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Filmkritik Star Wars Episode VII: Die Rückkehr der Retro-Ritter

Gerade die Rückbesinnung auf alte Technik macht den neuen Star-Wars-Film so besonders. Die Handlung von Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht dagegen scheitert ausgerechnet an den Referenzen auf die Originalfilme.
/ Daniel Pook
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Offizielles Filmplakat von Star Wars: Episode 7 (Bild: Disney/Lucasfilm)
Offizielles Filmplakat von Star Wars: Episode 7 Bild: Disney/Lucasfilm

"Echte Sets. Practical Effects", mit diesem Versprechen zu Beginn eines Making-of-Trailers ließ Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill vor ein paar Monaten die ohnehin schon hohen Erwartungen an die siebte Star-Wars-Episode noch größer werden. Klassische Handarbeit sollte endlich wieder die Drehs mit Darstellern in grünen und blauen Räumen ersetzen – ganz nach dem Vorbild der Originalfilme. Und Regisseur J.J. Abrams hat Wort gehalten. Dass der Film trotzdem enttäuscht, liegt an der Handlung.

Star Wars VII – Das Erwachen der Macht – Making-of
Star Wars VII – Das Erwachen der Macht – Making-of (03:42)

Kleiner Hinweis vorweg: Wir werden die Handlung nicht spoilern. Wer allerdings bisher Trailer und Interviews über den Film gemieden hat, und wem schon kleinste Vergleiche und Andeutungen in Bezug auf Ähnlichkeiten zu bisherigen Star-Wars-Filmen die Freude am Kinogang verderben würden, der sollte die Passagen ab der Zwischenüberschrift "30 Jahre später in einer weit, weit entfernten Galaxis" meiden. Denn zumindest die gezeigten Figuren, Sequenzen und Erkenntnisse kommen dort zur Sprache.

Obwohl Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht, so der komplette deutsche Filmtitel, voller digitaler Effekte steckt und auch nicht gänzlich ohne Greenscreen auskommt, ist so viel wie möglich tatsächlich handgemacht. Ob nun Han Solos von innen bis außen komplett nachgebauter Rasender Falke, musizierende Aliens, die nicht aus Bits und Bites bestehen, oder Sturmtruppen, die von Explosionen durch die Luft gewirbelt werden: Was in der Realität umsetzbar war, hat das Drehteam nicht einfach Computern überlassen. Und das sehen wir nicht nur, sondern spüren es auch.

Wenn Raumschiffe in voller Größe wirklich da stehen, wo sie stehen und hinter den Masken fantasievoller Wesen atmende Menschen stecken, gibt das der fiktiven Welt eine spürbare Haptik. Und die Schauspieler am Set erfahren die Art von Integration, die ihre Kollegen bei den Dreharbeiten der Episoden I bis III Interviews zufolge oft sehr vermisst haben.

Ein bisschen Nostalgie ist auch dabei

Kaum ein anderes Franchise schafft es wohl, nur mit dem Bild eines leeren Raumschiffkorridors bei so vielen Menschen nostalgische Gefühle zu erzeugen. Hier passiert es gleich reihenweise – selbst bei manch einem Rohr in den Gängen einer Weltraumstation hatten wir das Gefühl eines freudigen Wiedersehens. Solche Emotionen konnten die ab 1999 erschienenen Episoden I bis III nie erzeugen, da ihr rein digitaler Look zu künstlich und auch die sonstige Gestaltung der Galaxis an einem weit, weit entfernten Ort wie aus einem ganz anderen Universum wirkte.

Vom Wiedersehensfaktor abgesehen, macht es auch einfach mehr Spaß, echte Explosionen auf der großen Leinwand zu bestaunen. Wilde Kameraflüge durch ein Sci-Fi-Schlachtfeld voller echter Menschen in Sturmtruppenrüstung sind packender als Roboterarmeen, Klontruppen und Gungans in steril gerenderten Actionsequenzen, die scheinbar von allen Regeln der Physik befreit durcheinanderlaufen, während zwischendrin noch irgendwo ein paar Lichtschwerter umherwirbeln.

Alte und neue Technik verschmelzen wunderbar

Allerdings – und das ist nicht zu viel verraten – kommen Freunde spannender Dogfights zwischen X-Wings und TIE Fighter oder gar ausufernder Weltraumschlachten in Episode VII so gut wie gar nicht auf ihre Kosten. Das hebt sich Disney wohl für das angekündigte Spin-off Rogue One auf, in dem es um eine Fliegerstaffel und die Beschaffung der Pläne des ersten Todessterns vor Episode IV gehen soll.

