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Man sollte nicht blind auf Weiterleiten oder Retweet klicken

Zeit Online: Postet man etwas auf Facebook, hat man unter seinen Freundinnen und Freunden vielleicht Menschen, die etwas anders sehen und auch mal widersprechen. In geschlossenen Gruppen, ob auf Facebook, Whatsapp oder Telegram, bleibt Desinformation oder Hetze möglicherweise eher unwidersprochen, weil die Gruppen homogener sind. Wie kann man durchdringen?

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Mahrt: Tatsächlich könnte es schwieriger sein, geschlossene Gruppen zu erreichen. Wir selbst, die wahrscheinlich überwiegend in lockeren, offeneren Gruppen sind, können aber auch unseren Beitrag leisten, indem wir zum Beispiel vorsichtig sind, wenn wir etwas teilen. Liest jemand etwas in einer WhatsApp- oder Facebook-Gruppe, sollte er prüfen: Um was für eine Quelle handelt es sich? Ist sie glaubwürdig? Hat irgendwer die Information geprüft? Wenn etwas gerade erst passiert ist, mag das schwierig sein. Aber zumindest sollte man nicht sofort blind auf den Weiterleiten-Knopf oder auf Retweet klicken. Dadurch vermeidet man, Falschinformationen weiterzuverbreiten oder im Falle von Terrorismus auch im Sinne des mutmaßlichen Täters zu handeln, der ja Aufmerksamkeit für seine Tat erhalten möchte.

Zeit Online: Wie kommt es überhaupt zu Echokammern und Filterblasen?

Mahrt: Klassische Medien orientieren sich gewöhnlich an der Mitte der Gesellschaft: Sie wollen möglichst viele Menschen erreichen, weil sie ein gewisses Publikum brauchen, um sich zu rentieren. Viele Onlinemedien können dagegen ein spezielleres Angebot produzieren, weil sich auch mit einer kleinen Zielgruppe Geld verdienen lässt. Das lässt sich auch auf politische Portale oder Foren im Netz übertragen. Der zweite Teil bezieht sich auf das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer. Durch die speziellen Angebote können sie sich nur noch mit den Themen beschäftigen, die sie interessieren. Zudem kann es sogenannte Homophilie-Effekte geben: Ich umgebe mich auf solchen Spezialseiten auch mit gleichgesinnten Menschen. Das kann dazu führen, dass wir uns gegenseitig in unserer Meinung bestärken. Zusammengenommen beschreiben die Teile die Echokammerthese: Ich und die Gleichgesinnten hören und lesen immer wieder nur noch das, was wir sowieso schon denken, alles andere dringt nicht mehr durch.

Zeit Online: Wie unterscheidet sich die Echokammer von der Filterblase?

Mahrt: Die Filterblasenhypothese beruht auf einer dritten Annahme: Schauen Sie sich ein Video auf YouTube an, schlägt Ihnen das Portal vor, was Sie sich als Nächstes anschauen könnten, oder startet vielleicht sogar automatisch den nächsten Clip. Solche Empfehlungsalgorithmen sind in der Regel darauf trainiert, mehr vom Gleichen zu zeigen - sie sind nicht darauf programmiert, einen breiten Überblick zu geben. Dadurch bestätigen auch sie uns möglicherweise in unseren Meinungen.

Zeit Online: Sie haben anfangs gesagt, dass wir uns nicht alle in Filterblasen oder Echokammern befinden. Wann wird es denn bedenklich?

Mahrt: Wenn Menschen beginnen, sich nur noch nach ihrem eigenen Weltbild zu informieren, und eine andere Perspektive nicht mehr zulassen. Sie machen dann Quellen, die ihre Überzeugungen anzweifeln, lächerlich, ziehen die Glaubwürdigkeit einer Information infrage oder bringen Gegenbeispiele, die sie entwerten. Je enger das Weltbild und die eigene Lebenswirklichkeit ist und je stärker man sich auf verschiedenen Ebenen abkapselt, umso wahrscheinlicher ist es, dass man sich in seinen Einstellungen radikalisiert. Und dieser Effekt ist nicht an eine bestimmte politische Position oder Meinung gebunden.

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 Radikalisierung: Die meisten Menschen leben nicht in einer Blase
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smonkey 30. Okt 2019

Weil Nazi das Kurzwort für Nationalsozialist ist und der Nationalsozialismus seit 1945...

Stefan Grotz 25. Okt 2019

Die Generation vor uns hat sich meist aus einer Tageszeitung mit klarer politischer...

Pandora_22 24. Okt 2019

Das Problem der Filterbubble, die jeden zu einem gewissen Maß umgibt liegt ja nicht...

vollstorno 24. Okt 2019

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vollstorno 23. Okt 2019

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