Fingierte Rechnungen: Ex-Dallmayr-IT-Chef wegen Millionenuntreue vor Gericht
Vor der 4. Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München I hat am Montag ein Verfahren begonnen, das schon lange auf sich warten ließ. Ein 58-jähriger ehemaliger IT-Leiter des Feinkostunternehmens Dallmayr muss sich wegen des Vorwurfs der Untreue und Geldwäsche verantworten. Laut Anklage soll er seinen Arbeitgeber über mehrere Jahre hinweg um knapp 2,3 Millionen Euro gebracht haben, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete(öffnet im neuen Fenster) .
Die Erklärung, die der Angeklagte vor Gericht liefert, klingt schlicht: "Meine Frau und ich konnten nicht besonders gut mit Geld umgehen." Damit umreißt der Angeklagte, wie es seiner eigenen Darstellung nach dazu kam, dass er ab dem Jahr 2012 begann, mithilfe fingierter Rechnungen Gelder aus dem Unternehmen abzuzweigen. Zwei Freunde, ebenfalls angeklagt, sollen ihm dabei geholfen haben.
Die beiden Mitangeklagten hatten eigene IT-Dienstleistungsfirmen und stellten auf Anforderung des Beklagten Rechnungen über Beträge in vier- bis fünfstelliger Höhe aus. Teilweise soll das Geld über weitere Firmenkonten geflossen sein, die auf die Lebensgefährtinnen der Beteiligten zugelassen waren.
Prozess wirft Fragen zur internen Kontrolle bei Dallmayr auf
Vorsitzender Richter Markus Födisch hält dem Hauptangeklagten vor, einen deutlich gehobenen Lebensstil geführt zu haben, der vermutlich Kollegen auffiel: teure Uhren, zwei Porsche, ein Boot sowie Immobilien in Deutschland und im Ausland. Der Angeklagte räumt das im Wesentlichen ein, merkt jedoch an, einer der Porsche sei gebraucht gewesen. Staatsanwalt Ferdinand Hohenleitner ergänzt die Liste um zwei BMW für die Kinder, einen Porsche-Oldtimer und einen Jeep Cherokee.
Dass das System vier Jahre lang unentdeckt blieb, liegt daran, dass es bei Dallmayr offenbar kein Vier-Augen-Prinzip gab. Der Angeklagte konnte die Rechnungsbegleichung freigeben, ohne dass dies jemand kontrollierte. Sonst wäre wohl aufgefallen, dass die angegebenen Leistungen nie erbracht worden waren. Aufgeflogen sein soll das Ganze schließlich durch einen anonymen Hinweis.
Von dem Geld sei heute nichts mehr übrig, gibt der Angeklagte an. Er habe seine Doppelhaushälfte im Landkreis München verkauft, um Schulden bei Dallmayr abzutragen, und auch ein Grundstück in Kroatien auf das Unternehmen überschrieben.
Alle drei Angeklagten warten seit rund neuneinhalb Jahren auf diesen Prozess. Die Kammer räumt eine Verfahrensverzögerung ein und verweist auf den Wirecard-Prozess, der erhebliche Kapazitäten gebunden habe. Die lange Wartezeit könnte sich nun strafmildernd auswirken. Bei der Anklageerhebung 2018 wurden seitens der Staatsanwaltschaft Haftstrafen von etwa viereinhalb Jahren für den Hauptangeklagten gefordert.