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Filmposter von Hidden Figures
Filmposter von Hidden Figures (Bild: 20th Century Fox)

Filmkritik Hidden Figures: Verneigung vor den Computern in Röcken

Filmposter von Hidden Figures
Filmposter von Hidden Figures (Bild: 20th Century Fox)

Hollywood-Filme über die Nasa-Historie müssen nicht immer von Männern in Raumanzügen handeln. Hidden Figures erzählt mit großartigen Darstellern und heiterer Leichtigkeit die nicht ganz so wahre Geschichte dreier Heldinnen, die mit Mut und Mathematik das Weltraumrennen zwischen Russland und den USA mitentschieden haben.
Eine Rezension von Daniel Pook

Anfang der 1960er Jahre herrscht Krisenstimmung bei der Nasa. Während Kosmonaut Juri Gagarin längst die Erde umrundet, verzweifeln US-Wissenschaftler an Formeln und Konstruktionen für ihren ersten bemannten Orbitalflug. Dorothy Vaughan (Octavia Spencer), Katherine Johnson (Taraji P. Henson) und Mary Jackson (Janelle Monáe) mühen sich zu diesem Zeitpunkt als menschliche Taschenrechner an vorgegebenen Kalkulationen ab. Räumlich getrennt von ihren weißen Kolleginnen und ohne reelle Aufstiegschancen; dafür sorgt die staatlich verordnete Rassentrennung. Bis die Nasa immer mehr unter politischen Druck gerät und verzweifelt nach spezialisierten Fachkräften in den eigenen Reihen sucht - und die drei ihre Chance bekommen.

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Regisseur Theodore Melfi zeigt seine Protagonistinnen im ständigen Konflikt mit Rassismus und Ablehnung von Frauen in technischen Berufen. Dabei ist es nicht wichtig, dass Hidden Figures sich ziemlich weit von den wahren Biografien entfernt. Seine Handlung steht stellvertretend für die Gesamtgeschichte afroamerikanischer Frauen in der Anfangszeit der Nasa. Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson durchleben hier symbolisch die Tiefschläge, letztendlich aber auch den inspirierenden Triumph gleich mehrerer Generationen unerkannter Heldinnen auf einen für Zuschauer spannenden Zeitraum komprimiert.

Dabei schafft es Melfi, ohne den dramatischen, traurigen Ton auszukommen, in dem Hollywood-Produktionen üblicherweise von realen Begebenheiten inspirierte Stoffe erzählen - erst recht, wenn ein Film zur Oscar-Saison kommt. Hidden Figures schlägt genau die entgegengesetzte Richtung ein. Heitere Songs von Pharrell Williams, dazu viel Humor und die sympathischen Hauptfiguren, die jeder Demütigung einen bewundernswerten Triumph folgen lassen. Der Mut zum Feel-Good-Movie wurde mit mehreren Academy-Award-Nominierungen belohnt, darunter für das beste adaptierte Drehbuch und in der wichtigsten Kategorie als bester Film.

Die unterschätzten Frauen hinter John Glenns Erfolg

In ihrer Not beordert die Nasa die schon als Kind hochbegabte Katherine Johnson direkt zum Kernteam des Mercury-Programms. Dort soll sie "hinter die Zahlen" schauen und Lösungen für Probleme finden, die sich mit bekannter Mathematik nicht bewältigen lassen. Mary Jackson leistet derweil als Assistentin am Langley Research Center wichtige Beiträge zur aeronautischen Konstruktion von Raumkapseln. Dorothy Vaughan bleibt bei den "Human Computers", so damals übrigens tatsächlich die offizielle Berufsbezeichnung. In Eigeninitiative bringt sie sich selbst und den dunkelhäutigen Mitarbeiterinnen ihrer Abteilung die Programmierung der damals noch mit Lochkarten gefütterten IBM-Computer bei, mit denen das restliche Nasa-Personal komplett überfordert ist.

Dass Astronaut John Glenn die mehrfache Erdumkreisung letztendlich gelingt und sich das Space Race von da an zugunsten Amerikas wendet, ist Allgemeinwissen. Wie groß Vaughans, Jacksons und Johnsons Rollen dabei waren und welch erschwerte Bedingungen ihnen als dunkelhäutige Frauen bei der Nasa begegnet sind, wird vielen Kinobesuchern dagegen neu sein. Beides erzählt Hidden Figures zwar spannend, aber auch mit jeder Menge Fiktion und Neuanordnung historischer Begebenheiten.

