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Finanzen: Wie Anleger in Dividendenfonds investieren können

Dividendenfonds sind beliebt. Sie gelten als ertragreich, wenig riskant und krisenresistent. Dennoch haben sie ihre Tücken.
/ Thomas Öchsner
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Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Dividendenfonds. (Bild: George Morina/Pexels)
Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Dividendenfonds. Bild: George Morina/Pexels

Die Zinsen für Festgeld sind gefallen. Gut zwei Prozent sind gerade noch so zu bekommen. Zugleich spürt immer noch jeder und jede, dass das Leben teurer geworden ist. Mit Zinsen von knapp zwei Prozent lässt sich der Kaufkraftverlust bei einer Inflationsrate von zuletzt 2,2 Prozent allenfalls gerade noch ausgleichen.

Was aber können diejenigen tun, die gerne über ein zweites Einkommen verfügen wollen, idealerweise nur gespeist aus Kapitalerträgen? Sie können zum Beispiel auf Dividendenfonds und Dividenden-ETFs setzen. Mit ihnen haben Anleger gute Chancen, regelmäßige Ausschüttungen zu bekommen, die über den derzeit aktuellen Festgeldzinsen liegen, und so die Inflation zu schlagen – bei einem einigermaßen überschaubaren Risiko, das solche Investments an den internationalen Aktienmärkten mit sich bringen. Was für und was gegen ein solches Investment spricht – die wichtigsten Fragen und Antworten mit Übersichtstabellen in diesem Artikel.

Was sind Dividenden und was ist die Dividendenrendite?

Viele Unternehmen, deren Aktien an einer Börse gehandelt werden, schütten einen Teil ihres Gewinns als Dividende aus. Das passiert meist im Frühjahr, wenn die Dividendensaison beginnt. Diese Gewinnbeteiligung steht jedem Aktionär und jeder Aktionärin zu, schließlich sind sie ja Miteigentümer des Unternehmens.

Die Dividenden werden in der Regel direkt nach der Hauptversammlung ausgeschüttet, also nach dem alljährlichen, immer häufiger virtuellen Treffen der Aktionäre. Aktiengesellschaften hierzulande zahlen einmal im Jahr die Dividende aus. Anders ist das bei US-Unternehmen: Hier gibt es ein Stück vom Gewinn oft jedes Quartal, also viermal im Jahr.

Ein bekanntes Beispiel: Europas größter Vermieter, Vonovia, hat für das Geschäftsjahr 2024 Anfang Juni 2025 eine Dividende von 1,22 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Setzt man das ins Verhältnis zum Vonovia-Aktienkurs von damals von knapp 29 Euro(öffnet im neuen Fenster) , erhielt man eine Dividendenrendite von etwas mehr als vier Prozent (Dividende geteilt durch Aktienkurs x 100).

Das ist deutlich mehr, als in diesem Jahr mit einer Anlage in Festgeld (g+) drin war und ist. Der durchschnittliche Zinssatz für Festgeld mit einer Laufzeit von 24 Monaten belief sich Ende September 2025 laut dem Index des Verbraucherportals biallo.de(öffnet im neuen Fenster) auf knapp 1,5 Prozent.

Welche Arten von Dividendenfonds gibt es?

Wie bei anderen Aktienfonds gibt es die gemanagten Varianten, bei denen Fondsmanager die Dividendenaktien nach bestimmten Kriterien selbst auswählen. Der beliebteste deutsche gemanagte Dividendenfonds, der DWS Top Dividende, mit mehr als 20 Milliarden Euro Volumen, ist vornehmlich in den Sektoren Finanzen, Gesundheit und Energie investiert, aber kaum in Technologiewerte(öffnet im neuen Fenster) .

Laut DWS konzentriert sich der Fonds auf "in- und ausländische Unternehmen, die eine überdurchschnittliche Dividendenrendite erwarten lassen." Weitere Voraussetzungen: Die Dividenden müssen langfristig gewachsen sein, und es sollten gute Aussichten bestehen, dass das auch in Zukunft so bleibt(öffnet im neuen Fenster) .

