Finanzdienstleister: Wirecard sieht kein Fehlverhalten

Berichten der Financial Times zufolge soll der Finanzdienstleister Wirecard unsauber arbeiten - der Markt hat die Vorwürfe mit Kursstürzen der Wirecard-Aktie aufgenommen. Das Unternehmen selbst sieht kein Fehlverhalten und will alle Vorgänge intern aufgearbeitet haben.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Über seinen Dienst Boon ist Wirecard auch mit Google Pay kompatibel.
Über seinen Dienst Boon ist Wirecard auch mit Google Pay kompatibel. (Bild: Wirecard)

Der unter Druck stehende Zahlungsabwickler Wirecard sieht die Vorwürfe zu seinen Geschäften in Singapur als unbegründet an. Seit Mai 2018 gebe es eine Untersuchung dazu, die kurz vor dem Abschluss stehe, teilte Wirecard mit. Bisher habe weder die interne Compliance-Abteilung von Wirecard, noch die vom Konzern beauftragte Anwaltskanzlei Rajah & Tann schlüssige Feststellungen für ein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens gefunden.

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Nach Berichten in der Financial Times (FT) über angebliche Unregelmäßigkeiten in Singapur war der Wirecard-Aktienkurs Ende Januar 2019 um rund 35 Prozent eingebrochen. Wirecard hat die Vorwürfe der FT wiederholt als diffamierend und irreführend zurückgewiesen. Die Finanzaufsicht Bafin prüft den Fall routinemäßig auf Marktmanipulation - solche Kursturbulenzen sind vor allem bei Mitgliedern im Leitindex Dax höchst ungewöhnlich. Am 4. Februar 2019, kurz nach Börsenstart, liegt die Aktie auf die Erklärung hin um 6 Prozent im Plus.

Verstöße in Singapur werden eingeräumt

Wirecard räumte ein, dass ein Mitarbeiter in Singapur im April 2018 Bedenken wegen angeblicher Handlungen eines anderen Mitarbeiters intern gemeldet habe. Die Vorwürfe drehten sich um mögliche Regelverstöße im Bereich der Rechnungslegung für den Zeitraum 2015 bis 2018, hieß es vom Unternehmen. Es sei dabei um Umsätze in Höhe von insgesamt 6,9 Millionen Euro und Gesamtkosten in HÖhe von 4,1 Millionen Euro gegangen. Außerdem stand demnach ein interner Transfer von geistigem Eigentum an Software im Wert von 2,6 Millionen Euro zur Debatte. Die Behörden in Singapur sehen sich den Fall ebenfalls an, wie eine Sprecherin der Polizei der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte.

Wirecard-Chef Markus Braun wehrte sich auch persönlich gegen die Vorwürfe. "Wir haben alles aufgearbeitet. Es gibt keinerlei Risiko. Wir mussten in der Buchhaltung keinerlei Korrekturen oder Anpassungen vornehmen", sagte er dem Handelsblatt. Braun ist mit gut 7 Prozent größter Aktionär des Unternehmens, seit Dienstagabend war der Wert seines Aktienpakets um rund 500 Millionen Euro gesunken. Insgesamt gingen bis Freitag über 7 Milliarden Euro Börsenwert verloren.

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Auf die Frage, ob auch in anderen Anwaltskanzleien Unterlagen zu Vorwürfen wie denen aus Singapur vorliegen könnten, sagte Braun dem Blatt: "Nein. Es gibt keine weiteren Vorgänge. Unsere Aktionäre werden ein starkes Jahr 2019 erleben." Am 4. Februar 2019 will sich das Unternehmen zudem am Mittag in einer Telefonkonferenz zu den Vorwürfen äußern.

Vorwürfe gegen Wirecard sind nicht neu

Wirecard ist schon des öfteren mit fragwürdigen Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht worden, nachgewiesen wurde dem Unternehmen jedoch bisher nichts. Aufsehen erregte vor allem ein im Februar 2016 lanciertes Papier eines selbsternannten Researchdienstes namens Zatarra, das vor Vorwürfen rund um fragwürdige Geschäftspraktiken nur so wimmelte. Bekanntgemacht hatte das Papier unter anderem ein Finanzblog der FT.

Hinter dem Zatarra-Bericht steckte nach Ansicht von Experten und Ermittlern damals eine Attacke von sogenannten Short-Sellern, die mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen. Auch damals verlor die Aktie deutlich an Wert - allerdings auf einem deutlich niedrigeren Kursniveau als derzeit. Der letzte größere Kurssturz infolge eines gestreuten Papiers liegt nur rund ein Jahr zurück, aber bereits 2008 war die Aktie Ziel von Angriffen.

Wirecard ist erst im September 2018 in den deutschen Leitindex Dax eingezogen. Nach Jahren kräftigen Wachstums und Zukäufen vor allem in Asien war das Unternehmen, das mit der Abwicklung von Onlinezahlungen sein Geld verdient, beim Börsenwert an den größten deutschen Banken, der Deutschen Bank und der Commerzbank, vorbeigezogen.

Komplexes Geschäftsmodell mit vielen Partnern

Wirecards Geschäftsmodell gilt als komplex, da an jeder Transaktion mehrere Parteien beteiligt sind - neben Händlern und Wirecard selbst unter Umständen auch Kreditkartenfirmen und Banken. Analysten hatten in der Vergangenheit auch die Transparenz des Unternehmens bei den Geldflüssen bemängelt, bis Wirecard sich hier tiefer in die Bücher schauen ließ.

In den vergangenen Jahren ist Wirecard unter anderem durch Übernahmen in Asien stark gewachsen. Das Unternehmen zählte zuletzt 40.000 größere und mittlere Händler zu seinen Kunden, bei kleinen Händlern sind es sogar 225.000. Wirecard übernimmt neben der reinen Zahlungsabwicklung auch die Akzeptanz von Kreditkarten für die Händler und sichert die Zahlungen ab. Dafür kassiert Wirecard Gebühren, die sich am Wert der Transaktionen orientieren.

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