Finfisher/Finspy: Bundeskriminalamt kauft Staatstrojaner von Gamma

Laut einem internen Dokument hat das Bundeskriminalamt den Staatstrojaner Finfisher/Finspy von Gamma gekauft. Das berichtet die Redaktion von Netzpolitik.org(öffnet im neuen Fenster) , der das Dokument des Bundesinnenministeriums(öffnet im neuen Fenster) vorliegt. Darin heißt es: "Des BKA hat für den Fall eines erforderlichen Einsatzes ein kommerzielles Produkt der Firma Eleman/Gamma beschafft."
Die Bundesregierung hatte schon im Dezember 2010 eingeräumt, dass das BKA eine Testversion von Finspy besitzt. Dieselbe Software wurde unter anderem vom Mubarak-Regime in Ägypten genutzt .
Die bisher genutzte Software von Digitask werde "von Behörden des Bundes nicht mehr eingesetzt" , hieß es in einer früheren Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linke-Bundestagsabgeordneten Jan Korte. "Für die Zeit bis zur Fertigstellung der Eigenentwicklung wird seitens des Bundeskriminalamtes eine kommerzielle Übergangslösung vorbereitet."
Das Bundeskriminalamt baut eine eigene Staatstrojaner-Fachgruppe auf. Doch Personalgewinnung und Eigenentwicklung brauchen noch bis Ende 2014.
Der Chaos Computer Club hatte am 8. Oktober 2011 aufgedeckt , dass der Staatstrojaner 0zapftis illegale Funktionen enthält. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2008 gegen einen Staatstrojaner für die Onlinedurchsuchung in Nordrhein-Westfalen geurteilt. Danach wurde an einer geänderten Variante der Spionagesoftware gearbeitet, die als "Quellen-TKÜ-Software" jedoch ausschließlich zur Überwachung von VoIP verwendet werden sollte. Doch 0zapftis konnte weit mehr als das: Die Spionagesoftware, die das finnische Sicherheitsunternehmen F-Secure Backdoor:W32/R2D2.A nannte, konnte auch Inhalte per Bildschirmfoto ausspionieren, und nach dem Nachladen von Funktionen wurde der Vollzugriff auf den Rechner möglich: Damit werde das Hinterlegen gefälschten belastenden Materials oder das Löschen von Dateien möglich, erklärte der Chaos Computer Club.
Ein Sprecher des Chaos Computer Club sagte Netzpolitik.org, dass Finfisher aus verschiedenen Komponenten bestehe, die bei Bedarf nachgeladen werden könnten. So ließen sich auch Spitzelfunktionen installieren, die weit über die an sich schon fragwürdige Quellen-TKÜ hinausgingen.