Anleger können aber auch die deutlich günstigeren Exchange Traded Funds (ETFs) kaufen, die eins zu eins einem dividendenorientierten Aktienindex folgen. Beispiel: Der ausschüttende ETF(öffnet im neuen Fenster) Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF basiert auf dem FTSE All-World High Dividend Yield Index (PDF)(öffnet im neuen Fenster) , einem Aktienkorb von derzeit knapp 2.400 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern.

Meta, Nvidia, Microsoft und Co. sind nicht in dem Fonds enthalten, da der FTSE All-World High Dividend Yield auf Unternehmen mit hoher Dividendenrendite setzt. Gewichtet sind die Unternehmen nach ihrem Börsenwert, der sogenannten Marktkapitalisierung.

Zu den größten Einzelwerten im ETF zählen JP Morgan Chase, Johnson & Johnson, Exxon Mobil und Procter & Gamble, die jeweils in den Branchen Pharma, Öl und Finanzen tätig sind. Den ETF dominieren Banken, Versicherungen und andere Finanzwerte mit einem Anteil von insgesamt rund 30 Prozent. Einen starken Stellenwert haben auch US-Aktien mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent.

Wieso sind Dividendenfonds so beliebt?

Ali Masarwah, Geschäftsführer des Fondsvermittlers Envestor, begründet die Faszination für diese Anlageform so: "Mit Dividendenfonds hat der Vertrieb eine plausibel klingende Story. Die Verkäufer können ihren Kunden erzählen, dass sie mit den regelmäßigen Ausschüttungen über stabile Einnahmen verfügen und direkt am Gewinn des Unternehmens beteiligt sind, ohne angeblich ein allzu großes Risiko einzugehen." Die jährliche Dividendensaison sei "für dieses Narrativ regelmäßig ein sehr guter Aufhänger."

Wie wichtig sind Dividenden für den Ertrag von Aktien?

Je nach Region stammt ein Fünftel bis die Hälfte des gesamten Ertrags von Aktien aus Dividenden. Dividenden zahlen aber vor allem Unternehmen aus der etablierten Old Economy, dazu zählen Autohersteller, Banken, Pharma- und Nahrungsmittelkonzerne oder Energiefirmen, aber auch Immobilienfirmen wie Vonovia. Unter Tech-Konzernen wie Amazon, Nvidia, Meta, Alphabet (Google), Microsoft oder Apple finden sich dagegen keine oder nur knausrige Dividendenzahler.

Sie stecken ihre Gewinne lieber ins Geschäft und neue Produkte, als sie an ihre Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten. "So sind Dividenden etwa für den Nasdaq, den Markt in New York für die wachstumsstärksten Unternehmen der Welt, weit weniger wichtig als für die Börsen in Europa," sagt Fondsexperte Masarwah.

Beispiel Dax: Der Index für die 40 wichtigsten deutschen Standardwerte legte in den vergangenen 20 Jahren um rund 385 Prozent zu(öffnet im neuen Fenster) , die Dividenden wie üblich eingerechnet. Würde man die Dividenden herausrechnen, hätte der Dax nur gut 160 Prozent an Wert gewonnen(öffnet im neuen Fenster) .

Was spricht gegen den Kauf von einzelnen Aktien mit hohen Dividendenrenditen?

Manche Privatanleger und Anlegerinnen, die Wert auf laufende Erträge und damit ein regelmäßiges Zusatzeinkommen legen, haben sich ein Portfolio mit Aktien von Unternehmen aufgebaut, die kontinuierlich steigende Dividenden auszahlen. Man spricht dann von den sogenannten Dividenden-Aristokraten.

Das sind meist Konzerne aus den USA wie das Telekommunikationsunternehmen AT&T, der Mineralölkonzern Exxon Mobil oder der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, die über Jahrzehnte hinweg ihre Aktionäre regelmäßig mit höheren Dividenden beglücken konnten.