Außerdem scheinen die Zeiten abgefilmter Raumschiffmodelle in Szenen wie diesen endgültig vorbei zu sein. Sobald der Millenium Falcon abhebt, sich ein Sternzerstörer-artiges Riesenraumschiff ins Bild schiebt oder Piloten-Ass Poe Dameron seine Flugkünste zeigt, sehen wir die wenigen fast komplett mit CGI erschaffenen Momente von Star Wars VII. Die blenden sich dafür aber wunderbar in den restlichen Film ein und zeigen oft bildgewaltige Kompositionen oder rasante Action, für die es sich lohnt, Das Erwachen der Macht zumindest einmal im Kino zu sehen.

35-mm-Film sieht auch digital gut aus!

Dass der Großteil von Episode VII auf echtem 35-mm-Film gedreht wurde, wird den meisten Kinogängern wahrscheinlich gar nicht bewusst auffallen. Da heutige Hollywood-Blockbuster selbst wenn sie analog gedreht sind, als eingescanntes Material am Computer mit Farbbearbeitung und Effektelementen aufbereitet werden, sehen sie natürlich nicht so – aus heutiger Sicht – nostalgisch aus wie beispielsweise der erste Star Wars von 1977 in seiner Urform.

Ausgespielt werden die Filme in den meisten Kinos heutzutage sowieso als digitale 2k-Projektion, dazu noch meist als nachträglich konvertierte 3D-Version. Trotzdem hat die kaum digital nachzuahmende Charakteristik des analogen Films und seiner traditionellen Kameras nach wie vor Einfluss auf das Gesamtbild. Belichtung, Farben, Filmkorn und Bildtiefe erhalten in vielen Nuancen eine optische Qualität, die von Cineasten grundlegend mehr geschätzt wird als das häufig als zu klinisch sauber empfundene Bild gängiger Red- oder Arri-Alexa-Digitalkameras.

Atmosphäre wie in den Originalfilmen

Unser subjektiver Eindruck bestätigt dies im Falle von Episode VII. Dessen echte Sets und oft gewaltige Landschaftsaufnahmen – etwa bei langen Kameraschwenks über den Wüstenboden des Planeten Jakku, vermitteln trotz modernerer Aufbereitung so immer noch die Atmosphäre ähnlicher Momente aus der klassischen Trilogie. Dies natürlich im perfekten Zusammenspiel mit der Musik von Komponist John Williams, der auch schon bei allen vorhergegangenen Star-Wars-Filmen die Soundtrack-Orchester dirigiert hat.

Star Wars VII Das Erwachen der Macht – Trailer
Star Wars VII Das Erwachen der Macht – Trailer (02:16)

Ein weiterer großer Pluspunkt analog gedrehten Materials ist die Möglichkeit, es nachträglich problemlos in alle erdenklichen Auflösungen und Formate zu konvertieren. Besonders im Falle der langlebigen Star-Wars-Saga, die schon in der Vergangenheit mehrmals neu restauriert und im Wandel unterschiedlicher Ausgabemedien wiederveröffentlicht wurde, sicherlich kein Nachteil.

Auf gestalterischer und filmhandwerklicher Ebene bietet Das Erwachen der Macht alles, was Fans sich von J.J. Abrams erhofft haben, nachdem der Regisseur bereits Star Trek für das moderne Blockbuster-Kinopublikum wiederbelebt hatte. Doch der Film hat auch seine dunkle Seite. Denn trotz all des Produktionsaufwands, trotz der Rückkehr bekannter Star-Wars-Figuren aus der Original-Trilogie, und obwohl Episode VII durchweg besser ist als die Folgen I-III, ließ sie uns mit einem Gefühl milder Enttäuschung zurück. Und das liegt ausgerechnet daran, dass der Film so stark auf die Originalfolgen Bezug nimmt – und Vergleiche immer wieder nahelegt.

Hier noch einmal die Warnung: Wer absolut gar nichts über die Figuren und die Handlung des Films erfahren will, sollte hier nicht weiterlesen! Denn wir spoilern zwar nichts Konkretes, Andeutungen machen wir aber.

30 Jahre später in einer weit, weit entfernten Galaxis

Freuten wir uns vorher noch darüber, dass die Teaser und Trailer zum Film kaum etwas über die Handlung verraten und so unter anderem den gealterten Luke Skywalker nicht schon vorab gezeigt haben, stellen wir jetzt im Nachhinein fest: Viel mehr kommt da auch nicht nach. Über die Hintergründe der neuen Figuren erfahren Zuschauer nur wenig, auch was die wiedergekehrten Helden Han, Chewbacca, Leia, C-3PO und andere in den 30 Jahren nach Episode VI erlebt haben, bleibt weitgehend im Dunkeln.

Angesichts des von J.J. Abrams schon aus Star Trek gewohnt hohen Tempos fällt es schwer, in den richtigen Momenten die nötigen Emotionen zu entwickeln. Das schadet besonders der eigentlich tragischen Geschichte des neuen Gegenspielers Kylo Ren (Adam Driver), eines Darth-Vader-Fanatikers mit Hang zu spontanen Wutausbrüchen. In erklärenden Dialogen und einer schemenhaften Traumsequenz bekommen wir bruchstückhaft erzählt, wer er ist, und warum er der dunklen Seite der Macht verfallen ist.

