mäuse oder Kopfhörer. Der Anschluss von Eingabegeräten per Bluetooth kann hilfreich sein, wenn Apps genutzt werden, die nicht für das Fire TV optimiert sind, sondern für Smartphones und Tablets. Sie lassen sich damit besser bedienen.

Wir haben das Verbinden eines Bluetooth-Headsets von Nokia und einer Bluetooth-Tastatur von Lenovo probiert. Beide Geräte wurden problemlos erkannt und verbunden. Leider lässt sich die Lautstärke des Fernsehers nicht mit der Fernbedienung steuern, was für die Verwendung mit Headset nützlich wäre.

Die neuen USB- und Bluetooth-Funktionen wird es nicht für den Mitte April 2015 in Deutschland erscheinenden Fire TV Stick geben. Die folgenden Neuerungen gibt es aber auch für den Stick.

Deutlich verbessert wurde die PIN-Abfrage: Bisher war es nicht möglich, die PIN so einzugeben, dass andere nicht die Eingabe auf dem Bildschirm beobachten konnten. Der Nutzer musste die PIN auf einem Zahlenfeld eingeben. Für die neue Eingabe werden die Ziffern 0 bis 4 mit dem Navigationskreuz eingetippt, und mit der Kontexttaste kann auf die Eingabe der Ziffern 5 bis 9 umgeschaltet werden. Wer auf dem Bildschirm die Eingabe verfolgt, kann die PIN nicht mehr mitlesen. Vor allem, wenn die PIN dazu gedacht ist, dass Kinder und Jugendliche nicht auf für sie gesperrte Inhalte zugreifen können, ist die neue PIN-Eingabe ein Zugewinn an Sicherheit.

Die Bedienung wird leichter

Eine kleine Bedienungshilfe ist das neue Schnellzugriffsmenü. Hält der Nutzer die Home-Taste einen Moment gedrückt, öffnet sich jederzeit ein Menü mit der Uhrzeit und einigen Befehlen. Direkt aus dem Menü kann der Ruhemodus oder eine Bildschirmspiegelung aktiviert werden. Zudem können direkt von dort die Einstellungen aufgerufen werden. Wer öfter USB-Sticks wechselt, wünscht sich in dem Menü schnell eine Option zum Auswurf des Mediums. Denn die entsprechende Option ist ziemlich weit in den Systemeinstellungen versteckt und damit nur mühsam zu erreichen.

WLAN-Hotspots und Fazit

In den Einstellungen gibt es einen neuen Menüpunkt für den Neustart des Geräts. Bisher war ein Neustart nur mit einer Tastenkombination der Fernbedienung möglich. Dazu muss die Wiedergabetaste zusammen mit der Bestätigungstaste mindestens fünf Sekunden gehalten werden. Diese Möglichkeit besteht weiterhin.

In den Systemeinstellungen gibt es außerdem einen neuen Menüpunkt, der den Status des USB-Sticks anzeigt. Der Nutzer kann sich dort über den freien Speicher auf dem USB-Stick informieren und diesen auch auswerfen.

Wer den Fire TV Stick oder das Fire TV auf Reisen nutzen will, der wird sich freuen, dass sich beide Geräte dann auch an öffentlichen WLAN-Hotspots einbuchen lassen. Vor allem WLAN-Zugänge in Hotels erfordern meist eine Browseranmeldung. Dies ist mit dem Update möglich, so dass sich vor allem der Fire TV Stick dafür eignet, im Gepäck mit auf Reisen zu gehen, weil er deutlich kleiner als das Fire TV ist.

Fazit

Mit dem Update lässt sich das Fire TV wesentlich vielfältiger einsetzen. Bisher war die Box vor allem als Streaming-Gerät konzipiert. Mit der neuen Firmware wird sie mehr zur Multimediazentrale. Vor allem die Unterstützung von USB-Sticks erweitert die Möglichkeiten erheblich. Weil der VLC Player direkt in Amazons App-Shop angeboten wird, können Videos oder Musikdateien direkt vom USB-Stick abgespielt werden. Bislang ging das Abspielen lokaler Daten nur, indem Multimediadaten im lokalen Netzwerk zur Verfügung gestellt wurden.

Bedauerlicherweise lassen sich Apps nicht direkt auf den USB-Stick installieren. Genügt also der interne Speicher für eine App oder ein Spiel nicht, ist eine Installation nicht möglich. Außerdem ist es unbequem, eine App erst nachträglich auf den USB-Speicher zu verschieben.

Der zweite enorme Zugewinn sind die erweiterten Bluetooth-Funktionen. Nun lassen sich Bluetooth-Headsets damit verbinden, um kabellos Musik zu hören oder dem Ton eines Films zu lauschen. Hierbei wäre es praktisch, wenn sich die Lautstärke des Fire TV mit der Fernbedienung steuern lassen könnte.

Aber auch die kleineren Änderungen wie das Schnellwahlmenü und die überarbeitete PIN-Eingabe sind erfreulich. Eine weitere Kritik haben wir: Wer von der Nutzung mit USB-Sticks regen Gebrauch macht, wird sich darüber ärgern, dass das saubere Entfernen vergleichsweise mühsam ist. Es wäre eine große Hilfe, wenn das Auswerfen über das Schnellwahlmenü möglich wäre. Außerdem wäre eine Unterstützung anderer Dateisysteme als nur FAT und FAT 32 wünschenswert.


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