Der Kauf von Einzelaktien ist aber riskanter als der Kauf von Fonds beziehungsweise ETFs. Das gilt auch für die Anteilsscheine von Unternehmen, die als verlässliche Dividendenzahler gelten. Zu den Risiken gehören:

  • Die Höhe der Dividende einer Aktie kann sich jedes Jahr ändern. Sinken die Gewinne der Aktiengesellschaft, wird die Dividende nicht selten gekürzt. Oder sie fällt für ein oder mehrere Jahre sogar ganz aus. Der krisengeschüttelte Chemie- und Pharmakonzern Bayer etwa kürzte die Dividende auf 11 Cent je Aktie, um Schulden aus der Übernahme von Monsanto abbauen zu können. Zuvor schüttete Bayer zehn Jahre lang mindestens zwei Euro pro Aktie aus, manchmal auch deutlich mehr.
  • Gute Dividendenrenditen von drei, vier Prozent können ein Hinweis auf die Ertragsstärke des Unternehmens und eine aktionärsfreundliche Unternehmensstrategie sein. Vorsicht ist hingegen bei Dividendenrenditen von fünf, sechs, sieben, acht oder mehr Prozent geboten. Häufig sind sie auf fallende Aktienkurse zurückzuführen, wie etwa bei Vonovia. Der Kurs stürzte im Zuge des Preisverfalls am deutschen Immobilienmarkt von mehr als 50 Euro bis auf vorübergehend unter 20 Euro, um sich in der Folge wieder leicht zu erholen. Sinkende Kurse gelten aber als Signal dafür, dass die Anleger Zweifel haben, ob das Unternehmen weiter rentabel wirtschaftet und überhaupt finanziell in der Lage ist, weiter ordentliche Ausschüttungen zu bezahlen. Man spricht deshalb auch von der "Dividendenfalle".

Was spricht für Dividendenfonds – und was dagegen?

Wer Einzeltitel kauft, geht ein hohes Risiko ein, danebenzugreifen und in die Dividendenfalle zu geraten. Mit Dividendenfonds und Dividenden-ETFs können Anlegerinnen und Anleger hingegen ihre Anlage breit streuen, da sie so in eine Vielzahl von Dividenden-Zahlern aus verschiedenen Branchen und Regionen investieren.

Das trägt dazu bei, das Risiko im Portfolio zu verringern. Gerät ein Unternehmen in eine Krise und streicht die Dividende, ist das kaum spürbar, wenn es bei den anderen Unternehmen im Fonds weiter gut läuft.

Laut Barbara Claus, Senior Analystin beim Fondsanalysehaus Fondsconsult, sind Dividendenfonds "für etwas konservativere Anleger interessant, die lieber auf solide Erträge als auf ein potenzielles, zukünftiges Wachstum setzen möchten." So schwankten Aktien dividendenstarker Unternehmen oft weniger stark als Wachstumswerte und verlören in Krisenzeiten weniger als der breite Markt.

Außerdem dienten die regelmäßigen Ausschüttungen "als Puffer für die Wertentwicklung," sagt Claus. Obwohl Dividenden nicht garantiert seien und gekürzt werden können, dürften "Anleger auch in Krisenzeiten mit regelmäßigen Ausschüttungen rechnen."

Im Corona-Jahr 2020 etwa seien die Dividenden weltweit nur um etwa zwölf Prozent gefallen. Nun könnten Dividendenwerte in einer Zeit, in der neue Zölle, mögliche Handelskriege und die steigende Verschuldung vieler Staaten die Weltwirtschaft beeinträchtigen, wieder als Sicherheitspuffer an Attraktivität gewinnen. Aber nicht nur deshalb: Mit europäischen Dividendenwerten könnten Anleger versuchen, das US-Übergewicht in ihrem Wertpapierdepot zu verringern .

Was spricht gegen Dividendenfonds?

Fondsexperte Masarwah warnt davor, vor allem auf den Dividendenertrag zu schauen. Entscheidend sei der Gesamtertrag aus Kursentwicklung und Dividende. Wer vornehmlich in Dividendenfonds investiere, lege aber eher in weniger wachsende Unternehmen an und verzichte so auf mögliche schöne Kursgewinne.

"Die langfristige schlechtere Wertentwicklung ist das größte Risiko, das Dividendenanleger eingehen können. Es ist viel größer als punktuelle Kurseinbußen, die es bei jedem Investment in Aktienfonds geben kann," sagt Masarwah.

Er hält auch nichts davon, wenn Dividendenfonds als defensive Anlage mit geringeren Kursrisiken verkauft werden, denn auch verlässliche und gute Dividendenzahler hätten ein hohes Kursrisiko. So legte der bereits erwähnte DWS Top Dividende in den vergangenen zehn Jahren zwar immerhin knapp 80 Prozent(öffnet im neuen Fenster) zu, der Weltindex MSCI World, ein Index mit mehr als 1.300 Unternehmen in 23 Industrieländern, hingegen in Euro umgerechnet um rund 200 Prozent(öffnet im neuen Fenster) . Und das lag auch daran, dass die stark gewachsenen Technologiewerte im MSCI World inzwischen ein starkes Gewicht haben.