Ohne dies aber wirklich miterlebt zu haben, fällt eine emotionale Bindung zum Geschehen ziemlich schwer. Darunter leidet besonders eine spätere Szene, die klar an den erinnerungswürdigsten Moment der bisherigen Saga angelehnt ist, so bei uns jedoch nicht mal im Ansatz einen ähnlich bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Wie die alten Filme, nur schwächer

Derlei Szenen bis hin zu ganzen Teilen der Geschichte, die direkt aus Star Wars IV bis VI adaptiert wirken, gibt es eine Menge. Einerseits hat auch George Lucas in Bezug auf seine Prequels schon davon gesprochen, Star Wars würde sich stets "reimen" und deswegen häufig selbst zitieren. Manche Fans wollen vielleicht auch gar nichts anderes als eben immer wieder mehr vom selben.

Uns ist dadurch allerdings nur umso mehr aufgefallen, dass Episode VII trotz aller Nostalgiepunkte emotional nicht annähernd so stark ist wie die Originaltrilogie. Den Vergleich, dem er sich mit seiner Gestaltung, besonders aber dem Drehbuchverlauf aussetzt, kann der neue Film unserer Meinung nach nicht standhalten und darunter hat er mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu leiden.

Etwas müde alte Haudegen

Entgegen aller Erwartung war es auch nicht die beste Idee, dem gealterten Han Solo einen so großen Part in Episode VII einzuräumen. Harrison Ford spielt den Schmuggler mit dem guten Herzen in vielen Momenten derart hölzern, dass einige wichtige Szenen nicht richtig zünden wollen. Nur wenn ihm mal wieder ein witziger One-Liner in den Mund gelegt wurde, haben wir ihm seine zweite Paraderolle neben Indiana Jones wirklich abgenommen.

Star Wars VII The Force Awakens – Trailer 2
Star Wars VII The Force Awakens – Trailer 2 (01:59)

Da sich Carrie Fisher als zum General beförderte Leia Organa meistens im Briefing-Raum einer Rebellenbasis aufhält, sind wir uns auch bei ihr nicht sicher, ob dieselbe Figur mit anderem Namen überhaupt großartig aufgefallen wäre – von den vorwiegend zur Dekoration anwesenden R2-D2 und C-3PO ganz zu schweigen.

Das lässt sich gewiss nicht nur über die Rückkehrer unter den Star-Wars-Helden sagen, sondern auch über viele neue Figuren, von denen wir mehr erwartet haben. Die Bösewichte Captain Phasma (Gwendoline Christie) und Supreme Leader Snoke (Andy Serkis via Motion-Capture-Verfahren) beispielsweise haben nicht mehr als kurze Gastauftritte, wir erfahren kaum etwas über sie. Das hebt sich Disney wohl, wie so vieles andere auch, für die bereits angekündigten Nachfolger auf.

Und so endet Episode VII eigentlich folgerichtig mit einem für Fans geradezu brutalen Cliffhanger, nachdem sie vorher 136 Minuten lang nicht mehr als einem schlussendlich ziemlich unbefriedigenden McGuffin gefolgt sind.

Die Macht erwacht doch noch ... in neuen Helden

Eine Funktion erfüllt die Geschichte des Films aber dann doch und das sogar ganz gut: Sie führt mit dem desertierten Sturmtruppler Finn (John Boyega), der auf Jakku gestrandeten Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) und dem charismatischen Rebellen-Piloten Poe (Oscar Isaac) ein neues Heldentrio ein, das sympathisch wirkt, und mit dem wir besonders zu Beginn des Films gerne mitgefiebert haben. Deren Teil der Geschichte ist, trotz einiger etwas zu weit hergeholter Zufälle, der weitaus spannendere und interessantere von Das Erwachen der Macht. Wie es aussieht, wird sich der Fokus von Disney in den kommenden Star-Wars-Filmen immer stärker auf diese neue Generation vielversprechender Helden verschieben. Dazu gehört auch der überaus gelungene Balldroide BB-8, der seinen Blechkameraden aus den vorhergegangenen Episoden in diesem Film bereits die Show gestohlen hat.

Star Wars: Episode VII ist zumindest handwerklich und atmosphärisch gesehen genau die Fortsetzung, auf die Fans seit Rückkehr der Jedi-Ritter gewartet haben. Den echten Rasenden Falken, Han Solo und Chewbacca wieder auf der großen Leinwand zu sehen, dürfte für viele schon das Kinoticket wert sein. Inhaltlich ist Das Erwachen der Macht allerdings nicht mehr als eine langgezogene Einleitung der nächsten Episode. Mit dem sehr offenen Ende und einer beinahe komplett aus alten Filmen zusammengesetzten Handlung kann er – anders als die Original-Trilogie – nicht über die Star-Wars-Nostalgie hinaus als Film überzeugen.


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