  • Die Space Task Group sucht Lösungen hinter den Zahlen. (Bild: 20th Century Fox)
  • Mary Jackson, Katherine Johnson und Dorothy Vaughan (Bild: 20th Century Fox)
  • Tagsüber Nasa-Heldin und abends ganz nebenbei auch noch Mutter. (Bild: 20th Century Fox)
  • Octavia Spencer (Mitte) könnte für Hidden Figures ihren zweiten Oscar gewinnen. (Bild: 20th Century Fox)
  • In Erwartung des Raketenstarts zu John Glenns Orbitalflug. (Bild: 20th Century Fox)
  • Mary Jackson bei Arbeiten im Windtunnel. (Bild: 20th Century Fox)
  • John Glenn (Glen Powell) posiert mit der Friendship-7-Raumkapsel. (Bild: 20th Century Fox)
  • Nachbildungen der Nasa-Büros aus den 60ern wirken authentisch. (Bild: 20th Century Fox)
  • Paul Stafford erinnert nicht nur wegen Darsteller Jim Parsons an Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory.  (Bild: 20th Century Fox)
  • Einzelne Szenen wurden in einem echten Windkanal von Lockheed Martin Aeronautics gedreht. (Bild: 20th Century Fox)
  • Al Harrison (Kevin Costner) wurde für die Filmhandlung erfunden. (Bild: 20th Century Fox)
  • Die menschlichen Rechner auf dem Weg zu ihren mechanischen IBM-Kollegen. (Bild: 20th Century Fox)
Die menschlichen Rechner auf dem Weg zu ihren mechanischen IBM-Kollegen. (Bild: 20th Century Fox)

Du bist hier nicht erwünscht

Wer die Hintergründe des Films recherchiert, stellt schnell fest, dass Segregation bei der Nasa in den Jahren unmittelbar vor dem Civil Rights Act 1964 bereits keine allgegenwärtige Rolle mehr spielte. Katherine Johnson selbst hat in Interviews geschildert, sie habe innerhalb der Space Task Group kaum etwas von der Rassentrennung mitbekommen, die ihr sonst im Alltag noch häufig im Wege stand, und sei von ihren Kollegen ganz normal behandelt worden. Nach Hautfarben unterteilte Badezimmer habe es zwar gegeben, sie habe sich aber einfach nicht daran gehalten und dadurch trotzdem nie Probleme bekommen. Dass es die Trennung überhaupt noch gab, lag an staatlichen Vorgaben.

Im Film sieht das ganz anders aus. Toiletten für Dunkelhäutige gibt es nur am anderen Ende der Forschungsanlage, was Katherine Johnson täglich 40 Minuten Arbeitszeit für ihre Notdurft kostet. Die Kaffeemaschine der weißen Mitarbeiter ist für sie tabu, wichtige Passagen ihrer Unterlagen werden als Schikane geschwärzt. Die Nachricht ihrer durchweg männlichen Kollegen ist klar: Du bist hier geduldet, nicht erwünscht.

Anhand der Nebenfiguren lässt sich der erzählerische Ansatz von Melfi und seiner Co-Autorin Allison Schroeder besonders gut erkennen. Kirsten Dunst spielt mit stets herrlich genervtem Blick die empathielose Vorgesetzte von Dorothy Vaughan und Jim Parsons den unwilligen Arbeitskollegen Mary Jacksons. Beide hat es in Wirklichkeit nicht gegeben. Sie spiegeln im Film klar überzeichnet verschiedene Typen vorurteilsgeprägter, weißer Amerikaner wider, die sich in ihrem unfairen Verhalten vom Staat legitimiert sahen und jeden Versuch einer Minderheit, ihre Situation zu verbessern, als Nachteil für sich selbst empfanden.

Auch der trotz aller Autorität mit viel Gefühl von Kevin Costner gespielte Nasa-Direktor Al Harrison ist eine fiktive Kreation, lose basierend auf gleich mehreren echten Personen. Er stellt als Entscheider mit Ambition und Weitblick den Gegenentwurf zu Kirsten Dunsts Rolle und damit die eigentliche moralische Instanz des Films dar. Menschen beurteilt er aufgrund ihres Fleißes und ihrer Fähigkeiten. Er reißt wortwörtlich dort Mauern ein, wo unsinnige Regeln gegen Einzelne den Fortschritt für das große Ganze einschränken. Es ging dem Drehbuchteam also weniger darum, echte Menschen zu zeigen als darum, mit den unterschiedlichen Rollen gesellschaftliche Positionen der damaligen Zeit abzubilden und darzustellen, wie sich diese dank gemeinsamer Ziele zum Guten haben verändern lassen.

Fiktion mit wahrem Kern 

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cuthbert34 10. Feb 2017

Glaub mir, hättest du Kinder, du würdest Mascha und der Bär kennen. Ist aber gut...

Gelegenheitssurfer 07. Feb 2017

Nein das impliziert nur, dass man schon genügend Stilmittel in Aktion gesehen hat um zu...

lear 02. Feb 2017

Das Wort ist älter und hatte noch in den 60ern nicht unbedingt die heutige Bedeutung...

torrbox 01. Feb 2017

Ein uninteressanter Film mit "Witzszenen" wo Frauen von Männern diskriminiert werden und...

MarioWario 01. Feb 2017

Kann man auch anders sehen: Zufälligerweise habe ich die Mondlandung live gesehen - sehr...



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