Abo
  • Services:

Finspy: Türkische Oppositionelle mit deutscher Spyware angegriffen

Die Staatstrojaner-Software von Finfisher wurde offenbar in der Türkei gegen Mitglieder der Opposition eingesetzt. Unklar bleibt, wie das Regime die Software erwerben konnte.

Artikel veröffentlicht am ,
Mitglieder des Protestmarsches forderten "Gerechtigkeit"
Mitglieder des Protestmarsches forderten "Gerechtigkeit" (Bild: Chris McGrath/Getty Images)

Politiker und Aktivisten, die der türkischen Oppositionspartei CHP nahestehen, wurden offenbar mit Spyware aus Deutschland ausspioniert. Einem Bericht der NGO Access Now zufolge, über den die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR berichteten, gibt es Hinweise, dass dabei in München entwickelte Software der Firma Finspy zum Einsatz kam. Das Unternehmen beliefert auch die deutsche Regierung mit ihrem Staatstrojaner.

Stellenmarkt
  1. Hornbach-Baumarkt-AG, Neustadt an der Weinstraße
  2. BFFT Gesellschaft für Fahrzeugtechnik mbH, Gaimersheim

Die Spyware wurde dem Bericht zufolge über den Twitter-Account @uysalnida59 verbreitet, der Nutzer zum Aufruf einer Seite aufforderte, die angeblich über den aktuellen Stand eines Protestmarsches des Oppositionspolitikers Kemal Kılıçdaroğlu quer durch die Türkei informieren sollte. Tatsächlich forderte die Webseite Android-Nutzer aber auf, eine nicht näher benannte Datei herunterzuladen, die dann die Malware auf dem Smartphone installierte. Finfisher wirbt damit, dass zahlreiche private Informationen wie Chatverläufe, Telefonate und der Standort des Smartphones ausgelesen werden können.

Die Organisation Access Now, eine in den USA beheimatete Bürgerrechtsorganisation, hat den eingesetzten Trojaner nach eigenen Angaben analysiert und geht davon aus, dass es sich um Spyware aus Deutschland handelt. In dem Bericht heißt es: "Es gibt einige forensische Artefakte, die für uns als klares Anzeichen dafür dienen, dass wir es in unserer Analyse mit Finspy zu tun haben." Thorsten Holz, Professor für IT-Sicherheit in Bochum wurde vom Rechercheverbund ebenfalls um eine Analyse gebeten und bestätigt die Einschätzung der NGO. Er sieht große Ähnlichkeiten mit vorherigen Versionen der Finfisher-Software. Die Experten gehen davon aus, dass es sich um eine aktuelle Version der Software handelt, die aktiv weiterentwickelt wird.

Export trotz Exportverbot

Unklar ist, auf welcher Grundlage die Software in die Türkei gelangt ist. Denn seit 2015 wird der Verkauf von Spyware in der EU nach den Maßstaben des Wassenaar-Exportkontrollabkommens reguliert. Finfisher hätte demnach eine Ausfuhrgenehmigung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragen müssen. Das ist aber nach Angaben von Tagesschau.de nicht passiert - denn das zuständige Bundeswirtschaftsministerium gibt an, seit 2014 keinerlei Exportgenehmigungen für sogenannte Intrusion-Software erteilt zu haben. Möglicherweise nutzte das Unternehmen ausländische Tochtergesellschaften oder Händler in Ländern, die nicht unter das Abkommen fallen. Bislang haben sich weder Finfisher noch die türkische Regierung zu dem Vorgang geäußert.

Finfisher gehört zur britischen Gamma Group und wurde schon in der Vergangenheit kritisiert, eigene Software in Länder mit kritischer Menschenrechtssituation exportiert zu haben. Die britische OECD-Kontaktstelle hatte das Unternehmen im Jahr 2015 nach einer Beschwerde von Menschenrechtsorganisationen für Exporte nach Bahrain gerügt.

Offenlegung: Der Autor war in einer früheren Tätigkeit für die Organisation Reporter ohne Grenzen in verschiedener Weise an Kampagnen gegen Finfisher und andere Hersteller von Überwachungstechnik beteiligt. Auch an der OECD-Beschwerde gegen das Unternehmen wirkte er mit.



Anzeige
Top-Angebote
  1. ab 62,98€ (Release am Freitag, mit Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 249,00€
  3. 249,00€

chefin 15. Mai 2018

Panzer werden genehmigt. Spyware wird auch genehmigt. Wird ein Waffenexport genehmigt...

mxcd 15. Mai 2018

Wenn man Softwareherstellern Malwareherstellung erlaubt (bzw. ihnen diese großzügig...


Folgen Sie uns
       


Amazons Echo Plus (2018) - Test

Der neue Echo Plus von Amazon liefert einen deutlich besseren Klang als alle bisherigen Echo-Lautsprecher. Praktisch ist außerdem der eingebaute Smart-Home-Hub. Der integrierte Temperatursensor muss aber noch bessser in Alexa integriert werden. Der neue Echo Plus ist zusammen mit einer Hue-Lampe von Philips für 150 Euro zu haben.

Amazons Echo Plus (2018) - Test Video aufrufen
Norsepower: Stahlsegel helfen der Umwelt und sparen Treibstoff
Norsepower
Stahlsegel helfen der Umwelt und sparen Treibstoff

Der erste Test war erfolgreich: Das finnische Unternehmen Norsepower hat zwei weitere Schiffe mit Rotorsails ausgestattet. Der erste Neubau mit dem Windhilfsantrieb ist in Planung. Neue Regeln der Seeschifffahrtsorganisation könnten bewirken, dass künftig mehr Schiffe saubere Antriebe bekommen.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Car2X Volkswagen will Ampeln zuhören
  2. Innotrans Die Schiene wird velosicher
  3. Logistiktram Frankfurt liefert Pakete mit Straßenbahn aus

Mate 20 Pro im Hands on: Huawei bringt drei Brennweiten und mehr für 1.000 Euro
Mate 20 Pro im Hands on
Huawei bringt drei Brennweiten und mehr für 1.000 Euro

Huawei hat mit dem Mate 20 Pro seine Dreifachkamera überarbeitet: Der monochrome Sensor ist einer Ultraweitwinkelkamera gewichen. Gleichzeitig bietet das Smartphone zahlreiche technische Extras wie einen Fingerabdrucksensor unter dem Display und einen sehr leistungsfähigen Schnelllader.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Keine Spionagepanik Regierung wird chinesische 5G-Ausrüster nicht ausschließen
  2. Watch GT Huawei bringt Smartwatch ohne Wear OS auf den Markt
  3. Ascend 910/310 Huaweis AI-Chips sollen Google und Nvidia schlagen

Life is Strange 2 im Test: Interaktiver Road-Movie-Mystery-Thriller
Life is Strange 2 im Test
Interaktiver Road-Movie-Mystery-Thriller

Keine heile Teenagerwelt mit Partys und Liebeskummer: Allein in den USA der Trump-Ära müssen zwei Brüder mit mexikanischen Wurzeln in Life is Strange 2 nach einem mysteriösen Unfall überleben. Das Adventure ist bewegend und spannend - trotz eines grundsätzlichen Problems.
Von Peter Steinlechner

  1. Adventure Leisure Suit Larry landet im 21. Jahrhundert

    •  /