Final Fantasy 16 im Test: Nach dem zauberhaften Auftakt verblasst die Magie
Die Bewohner des Dörfchens Eastpool sind gerührt: Endlich bekommen sie Besuch von Lord Clive Rosfield – also von uns! Wir lernen das Schicksal der älteren Witwe Hannah kennen und treffen einen schon leicht verkalkten älteren Herrn, der seit Jahren am Brunnen auf uns wartet.
Im Rahmen der Geschichte von Final Fantasy 16 ist es etwas Besonderes, dass wir uns mit unseren Untertanen treffen. Das hat allerdings nichts mit einem vollen Terminkalender und zeitraubenden Regierungsgeschäften zu tun – ganz im Gegenteil. Die genauen Gründe verraten wir hier aber nicht.
In Final Fantasy 16 steuern wir Clive durch eine Kampagne mit einem Umfang von rund 30 bis 35 Stunden, dazu kommen Nebenaufgaben. Die Handlung dreht sich um mehrere, teils verfeindete, teils verbündete Königreiche in einer Fantasywelt.
Vor allem aber geht es um mächtige Zauberwesen wie Ifrit und Phoenix, die wir schon aus früheren Serienablegern kennen. In Teil 16 haben diese Wesen eine Art Meister – den sogenannten Dominus. Wer den Dominus ausschaltet, legt damit zumindest für längere Zeit gleichzeitig auch das Zauberwesen lahm, was den Königreichen einen Vorteil bei ihren Machtkämpfen gewährt.
Auf dieser Grundkonstellation entwickeln sich dann Ereignisse, die sowohl die Welt als auch Clive und seine Familie betreffen – und ebenso die Bewohner von Eastpool und natürlich auch uns. Den packend inszenierten Anfang der Kampagne ( angespielt auf Golem.de ) kann man in einer kostenlosen Demo kennenlernen und den Fortschritt per Savegame übertragen.
Nach der Demo geht es ähnlich linear weiter: Final Fantasy 16 läuft fast wie ein Film ab. Wir steuern Clive zwar selbst durch die Umgebungen, besonders viel Bewegungsspielraum haben wir dabei nicht. Selbst in halboffenen Umgebungen gibt es kaum freies Erkunden.
In ein paar Punkten unterscheidet sich das Spiel deutlich von den meisten Vorgängern. Vor allem: Wir steuern tatsächlich nur Hauptfigur Clive – und eben keine Gruppe. Etwas später im Spiel werden wir unter anderem von einer jungen Frau und dem Hund Torgal begleitet, aber um die kümmert sich der Computer. Lediglich Torgal können wir ein paar simple Befehle erteilen.
Auch das Gameplay erinnert wenig an frühere Serienteile. Es gibt kaum Gegenstände und Ausrüstung zum Sammeln, stattdessen bekommen wir ab und zu mal ein stärkeres Schwert oder einen minimal besseren Armschutz – aber das war es auch schon.
Unsere Charakterwerte werden bei Levelaufstiegen automatisch optimiert, außerdem können wir in einem einfachen Fähigkeitensystem ein paar Skills freischalten und verbessern – abendfüllend ist das aber nicht.
Es gibt Nebenmissionen, die sind aber extrem einfach. So müssen wir in einer Kneipe für den Wirt die Teller zu drei Gästen bringen oder paar Monster töten. Selbst World of Warcraft wäre das schon seit Jahren zu langweilig!
Wo, bitte, sind die Monster?
Die Stimmung in Final Fantasy 16 ist ernst und bedrückt, teils düster und dunkel – was auch wörtlich gemeint ist: In einigen Abschnitten ist es so finster, dass wir die Gegner nur noch anhand von Zaubereffekten und Statusanzeigen erkennen. Zum Glück funktioniert die Feindaufschaltung ziemlich gut, so dass das nicht wirklich zum Problem wird.
Das Kampfsystem erinnert an Actionspiele wie Bayonetta. Auf Tastendruck hauen wir mit unserem Schwert zu oder lösen einen Zauberangriff aus. Nach und nach bekommen wir immer mehr Kombos und Spezialattacken, außerdem können wir ausweichen sowie blocken und parieren.