Können Anleger sich so ein Zusatzeinkommen sichern?

Dividendenfonds können Anleger in der thesaurierenden Variante kaufen. Dabei werden die Dividenden innerhalb des Fonds sofort reinvestiert, dadurch erhöht sich die Basis für weitere Ausschüttungen. Anleger profitieren vom Zinseszinseffekt, weil Erträge sofort wieder angelegt und mitverzinst werden, wobei der Zins in diesem Fall die Dividende ist.

Oder sie wählen die ausschüttende Variante. Dabei werden die Erträge teilweise einmal im Jahr, manchmal halbjährlich und nicht selten viermal im Jahr ausgezahlt. Beim bereits erwähnten Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF zum Beispiel bewegten sich die Ausschüttungsrenditen(öffnet im neuen Fenster) in den vergangenen vier Jahren zwischen 3,35 und 3,75 Prozent pro Jahr. Ausgeschüttet wurde viermal im Jahr.

Fondsexpertin Claus favorisiert Dividendenfonds besonders für Anleger, "die regelmäßige Ausschüttungen erhalten möchten, ohne den Kapitalstock anzugreifen, beispielsweise für ein zusätzliches Einkommen im Alter" . Fondsexperte Masarwah hält entgegen: "Mit dem Zusatzeinkommen wird suggeriert, dass die Dividende ein Zins ist, der so sicher kommt wie bei einer Anleihe oder beim Festgeld."

Das stimme aber nicht, weil die Dividende ja geringer oder ganz ausfallen könne. Und nicht nur das: "Wird das Geld ausgeschüttet und nicht wieder angelegt, drückt das erheblich auf die künftige Wertentwicklung, weil Anlegende nicht mehr vom Zinseszinseffekt profitieren," warnt Masarwah.

Sollten Anleger zu gemanagten Dividendenfonds greifen oder zu ETFs?

Für Selbstentscheider, die ihr Portfolio selbständig managen, kommen Dividenden-ETFs infrage. "Diese punkten, wie immer, mit geringen Kosten," sagt Claus. Häufig liegen sie bei unter 0,5 Prozent pro Jahr, bei den gemanagten Varianten sind es zum Teil deutlich mehr als zwei Prozent.

Das kostet viel Rendite, zumal noch eine hohe Kaufgebühr (Ausgabeaufschlag) hinzukommen kann. Beim DWS Top Dividende ist regulär, also ohne Rabatt bei einer Onlinebank oder einem Discountbroker, ein Ausgabeaufschlag von satten fünf Prozent zu zahlen. Das muss erst einmal wieder verdient werden.

So schneiden Dividenden-ETFs im Vergleich zu den gemanagten Varianten bei der Wertentwicklung meist besser ab. Das ist nicht nur auf die geringeren Kosten zurückzuführen. Fondsmanagern und Managerinnen von breit gestreuten Aktienfonds gelingt es meist nicht, besser als der Markt abzuschneiden. Das hat gerade erst wieder eine Untersuchung der Ratingagentur Scope (PDF) gezeigt (PDF)(öffnet im neuen Fenster) .

Die Dividenden-ETFs können laut Claus jedoch "auch ihre Tücken" haben, etwa weil bestimmte Branchen zu dominant werden, wie zum Beispiel Banken im Jahr 2008, oder weil das Risiko zu wenig gestreut ist, wie etwa beim Index DivDAX mit nur 15 Titeln aus Deutschland.

"Diese Klumpenrisiken vermeiden aktive Manager in der Regel," sagt Claus Masarwah und rät, darauf zu achten, mit den Fonds nicht in die besagte Dividendenfalle zu tappen, also in Fonds zu investieren, die Unternehmen nur aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite auswählen. Dahinter verbergen sich nicht selten "gefallene Engel", also Unternehmen, deren Aktienkurs rasant gefallen ist und die nur deshalb eine hohe Dividendenrendite ausweisen.


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