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Finnland: Onkalo soll das weltweit erste Endlager für Atommüll sein

In Finnland werden bald radioaktiv abgebrannte Kernbrennstoffe unter Tage begraben. Letzte Prüfungen vor der Eröffnung laufen.
/ Patrick Klapetz
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Das finnische Endlager Onkalo für Atommüll in Eurajoki (Bild: Posiva)
Das finnische Endlager Onkalo für Atommüll in Eurajoki Bild: Posiva

Seit dem Bau der ersten Kraftwerke in den 1950er Jahren ringen die Länder mit der Frage, was mit den gefährlichen nuklearen Nebenprodukten geschehen soll. Derzeit wird der größte Teil davon zwischengelagert. Jetzt steht laut einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP(öffnet im neuen Fenster) das weltweit erste Endlager für radioaktive abgebrannte Brennelemente kurz vor seiner Eröffnung. Es wurde in 1,9 Milliarden Jahre altes, stabiles Grundgestein in Eurajoki im Südwesten Finnlands gehauen und auf den Namen Onkalo getauft, was auf Finnisch Höhle bedeutet.

Neben Finnland werden Endlager im benachbarten Schweden und in Frankreich gebaut. Finnland wird seine unterirdische Endlagerstätte jedoch voraussichtlich als erstes Land in Betrieb nehmen. Die finnische Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (STUK) soll im Juni in ihrer abschließenden Bewertung die Genehmigung erteilen. Der Betrieb kann dann vermutlich gegen Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres aufgenommen werden.

Lagerung für die Ewigkeit

Der erste einzulagernde radioaktive Abfall befindet sich derzeit in einem Zwischenlager im nahegelegenen Kraftwerk Olkiluoto an der Ostsee. Dort wird es in Wasserbecken gekühlt. Mit einer Kapazität für 6.500 Tonnen Uran soll Onkalo als Endlager für die abgebrannten Brennelemente aus den fünf finnischen Kernreaktoren dienen; drei davon sind in Olkiluoto.

Das Atommüllentsorgungsunternehmen Posiva begann 2004 mit dem Bau der Anlage, deren Kosten mittlerweile auf eine Milliarde Euro geschätzt werden. Die abgebrannten Brennelemente sollen für 100 Jahre in Onkalos riesigem Tunnelnetz gelagert werden. Der Betrieb könnte verlängert werden, falls neue Kernreaktoren gebaut würden. Anschließend wird das Endlager versiegelt, um eine sichere Lagerung für mindestens 100.000 Jahre zu gewährleisten.

Die Brennelemente seien zehntausende von Jahren hochradioaktiv, erklärte Lauri Parviainen, Chemiker bei Posiva. Nach 100.000 bis 200.000 Jahren seien sie dann nur noch so radioaktiv wie das Uranerz, aus dem die Brennstäbe hergestellt wurden.

Die Endlagerung des Atommülls

Zunächst wird der abgebrannte Kernbrennstoff oberirdisch in hochkorrosionsbeständigen Kupferbehältern eingekapselt. Dann werden die Fässer in die unterirdischen Tunnel des Endlagers gebracht. Dort werden sie in Löcher abgesenkt, die zuvor in die Tunnelböden gebohrt wurden. Anschließend werden die Löcher mit den enthaltenen Fässern mit Bentonit-Ton abgedichtet – einem natürlichen Tonmineral vulkanischen Ursprungs, dessen Hauptbestandteil Montmorillonit ist. Sobald jeder der 300 Meter langen Endlagertunnel gefüllt ist, wird er mit einem Stahlbetonstopfen versiegelt.

Für das Onkalo-Endlager wurden den Angaben zufolge Risikoszenarien bewertet, die bis zu einer Million Jahre in die Zukunft reichen. Besonders die ersten 10.000 Jahre seien wegen des Gefährdungspotenzials des Abfalls besonders wichtig. Die größten langfristigen Risiken seien die Korrosion der Kupferbehälter oder Erdbeben während künftiger Eiszeiten, die die Kapseln beschädigen und zum Austritt radioaktiven Brennstoffs führen könnten. Jedoch seien die meisten durchgeführten Risikobewertungen von Posiva(öffnet im neuen Fenster) eher positiv.

In der Bevölkerung gibt es wenig Widerstand gegen das Projekt, anders als in den 1970er Jahren, als die Pläne erstmals vorgestellt wurden. Der Ausbau der Kernenergie in Finnland ist eine Priorität der rechtsgerichteten Regierung. Das Land erwägt den Bau sogenannter kleiner modularer Reaktoren (SMR). Unklar ist aber noch, wie die abgebrannten Brennelemente zukünftig gelagert werden.

Derzeit steht vor allem der finnische Naturschutzverband dem Projekt weiterhin kritisch gegenüber. Nach finnischem Recht müssen in Finnland anfallende Atommüllabfälle im Land gelagert werden. Vor der Gesetzesänderung im Jahr 1994 wurde der abgebrannte Brennstoff beispielsweise nach Russland exportiert.


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