Fingerprinting: Favicons lassen sich zum Tracking missbrauchen

In einer Forschungsarbeit werden Favicons für Nutzer-Tracking in Browsern genutzt. Einen Schutz dagegen gibt es bisher nicht.

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Favicons eignen sich zum Browser-Tracking.
Favicons eignen sich zum Browser-Tracking. (Bild: Pixabay)

Browserhersteller sind in den vergangenen Jahren verstärkt gegen Tracking-Techniken vorgegangen, die mit Hilfe von Cookies geschehen. Ein Forschungsteam der University of Illinois at Chicago (UIC) zeigt nun aber in einer Untersuchung (PDF), dass Browser eine viel größere Angriffsfläche bieten, um deren Techniken zum Tracking zu missbrauchen, auch wenn solch ein Tracking eigentlich nicht vorgesehen ist. Das Team zeigt dies anhand von Favicons, die sich zu sogenannten Supercookies umfunktionieren lassen könnten.

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Die Beteiligten verweisen mit dem Begriff auf einen früheren Angriff, der die HSTS-Implementierung in Browsern ausnutzte. Mit Supercookies wurden ursprünglich Flash-Objekte bezeichnet, mit denen sich einzelnen Clients identifizieren lassen konnten. Inzwischen wird der Begriff für weitere Techniken zur Identifizierung und dem sogenannten Browser-Fingerprinting genutzt, die bestimmte Speichermechanismen der Browser ausnutzen. Im Fall der Favicons ist dies ein speziell vom Browser angelegter Cache für die kleinen Logos, die in den Browser-Tabs erscheinen.

Konkret besteht die Idee des Angriffs nun darin, viele verschiedene Subdomains für eine Webseite zu erstellen und darüber jeweils verschiedene Favicons zu verteilen. Diese werden dann in den Browser-Caches gespeichert. Wird die Seite erneut besucht, können Nutzer über die Subdomains umgeleitet werden. Dabei lässt sich überprüfen, ob die Favicons bereits im Cache liegen oder neu heruntergeladen werden. Über die im Cache gespeicherten Daten lässt sich laut den Forschern dann eine eindeutige ID berechnen, die zum Fingerprinting genutzt werden kann, um eben individuelle Nutzer wiederzuerkennen.

Kein Schutz gegen Fingerprinting

Bisherige Möglichkeiten der Browser schützen jedoch nicht gegen diese Art des Trackings. Gegen den beschriebenen Angriff helfe weder die Verwendung eines Inkognito-Modus noch das Löschen von Browserdaten oder Webseitendaten über die Einstellungen, heißt es in der Arbeit. Auch populäre Browsererweiterungen, die ein Nutzer-Tracking verhindern sollen, erkennen das Fingerprinting nicht und lassen die Caches bestehen.

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Interessanterweise funktioniert das beschriebene Szenario nicht in Firefox. Das liegt jedoch wiederum an einem Fehler im Mozilla-Browser, den das Team bestätigt hat. Würde der Favicon-Cache im Firefox korrekt funktionieren, ließe sich auch dort das Favicon-Tracking umsetzen.

Mögliche Gegenmaßnahmen bestehen darin, den Favicon-Cache nicht für verschiedene Browsersitzungen zu verwenden und die Nutzung etwa im privaten Modus schlicht zu unterbinden oder den Cache mit anderen Browserdaten zu löschen. Außerdem könnten die Favicons an First-Party-Cookies gebunden werden, so dass sich die beschriebene Nutzung zum Fingerprinting erübrigt. Werden die Cookies gelöscht, ist auch das Fingerprinting nicht mehr umsetzbar.

Das Forschungsteam hat die großen Browserhersteller Apple, Brave, Google, Microsoft und Mozilla über seine Arbeit informiert. Die Unternehmen wollen nun Gegenmaßnahmen umsetzen, damit das beschriebene Fingerprinting nicht von Webseiten genutzt werden kann.

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jonasstrehle 29. Jan 2021

Hier findet sich eine simple Demonstration passend zum Thema: https//github&#046...

Truster 20. Jan 2021

Ich meine schon vor ca 10 Jahren Berichte übers tracken durch Favicons gelesen zu haben...

FreiGeistler 19. Jan 2021

Eher ist es so, dass dich die Tracking-Unternehmen durch die Fenster in der privaten...

D! 19. Jan 2021

ist das nur bei mir so? Daher viel Spaß beim Tracken!



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