Das Ergebnis sind fordernde Kämpfe, vor allem die Auseinandersetzungen mit Riesenmonstern ziehen sich teils in die Länge, gleichzeitig sind sie fantastisch und wunderbar aufwendig animiert.

Eine Besonderheit ist das System zur Anpassung des Schwierigkeitsgrads. Es gibt Amulette, die wir tragen und damit aktivieren können. Dann sorgen sie dafür, dass komplizierte Kombos automatisch beim Zuschlagen ausgelöst werden oder dass wir vor feindlichen Schlägen eine Warnung sehen. Wir müssen dann nur noch halbwegs schnell R1 drücken – und sind in Sicherheit.
Wer diese Extras verwendet, kommt fast ganz mit stupidem Drücken der Angriffstaste und ab und zu einem Ausweichmanöver durch die größten Kämpfe – oft sogar ohne nennenswerte Kratzer oder Medizin.
Wer es hingegen besonders fordernd mag: Nach dem erstmaligen Absolvieren der Kampagne kann man im New Game Plus einen zweiten Durchgang gegen stärkere Gegner versuchen.
Final Fantasy 16: Verfügbarkeit und Fazit
Die Grafik wirkt nicht besonders aktuell. Es gibt die schon angesprochenen zu dunklen Abschnitte, dazu viele matschige Texturen und wenig Sichtweite. Pluspunkte sind die vielen aufwendigen Animationen und schicke Zaubereffekte. Ruckler oder sonstige technische Probleme sind uns nicht aufgefallen.
Final Fantasy 16 erscheint am 22. Juni 2023 für Playstation 5, die Standardversion kostet rund 80 Euro und belegt etwas mehr als 90 GByte auf der SSD. Es gibt weder Multiplayer noch Mikrotransaktionen.
Die deutsche Sprachausgabe finden wir sehr gelungen, fast alle Sprecher passen prima zu den jeweiligen Figuren und machen ihren Job mit viel Feingefühl und Emotionen. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahre erteilt.
Derzeit ist keine Version für Windows-PC angekündigt, allerdings gibt es von Square Enix immer wieder vage Hinweise auf eine Umsetzung. Die kann frühestens sechs Monate nach Release der PS5-Fassung erscheinen – wahrscheinlich wird es später. Ein Port für die Xbox Series X/S ist sehr unwahrscheinlich.
Fazit
Das Beste an Final Fantasy 16 sind die ersten zwei bis drei Stunden, also ungefähr die spielbare Demo. Danach erleben wir mit Clive zwar immer noch ein spannendes Abenteuer. Aber das hohe Niveau des Auftakts wird nicht mehr erreicht – trotz gelungener Überraschungen, berührender Momente und epischer Monsterbegegnungen.
Dazu kommt das Problem, dass wir in Final Fantasy 16 auf merkwürdige Art in der Zuschauerrolle bleiben, das Spiel wirkt viel mehr als die Vorgänger wie ein interaktiver Film. Klar, wir dürfen zwischendurch kämpfen. Aber Entscheidungen oder echte Auseinandersetzungen mit der Welt gibt es fast nicht.
Nur mal als Beispiel: An ein paar Stellen wird der Eindruck erweckt, dass wir eine computergesteuerte Figur verfolgen müssen. Wir waren geradezu elektrisiert: Endlich werden wir mal an der Story beteiligt – nur, um dann festzustellen, dass sich die Sache nach wenigen Augenblicken schon wieder erledigt hat.
Das Kampfsystem erinnert an Actionspiele wie Bayonetta und macht Spaß – uns gefällt es viel besser als beim Vorgänger. Einige der größeren Gefechte kommen uns aber in die Länge gezogen vor, außerdem geht es manchmal sehr unübersichtlich zu.
Das System mit dem über Amulette anpassbaren Schwierigkeitsgrad finden wir clever, auch wenn man sich das Spiel damit fast schon zu einfach machen kann, ohne es gleich zu merken.
Für uns fühlt sich Final Fantasy 16 wie eine kleine Enttäuschung an. Insbesondere vermissen wir mehr Abwechslung beim Gameplay, wir wollen nicht nur in Kämpfen gefordert werden. Das Spiel ist dennoch eine Empfehlung für alle, die primär eine spannende Fantasy-Geschichte erleben möchten – auch wenn das Beste davon der Start ist.
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